Waldviertler Öffis: Grüne üben Kritik!. Zu lange Fahrzeiten, zu hohe Kosten: Was die Forderung der Partei ist und wie der VOR reagiert.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 18. Juli 2019 (18:35)
Karin Widhalm
Sind mit dem neuen Fahrplan nicht zufrieden (v.l.): Silvia Moser, Michael Litschauer und Manfred Stattler von den Grünen

Der bevorstehende Fahrplanwechsel ab 5. August für das Waldviertel stellt die Grünen nicht zufrieden: zu lange Fahrzeiten, zu hohe Kosten, lautet ihr Fazit. Der Verkehrsverbund (VOR) kann das nicht nachvollziehen.

VOR-Pressesprecherin Christina Maria Bachmaier schickt voraus, dass vier Direktbusse zwischen Litschau und Wien von Montag bis Freitag bleiben. Ein Umstieg ist sonntags in Göpfritz nötig. Die Grünen führen ein Beispiel an, um ihre Argumentation zu unterstreichen.

Der Bus zwischen Waidhofen zum Göfpritzer Bahnhof fahre vermehrt über Groß Siegharts: Wenn ein Fahrgast einmal in der Woche nach Wien und retour fährt, ergebe das eine längere Fahrzeit (15 Stunden) und Mehr-Kosten von 810 Euro pro Jahr. „Ein Umstieg ist tolerabel, wenn es dann zügig raus geht“, findet Stadtrat Martin Litschauer (Die Grünen), der beim Pressegespräch Waidhofen vertrat.

„Je weiter ein Ort von der Franz Josefs-Bahn weg ist, desto problematischer ist die Kombination zwischen Bus und Bahn.“ Manfred Stattler

„Und das Ganze wird im Verhältnis wesentlich teurer.“ Das führt er darauf zurück, dass „Frank Reisen“ keine eigenen Tickets mehr verkaufen dürfe. Das Busunternehmen fährt für den VOR.

„Der Bustarif wird normalerweise nie angegriffen“, entgegnet Bachmaier, dass lediglich inflationsbedingte Anpassungen vorgenommen werden.

Sie bestätigt, dass „Frank Reisen“ als privatwirtschaftliches Unternehmen einen eigenen Haustarif angeboten hat, „vergleichbar mit der Vorteilscard der ÖBB“. Der Haustarif bleibe jedoch erhalten. Der Postbus fahre aber zwischen Waidhofen und Göpfritz. Den Vorwurf, dass genau diese Linie mehr Zeit benötige, lässt sie nicht gelten.

Waidhofen-Göpfritz: Bus fährt dann stündlich

Der „Umweg“ über Groß Siegharts sei schon jetzt gang und gäbe, außerdem wird eine Taktverdichtung eintreten. Der Bus fährt dann stündlich (statt alle zwei Stunden): von Montag bis Freitag und an Wochenenden.

Die Grünen fordern grundsätzlich eine Stärkung des öffentlichen Verkehrs. Bezirkssprecher Manfred Stattler (Gmünd) betont, dass die Kombination Zug und Bus von der Idee her gut sei. „Aber je weiter ein Ort von der Franz Josefs-Bahn weg ist, desto problematischer wird die an sich praktische Kombination.“ Die letzte Verbindung nach Heidenreichstein fährt in Wien um 18.18 statt 18.30 Uhr weg. Die Grünen pochen auf Verbindungen in den fortgeschrittenen Abendstunden.

Sie sehen den Preis als Einstiegshürde in den öffentlichen Verkehr. „Wenn man Busse nicht leer fahren lassen will, dann muss man beim Tarif ansetzen“, betont Stattler, der auch das Bezahlsystem nicht zeitgemäß hält. Das kann nur bar beim Chauffeur getätigt werden. Bachmaier hackt da ein.

Der VOR biete Zeitkarten und einen Ticket-Shop im Internet und als App an. Man wolle aber auch die Möglichkeit erhalten, in direkten Kontakt mit dem Chauffeur treten zu können.

"Die Jugend verlangt das"

Landtagsabgeordnete Silvia Moser hält es für wichtig, dass etwa nicht nur Lehrlinge mit dem Top-Jugendticket quer durch Österreich fahren können. Das soll für Jugendliche bis zum 26. Lebensjahr möglich sein und sei im Landtag eingebracht worden. „Die Jugend verlangt das.“ Noch besser halten die Grünen das 365 Euro-Ticket.

„Das ist eine politische Entscheidung“, antwortet die VOR-Sprecherin. Man habe jetzt einen leistungsbezogenen Tarif, bei dem Leute für ihre jeweilige Strecke zahlen. Den Ausbau der „Franzl-Bahn“ halten die drei Grüne-Vertreter jedenfalls wesentliche fürs Waldviertel.

Die Begradigung der Allentsteiger Spange, die Durchfahrtsmöglichkeit bis Horn, Modernisierung der Züge und Ausbau der Verbindungen zwischen den Bezirksstädten sollen ihres Erachtens längst angepackt werden. Negativ wird die Verquickung der „Europa-Spange“ mit der Franz Josefs-Bahn betrachtet. „Das schiebt den Ausbau der Franz Josefs-Bahn um Jahre hinaus“, findet Moser. Horns Vertreter Walter Kogler wollte ebenso zum Pressegespräch kommen, war aber erkrankt.