Nahversorgung hat Zukunft: „Kunden merken die Freude“. Ansprechpartner, Berater, breites Angebot – wie Othmar Josef als Nahversorger in Thaya erfolgreich ist.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 27. November 2019 (04:45)
Morgendliches Treffen zum Einkaufen und Tratschen imNah&Frisch in Thaya: Barbara Russ, Betreiber Othmar Josef, Herta Russ, Werner Miedler, Franz Russ und Altbürgermeister Leopold Hainz.
Michael Schwab

Er sei gerade vor dem Geschäft den Tschick-Automaten auffüllen, bittet Othmar Josef beim Anruf der NÖN kurz um Geduld. Wenige Augenblicke später steht er wieder in seinem Laden in Thaya und hört sich das Anliegen an. Gut laufende Nahversorger sollen vor den Vorhang geholt werden, nach ihrem Erfolgsrezept befragt werden. Stellvertretend dafür ist sein Nah-&-Frisch-Geschäft ausgewählt worden, das er seit bald zwei Jahren betreibt. „Gerne“, sagt Josef sofort. Aber, ob wir vielleicht später reden könnten, weil gerade viel zu tun sei.

Natürlich geht das.

Diese Episode veranschaulicht gut, was ein Nahversorger alles zu tun hat. Josef war an diesem Nachmittag, knapp nach dem Aufsperren, allein im Laden, Platten, Brötchen und Lieferungen mussten vorbereitet und später, wenn die Mitarbeiterin kommt, selbst ausgeliefert werden. Dann war natürlich auch das normale Geschäft zu schupfen.

Und dabei immer freundlich bleiben. Das sei das Wichtigste, betont Josef: „Unsere Kunden sagen uns oft, wenn sie ins Geschäft kommen, dass sie merken, wie viel Freude wir an der Arbeit haben.“

Servicequalität und gute Beratung seien wichtig. Man sei aber auch ein Ansprechpartner für die Kunden, betont Josef: „Wir reden mit ihnen. Sie sollen sich hier wohlfühlen.“ Darum sei es auch wichtig, im Ort integriert zu sein, sagt Josef, der eigentlich in Waidhofen lebt, aber von Beginn weg in Thaya präsent sein wollte, auf die Kooperation mit Vereinen setzte, sich bei vielen Veranstaltungen auch außerhalb der Geschäftszeiten hier blicken ließ.

Das dort Erlebte kann dann gleich in der vom Verkaufsraum abgetrennten Kaffee- und Imbiss-Ecke besprochen werden. Zudem ist Josef Post-Partner, Lotto-Toto-Stelle und wie eingangs beschrieben Tabak-Trafik. „Diese Vielfalt ist wichtig“, betont er.

Großes Augenmerk legte Josef auf die Zusammenstellung des Marktteams (er und drei Mitarbeiterinnen). „Jede ist von Anfang an dabei und identifiziert sich mit dem Geschäft.“ Zudem sei die Ausstattung bei der Gestaltung des nach der Pensionierung der langjährigen Kauffrau Elisabeth Koller sanierten 170m 2 -Geschäfts und auch bei der Warenpräsentation wichtig.

Der Einstieg war „Hardcore“

Othmar Josef ist Nahversorger aus Leidenschaft. Und doch erst seit zwei Jahren im Metier. Der Waidhofner war Bankangestellter, sattelte erst im Zuge der Ausschreibung für den Nah-&-Frisch-Markt in Thaya auf Kaufmann um. „Mein Herz schlägt für das“, sagte er damals der NÖN. Am Sonntag feiert er das Zwei-Jahr-Jubiläum. Und den Satz würde er jederzeit wiederholen.

Der Einstieg aber „war Hardcore“, wie er heute schmunzelnd erzählt. „Mir blieben nach meiner beruflichen Veränderung ganz genau zehn Tage Zeit, das Geschäft auf Vordermann zu bringen, die Ware einzuräumen und dann noch die dreitägige Eröffnungsfeier zu organisieren.“ Neben Team und Familie waren auch Freunde, Verwandte die Feuerwehr Oberedlitz im Einsatz, um das alles in dieser kurzen Zeit zu bewerkstelligen.

Dass er als Quereinsteiger ins Geschäft gekommen ist, war vielleicht ein Vorteil. „Ich habe sicher viele Sachen anders gesehen. Sicher auch manchmal etwas blauäugiger“, sagt er. „Den Erfolg bringt das Zusammenspiel des gesamten Teams. Jede meiner Kolleginnen hat verschiedenste Erfahrungen mitgebracht, jeder bringt seine Ideen ein. Das macht uns stark.“

Beim NÖN-Fototermin waren einige Stammkunden gerade zum Einkaufen und Kaffeetrinken im Geschäft, wie Alt-Bürgermeister Leopold Hainz: „Wir sind alle froh, dass wir unseren Nahversorger in Thaya haben. Die Gemeinde hat zum Glück die Initiative ergriffen, das gibt es nicht überall“, sagt Hainz, der früher selbst ein Geschäft hatte.

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