Begeben sich Radler in Gefahr?. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Karin Widhalm und Julia Fröhlich. Erstellt am 14. August 2019 (05:16)
Karin Widhalm
Horst Winkler ist ein passionierter Radfahrer im Alltag und steuert in Trainingszeiten sogar seinen 60 Kilometer entfernten Arbeitsplatz in Retz an. In Waidhofen würde er sich Radfahrstreifen wünschen. Er kenne aber die Schwierigkeiten in der Umsetzung.

Horst Winkler, wohnhaft in Waidhofen, fährt bis zu 20 Mal jährlich zu seinem Arbeitsplatz – nach Retz im Bezirk Hollabrunn. Das sind 60 Kilometer. Der Leiter des dortigen Pflegezentrums nutzt die zweistündige (retour: zweieinhalbstündige) Strecke, um seine Fitness zu steigern. Einmal – und nie wieder – wählte er die Bundesstraße: „Das ist echt lebensgefährlich.“

Der starke Verkehr bringt es mit sich, dass Kraftfahrzeuge ihn mit knappem Abstand mit 100 Kilometer pro Stunde überholen. „Da kommt man aus dem Gleichgewicht“, schildert Winkler. Er wählt seitdem die weniger befahrene Route über Groß Siegharts, Aigen, Geras, Weitersfeld. „Dort ist’s wesentlich entspannter, maximal überholt dich ein Traktor.“ Nicht allen Autofahrern sei klar, welches Gefühl der Radler hat, wenn schnell und knapp überholt wird. Sehr vorbildliche Menschen, „die den Radfahrer als Verkehrsteilnehmer akzeptieren“, seien aber schon unterwegs. Wie er sich selbst verhalten soll, beschert ihm Kopfzerbrechen.

„Ich traue mich zu behaupten, in Sachen Sicherheit und Beleuchtung ein Vorbild zu sein.“ Hubert Strasser hat sogar ein Licht auf Mopedniveau

„Fahre ich defensiv am Rand, lade ich die Autofahrer dazu ein, auch bei Gegenverkehr zu überholen“, ärgere er sich dann. „Wenn ich einen Meter Abstand halte, denke ich mir, dass ich vielleicht abgeschossen werde, wenn der Fahrer hinter mir gerade abgelenkt ist. Das ist eine Gratwanderung.“ Tendenziell rücke er aber hin zum weißen Begrenzungsstreifen.

Hubert Strasser, Prokurist bei der Baugesellschaft Reissmüller, legt ebenso, mit voller Leidenschaft und Überzeugung persönlich zum Umweltschutz beizutragen, den 40 Kilometer langen Weg zum Arbeitsplatz von Rohrenreith nach Waidhofen auf zwei Rädern zurück, – etwa 70 Mal im Jahr. Schnee, Regen, Kälte, Hitze und Bundesstraßen mit hoher Verkehrsfrequenz halten ihn davon nicht ab. „Da kommen jährlich schon gute 6.000 Kilometer zusammen, die ich im Winter sogar auf Spikesreifen zurücklege“, ist er seit dem sechsten Lebensjahr Rad-Fan. „Mir taugt’s einfach und fit hält es mich auch noch!“ Die Sicherheit kommt nicht zu kurz.

„Ich bin bestens mit reflektierender Kleidung, geeigneten Schuhen, Handschuhen und einem Helm ausgestattet und traue mich zu behaupten, in Sachen Sicherheit und Beleuchtung ein Vorbild zu sein“, betont Strasser. Er habe ein Licht auf Mopedniveau.

Er lege vor allem etwa in der Dämmerung viel Wert darauf, sich am rechten Fahrbahnrand aufzuhalten und besonders aufmerksam zu sein. „Ich kann mich in Sachen Sicherheit im Bezirk nicht beklagen und bin der Meinung, dass man als Radfahrer einfach besonders aufmerksam sein sollte.“ Das sieht Ernst Supper, Obmann des Radclubs Falke in Kautzen, genauso. „Es liegt an den Radfahrern, man darf nicht narrisch fahren“, denkt er dabei auch an die E-Bike-Nutzer. Man müsse so fahren, dass man rechtzeitig zum Stehen kommen kann.

„Ich denke, dass wir mit unseren Zusatz-Radwegen das dichteste Netz in Niederösterreich haben“, sagt Eduard Köck, Obmann der Thayaland-Kleinregion. Strasser hält touristische Radwege für wertvoll: „So können Radfahrer von den Bundesstraßen weggelockt und das Sicherheitsrisiko minimiert werden.“ Winkler wünsche sich als Alltagsradler in der Stadt Waidhofen zwar Radfahrstreifen, wisse aber, dass das in der Umsetzung schwierig sei. Würde er Kinder im Lastenfahrrad mitnehmen? Eher nicht, sagt er. Nur, wenn er das Kind ständig sehen kann. „Aber da fehlt mir die Erfahrung“, nimmt er seinen Enkel im Fahrradsitz mit.

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