Ist neues Hundehaltegesetz nötig?. Die NÖN fragte beim Tierheim Schlosser und dem Hundesportclub Groß Siegharts nach, was sie von der geplanten Novellierung halten.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:14)
Hundesportclub-Obmann Michael Pany mit Sohn Finjas und dem Australian Shepherd Joey.
Gerald Muthsam

Machen Beratungsgespräch, Sachkunde und ein Hundepass Sinn?

Erwin Schlosser nicht begeistert

„Meiner Meinung nach ist das der totale Unsinn“, meint Erwin Schlosser vom Tierheim Gastern. „Man weiß überhaupt nicht, wie das Beratungsgespräch ablaufen soll und wer die Informationen in den Hundepass einträgt. Ich weiß nicht, welchen Sinn das haben soll.“ Den Sachkundenachweis bei den Listenhunden sieht Schlosser auch kritisch: „Der Besitzer geht mit dem Hund auf den Abrichteplatz, macht den Sachkundenachweis und danach macht er den Hund scharf, wenn er möchte“.

Ein Beratungsgespräch sieht er prinzipiell als sinnvoll an: „Ich weiß aber nicht, wie das geplant ist und wer das machen soll. Dieses Gespräch mache ich schon seit 30 Jahren und habe schon viele Leute weggeschickt, weil ich der Meinung bin, dass sie nicht für die Hundehaltung geeignet sind.“

Angst vor Hundeschwemme

Schlosser sorgt sich auch um die Hunde im Tierheim: „Das Nächste wird sein, dass viele Leute durch die Auflagen abgeschreckt werden, sich einen Hund aus einem Heim zu holen. Zu mir kommen viele ältere Menschen, deren Hund gestorben ist, um sich wieder einen zu holen. Es kann dann sein, dass sie sich nicht mehr den Aufwand antun wollen mit Sachkunde und Hundepass.“ Sollte das Gesetz auch rückwirkend beschlossen werden, dann gebe es die große Hundeschwemme in den Tierheimen, und diese seien jetzt schon überfüllt. „Ich persönlich halte den Herrn Waldhäusl als nicht sehr kompetent in Sachen Tierschutz“, meint Erwin Schlosser. „Das ist eher eine Alibi-Geschichte, mit der er für die nächsten Wahlen punkten will.“ Als sinnvolle Maßnahme würde Schlosser den Wegfall der Verfallfrist bei Tierabnahmen sehen: „Wenn jetzt der Amtstierarzt einen Missstand feststellt und das Tier beschlagnahmt, hat der Besitzer acht Wochen Zeit, um dagegen Einspruch zu erheben. Wenn das Tier abgenommen wurde, sollte es der Besitzer nicht mehr zurückbekommen.

„Es sollte auch die Möglichkeit geschaffen werden, auffällige Hunde samt Besitzern besonders zu unterstützen.“ Michael Pany

Verpflichtender Hundeführschein

„Ich bin absolut für einen verpflichtenden Hundeführschein für jeden Hundebesitzer“, meint Michael Pany, Obmann des Hundesportclubs SVÖ Groß Siegharts. „Viele nehmen sich einen Hund und sind sich der Aufgabe nicht bewusst. Aber ob man mit den geplanten Richtlinien das verhindern kann, was damit bezweckt werden soll, ist fraglich.“ Die Politik hätte oftmals andere Statistiken über Hundebisse und andere Ansichten, als die Realität zeige.

Man kann nicht alles gesetzlich regulieren

„Es wurde zwar mit Fachkräften gesprochen, doch mit solchen, die schon lange nicht mehr in der Hundeerziehung tätig sind. Wir, am Hundeplatz an der Front, sehen vieles etwas anders“, meint Pany. „Man kann nicht alles gesetzlich regulieren. Man muss auch auf die Verantwortung von Hundebesitzern und Mitmenschen setzen. Die Politik versucht verzweifelt, die Lücke zu schließen, die die verantwortungslosen Hundebesitzer und auch Nicht-Hundebesitzer aufmachen.“ Wenn alle Hunde mit Leine und Beißkorb herumliefen, erhöhe dies natürlich die Sicherheit, schränke aber gleichzeitig die Freiheit von Hund und Besitzer ein. „Ich bin öfters mit meinem Hund mit Leine und Maulkorb unterwegs, dann kommen Kinder und wollen den Hund einfach ohne zu fragen streicheln, und die Mutter steht daneben und schaut zu. So etwas darf auch nicht sein“, gibt Pany zu bedenken. „Wir haben auch Herrn Waldhäusl das Angebot gemacht, mit uns zu sprechen, bevor die nächsten Schritte gesetzt werden, das ist leider nicht in Anspruch genommen worden.“

Nicht jeder Hund passt zu jeder Familie

Der Hundeclub versuche so gut wie möglich, Hundebesitzer zu unterstützen und auch eine Beratung im Vorfeld anzubieten. Denn es passe nicht jeder Hund zu jeder Familie.

„Es sollte auch die Möglichkeit geschaffen werden, auffällige Hunde samt Besitzern besonders zu unterstützen“, schlägt der Hundesportclub-Obmann vor. „Wir sehen immer wieder Fälle, bei denen man sich denkt, das kann nur schiefgehen. Die Menschen, die mit ihrem Hund zu uns auf den Hundeplatz kommen, sind meistens ohnehin nicht das Problem. Auffällige Hunde werden oft zu Hause versteckt. Wenn dann jemand mit einem Kleinkind auf Besuch kommt, passiert das Unglück. Und dort, wo das meiste passiert, greift die Beißkorb- und Leinenpflicht nicht, weil es zu Hause passiert. Dort hat niemand Einfluss darauf.“

Aggressionen gesundheitlich bedingt

Ähnlich sieht es auch Gernot Blie berger, ehemaliger Obmann des Hundesportclubs Groß Siegharts.

„Prinzipiell finde ich es gut, wenn Hundehalter geschult werden. Nicht ganz klar ist aber, wer diese Gespräche und Schulungen führen soll“, meint er. „Ich befürchte, dass es wieder eine eigene Clique wird und eine Ausbildung nötig ist, die sehr teuer sein wird, und wir im ehrenamtlichen Bereich keine Chance haben, so etwas anzubieten“. Es sei auch wichtig, die Hunde regelmäßig tierärztlich zu untersuchen. „Viele Auffälligkeiten und Aggressionen sind gesundheitlich bedingt.“

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