Homeschooling: Alles eine Frage der Motivation. Kinder und Jugendliche müssen noch ein paar Wochen länger zu Hause lernen. Ist die Grenze langsam erreicht?

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:06)
Viele Eltern müssen derzeit neben ihrem eigenen Job und der Haushaltsführung auch noch als Lehrer ihrer Kinder fungieren.
Fabio Prince/shutterstock.com

Der Lockdown wird verlängert und für die Schulen damit auch die Zeit im Heimunterricht. Ist diese Unterrichtsform noch länger tragbar oder stößt das „Homeschooling“ allmählich an seine Grenzen?

Ermüdungserscheinungen spürbar. „Es kommt uns langsam schon vor wie eine Ewigkeit. Wir merken, dass sich die Situation jetzt schon über zwei Monate hinzieht“, sagt HAK-Schulsprecher Georg Schlager. Zumindest Ermüdungserscheinungen machen sich also schon bemerkbar. Funktionieren würde das Lernen von zu Hause aber weiterhin, mit Abstrichen. „Wir lernen schon noch genug, aber halt nicht im Umfang eines normalen Schulalltages“, erklärt der Schulsprecher.

Vor allem die vielen Videokonferenzen begrüßt er, die deutlich beim Lernen helfen würden. Allerdings auch nur in Maßen, denn sechs Stunden vor dem PC zu sitzen kann auch an den Kapazitäten zehren.

„Man hat sich daran gewöhnt“. Von Elternseite ist man noch recht positiv gestimmt. „Man hat sich mittlerweile irgendwie daran gewöhnt“, berichtet die Elternvereinsobfrau der HAK, Melanie Sauer. Das „Homeschooling“ habe sogar einige Vorteile. „Als Elternteil hat man dadurch einen viel besseren Überblick, was die Kinder zu erledigen haben. Zumindest mein Sohn ist auch froh, dass er in der Früh länger schlafen und nicht mit dem Bus rausfahren muss“, erklärt sie. Schattenseiten wären natürlich das Fehlen der sozialen Kontakte und der Klassengemeinschaft. „Es ist auch nicht so schön, wenn die Kinder den ganzen Tag vor dem Computer sitzen müssen“, meint Sauer.

Während sich das System des Heimunterrichts bei Jugendlichen noch auf ein gewisses Maß an Selbstständigkeit beruft, sehen sich die Eltern von jüngeren Schülern vor eine immer größer werdende Aufgabe gestellt. „Ich kann aus Erfahrung sprechen, dass die Motivation der Kinder oft gegen Null geht. Da fehlt dann auch das Verständnis, dass die anderen Kinder spielen dürfen, während man selbst noch lernen muss“, berichtet die Elternvereinsobfrau der Volksschule Vitis, Ingrid Hartner. Das sei aber natürlich von Kind zu Kind stark unterschiedlich. „Manche sind selbstständig, manche brauchen Unterstützung. Manche sind gewissenhaft, andere wiederum schlampig.“

Gruppe ist nicht ersetzbar. Einer der größten Faktoren für den Lernerfolg der Jüngsten sei durch den Heimunterricht einfach nicht ersetzbar: die Gruppe. „Kinder setzen sich halt nicht freiwillig zum Lernen hin. In der Schule gehen sie mit der Gruppe und den Freunden. Das ist enorm wichtig.“ Genau deshalb mache sich jetzt auch bei den Kindern, zusätzlich verstärkt durch die erneute Verlängerung des Lockdowns, ein gewisser Frust breit. „Auch wenn vielleicht manche anfangs noch froh waren, nicht mehr in die Schule zu müssen, ich glaube mittlerweile hoffen alle Kinder auf eine baldige Rückkehr“, meint Hartner. Die Grenzen des Homeschoolings seien in manchen Familien bereits überschritten, mit fortlaufender Dauer würden immer mehr folgen.

Das größte Altersspektrum aller Schulen hat Gymasiums-Direktor Roland Senk zu managen: „Viele Schüler arbeiten schon höchst professionell und haben durch den Heimunterricht viel über selbstständiges Arbeiten gelernt. Es gibt aber natürlich auch Schüler, die damit wenig anfangen können und die Anwesenheit des Lehrers brauchen“. Gerade diese würden momentan besonders leiden und Gefahr laufen „abzutauchen“.

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