Filmemacher aus Waidhofen/Thaya zeigt sein Werk. Martin Anibas zeigte vier seiner Filme im Stadtmuseum.

Von Monika Freisel. Erstellt am 19. September 2019 (04:12)
Monika Freisel
Martin Anibas schafft aus Zeichnungen und Aquarellen Experimentalfilme.

Zeichnungen und Aquarelle in Filme zu transformieren, die subtile Stimmungen erzeugen, den Betrachter neugierig machen und zur Aufmerksamkeit motivieren: Das gelingt dem 1961 in Waidhofen geborenen, in Zwettl und Wien lebenden Maler, Grafiker und Filmemacher Martin Anibas eindrucksvoll. Vier Filme aus seinem umfangreichen Schaffen präsentierte der Künstler am Freitagabend im Stadtmuseum.

Erinnerungen an Irland hielt Anibas in abstrakten, schwarz-weiß gezeichneten Landschaftsbildern fest und verdichtete sie zu dem einminütigen, experimentellen Trickfilm „Landscape Desire 2“.

6.000 Bilder für den Film geschaffen

Für den Kurzfilm „Pique-Nique“ zeichnete und aquarellierte er 6.000 Bilder, versetzte sie dann in Bewegung. Landschaften, Bäume, Tiere, Menschen tauchen auf, verändern Form und Position – gedrängt durch den schnellen Rhythmus der Musik von Thomas Renolder – und entschwinden wieder.

Nostalgische Gefühle und sanfte Wehmut weckte der Film „Reise ins Nichts“, für den Martin Anibas 2011 eine Wanderung auf der stillgelegten Thayatal-Bahnstrecke unternahm. In sieben Tagen marschierte er etappenweise von Waidhofen nach Waldkirchen, zwischen Wiesen und Feldern, vorbei an Wäldern und Ortschaften, oftmals über hohes Gras und durch dichtes Gebüsch – die Natur hatte schon begonnen, das Terrain zwischen den Schienen zurückzuerobern. Auf dem Weg machte Anibas in regelmäßigen, kurzen Abständen Fotos, in Summe entstanden so etwa 15.000 Bilder. Der Film zeigt die Fotografien im schnellen Durchlauf, sodass der Eindruck einer temporeichen Fahrt entsteht. Kurz nach Ani bas’ Fußmarsch wurden die Schienen abgerissen, um Platz für den Radweg zu schaffen.

Der Film „Bis jetzt“ hält ein im Jahr 2011 geführtes Interview mit Arnulf Neuwirth fest, das letzte, das der bildende Künstler vor seinem Tod gab. Es war beeindruckend, wie humorvoll und geistig hellwach der 99-jährige, Tag für Tag schöpferisch tätige Neuwirth auf Fragen des Kunsthistorikers Carl Aigner einging und von seinem Leben und künstlerischen Werdegang erzählte. Zeichnungen, Aquarelle und Collagen, die „beseelte Landschaft“ prägen sein Werk. Er starb 2012 mit 100 Jahren.