Maulkorb lässt viele aufjaulen. Grundkurse für Halter und bessere Hundeerziehung werden als Alternative zu Gesetzesverschärfung genannt.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 13. November 2019 (04:34)
Trainer Gernot Blieberger beim Mantrailing mit Hündin Alexa: mit Beißkorb wäre diese Beschäftigung kaum möglich
privat

Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Gernot Blieberger, Trainer beim Hundesportverein Groß Siegharts, sagt zu den Regelungen: „Ich halte es für nicht sehr sinnvoll, dass so generalisiert wird. Es kommt vielmehr auf die Erziehung und auf den Halter an – aber auch auf den Umgang.“ Und: „Die Vorfälle sind natürlich tragisch. Kollektivstrafen sind aber übers Ziel hinausgeschossen.“ Welche anderen präventiven Ansätze schlägt er vor? Er erachte verpflichtende Grundkurse für Hundebesitzer für sinnvoll. Dabei könne man Verhalten, Wesen und Sprache der Hunde zu deuten lernen. Gernot Blieberger kritisiert, dass Experten kaum eingebunden wurden. „Leute, die sich intensiv mit Hunden beschäftigen, wie beispielsweise der ÖKV, wurden nicht gefragt“, sagt er.

Noch nicht viel zu den Änderungen im Hundehaltegesetz sagen will Bezirkshauptmann Günter Stöger: „Es ist noch nicht ganz klar, in welcher Form das Gesetz tatsächlich kommen wird.“ Mit maßgeblichen Problemen im Bezirk Waidhofen rechne er aber nicht, denn „die bisherigen Vorgaben werden gut eingehalten.“ Im Jahr 2017 gab es 16 Verfahren, drei davon betrafen die Verletzung der Leinen- oder Maulkorbpflicht, 2018 waren es insgesamt acht Verfahren und heuer kam es zu bisher 18 Verfahren, davon sechs betreffend die Verletzung der Leinen- oder Maulkorbpflicht.

Was die Verschärfung der Beißkorbpflicht für Gebrauchshunde – wie beispielsweise Jagdhunde – bedeuten würde, scheint offensichtlich: „In der Ausübung ihres Dienstes können Jagdhunde keinen Maulkorb tragen. Das wäre nicht möglich“, sagt Bezirksjägermeister Albin Haidl. Im jagdlichen Einsatz könnte der Hund seine Aufgaben nicht erfüllen. Haidl, selbst Besitzer eines Deutsch Kurzhaar, spricht ebenfalls das Thema Hundeerziehung an: „Erziehung ist ganz wichtig. Welpen müssen soziales Verhalten möglichst früh lernen.“

„Wir sind nicht der Meinung, dass eine Verschärfung des Hundehaltegesetzes notwendig ist“, bewertet Carmen Pacher von der Tierklinik Dobersberg die Regelungen aus tierärztlicher Sicht. Das Gesetz sei sehr willkürlich, wie sie sagt: „Weil überall ‚sensible Orte‘ bestimmt werden können, auch auf Spazierwegen.“

Beißkorb erschwert Hunden soziale Kontakte

Durch die Gesetzesverschärfung werde jeder Hund in die Rolle gedrängt, dass er Gefährdungspotenzial birgt, meint Pacher. Sie weist auch auf einen weiteren Punkt hin: „Für Hunde, die getragen werden können, würde das Gesetz nicht gelten. Dauerhaftes Tragen eines Hundes ist nicht artgerecht und vermittelt ein völlig falsches Bild – nämlich jenes von Schoßhunden.“ Außerdem werde der Hund durch das Tragen eines Maulkorbes in seinem sozialen Verhalten eingeschränkt, das Beschnuppern von Artgenossen erschwert.

Der fünffache Hundebesitzer Harald Strasser kann dem zustimmen: „Beißkörbe stören die Hunde massiv in der Kontaktaufnahme. Damit bewirkt man nur das Gegenteil. Ich sehe nicht ein, warum ich meine Hunde desozialisieren soll.“ In dem Fall, dass er seine Hunde nur mehr mit Beißkörben mitnehmen könnte, würde auch er Veranstaltungen fern bleiben. Sein Vorteil sei, dass er ein großes Grundstück hat, auf dem er seinen Hunden genug Auslauf bieten könne. Was könnten Gesetzesänderungen für die Hundehaltung und für das Image von Hunden bedeuten?

„Es werden immer weniger Leute einen Hund haben. Oft wird man als Hundebesitzer schon schief angesehen. Der Hund wird wegen einzelner Vorfälle als Killer dargestellt“, so Strasser. Als wichtiger Partner des Menschen wolle er den Hund nicht ausgegrenzt sehen: „Hunde helfen Menschen, besonders in psychischer Hinsicht. Jeder Hund ist Therapie für den Menschen.“

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