FPÖ stürzt ab, ÖVP als großer Sieger. Jubelschreie und Händeklatschen bei der ÖVP, Ernüchterung bei der SPÖ, Verständnis bei der FPÖ und Feierstimmung bei den Grünen: So unterschiedlich wurde das vorläufige Bezirksergebnis der Nationalratswahl bei den Parteien aufgenommen.

Von Michael Schwab. Erstellt am 29. September 2019 (21:55)
Michael Schwab
Jubelstimmung bei der ÖVP.

Der große Sieger ist die ÖVP, die gegenüber der Wahl 2017 um knapp zehn Prozent zulegte und nach Auszählung der Stimmzettel (ohne Wahlkarten) bei 53,59 Prozent liegt. Entsprechend war die Stimmung in der Bezirksparteizentrale in Waidhofen, als kurz vor der ersten Hochrechnung schon angeregt über das Bezirksergebnis gesprochen und Hoffnung auf ein ebenso gutes bundesweites Ergebnis geschürt wurde.

Die Mandatare drängten sich dicht im Besprechungsraum, die Spannung stieg, es fielen letzte Kommentare, dann war es soweit: Jubel, in die Höhe gerissene Hände, lautes Klatschen und sichtbare Erleichterung – Freude pur über das Ergebnis auf Bundes- wie auch Bezirksebene.

„Fast zehn Prozent plus sind eines der besten Bezirksergebnisse österreichweit. Das hätte ich in dieser Stärke absolut nicht erwartet“, meinte ÖVP-Bezirksparteiobmann Eduard Köck in einer ersten Reaktion.

Sebastian Kurz habe in den letzten zwei Jahren sehr gute Arbeit geleistet: „Der Wähler hat das offensichtlich auch erkannt.“ Die Selbstbereicherung der FPÖ-Funktionäre sei nun bei den Leuten angekommen und entsprechend abgestraft worden, und sie SPÖ habe sich nach Ansicht von Köck nur darauf konzentriert, Kurz zu beschimpfen, anstatt ein Konzept vorzulegen.

Martin Litschauer (Grüne) könnte Einzug ins Parlament schaffen

Grund zum Jubeln haben auch die Grünen. Mit laut aktueller Hochrechnung 14 Prozent der Wählerstimmen schaffen sie nicht nur den Wiedereinstieg ins Parlament, sondern erzielten auch ihr historisch bestes Ergebnis. Von zweisteilligen Werten ist man zwar im Bezirk Waidhofen ein Stück entfernt, doch gegegenüber 2017 könnte die Öko-Partei immerhin um fast vier Prozent von 2,29 auf 6,23 Prozent zulegen.
Für den Wahlkreis-Spitzenkandidat Martin Litschauer aus Thaya könnte dies den Einzug ins Parlament bedeuten. „Es ist knapp, aber wenn die Wahl so ausgeht, wie unsere internen Hochrechnungen versprechen, könnte es sich ausgehen“, gibt sich Litschauer zuversichtlich. Eine fixe Aussage sei aber erst nach Auszählung der Wahlkarten möglich.

Absturz: FPÖ verliert 14 Prozent

Der großer Verlierer der Wahl ist die FPÖ. Sie stürzte im Bezirk Waidhofen von 33,34 auf 19,29 Prozent ab, ein Verlust von 14,05 Prozent. Anders als bei der EU-Wahl gab es diesmal keine Feier in Gottfried Waldhäusl Lokal in Waidhofen – er weilte mit anderen Parteikollegen in Wien. „Es ist das eingetreten, wie ich es in den letzten Tagen schon prophezeit habe. In den letzten Wochen ist alles weggebrochen, der Wähler hat berechtigter Weise auf die Missstände reagiert“, stellt Waldhäusl im Gespräch mit der NÖN klar.

Er habe Verständnis für jeden, der diesmal der FPÖ nicht seine Stimme geben konnte, und bedankt sich bei allen, die es trotzdem getan haben.
„Wir müssen daraus lernen, und sollten wahrscheinlich die Partei nicht mehr nur auf einer Person aufhängen. Moral und Anstand müssen wieder Einzug halten“, betont Waldhäusl. Sorgen um die Zukunft der Partei mache er sich keine: „Wir wissen, dass wir es können. Die SPÖ hatte keinen Ibiza-Skandal und keinen Strache, und hat nichts darauf gemacht.“, kann sich Waldhäusl einen Seitenhieb nicht verkneifen. „Wir wissen, dass man eine Partei wie uns braucht“, fügt er hinzu.

SPÖ konnte Wähler nicht mobilisieren

Keinen Grund zum Feiern hatte auch die SPÖ. Man traf sich in der neuen Bezirksparteizentrale am Waidhofner Hauptplatz, es gab Kaffee und Kuchen. Statt Jubel gab es eine nüchterne Auseinandersetzung mit dem Bezirkswahlergebnis, das mit einem Minus von etwas über sechs Prozent (von 20,12 auf 13,94 Prozent) alles andere als berauschend war.

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Bei der SPÖ zeigte man sich etwas ratlos, warum es nicht gelungen war, die Wähler zu mobilisieren: Bezirksparteiobmann Roman Zibusch, Martina Litschauer, Gabriele Koller und Gerald Matzinger.

„Wir konnten unsere eigenen Wähler wieder einmal nicht mobilisieren, ich bin etwas ratlos, warum das so war“, gestand SPÖ-Bezirksparteivorsitzender Roman Zibusch ein. Die Leute hätten zwar erkannt, wofür die FPÖ stehe und hätten die Partei abgestraft, es sei aber nicht gelungen, diese Leute von der FPÖ zur SPÖ zu bringen. Er sei überrascht, dass so viele Leute zur ÖVP und Kurz gelaufen seien, wo Kurz doch gezeigt habe, dass er Politik für Industrie und Gewerbe mache, nicht für den „kleinen Mann“.

„Wir müssen daran arbeiten, bei der nächsten Wahl unsere Themenschwerpunkte besser und medienwirksamer zu präsentieren“, ist Zibusch überzeugt. Außerdem müsse man als Partei an einem Strang ziehen und hinter Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner stehen, und sich nicht durch Querschüsse aus den eigenen Reihen sabotieren.

NEOS und JETZT spielen kaum Rolle

Die übrigen Parteien rangieren im Bezirk Waidhofen unter der fünf Prozent-Marke. Die NEOS legten gegenüber 2017 knapp ein Prozent zu und erreichten 4,84 Prozent, die Liste JETZT rutschte von 3,24 auf 1,04 Prozent ab. Mit der Auszählung der Wahlkarten sind freilich noch kleine Verschiebungen möglich - traditionell legen SPÖ und Grüne dabei gerne zu, während ÖVP und FPÖ verlieren, doch an der Rangfolge wird sich nichts mehr ändern, dazu ist der Vorsprung der ÖVP uneinholbar groß, und auch die FPÖ liegt weit genug vor der SPÖ, um Platz zwei halten zu können, wenn auch gegenüber 2017 auf deutlich abgeschlagenem Niveau.

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