Statistik: Bevölkerungsabnahme wurde gebremst. Zahl der Hauptwohnsitzer im Bezirk nahm um 165 Einwohner ab. Im Vorjahr waren es noch 327 Bewohner. In vier Gemeinden gab es Zuwächse.

Von Michael Schwab. Erstellt am 16. Januar 2019 (04:56)
Michael Schwab
Vitis setzt auf Bauland für junge Familien, wie hier in Jaudling: Bürgermeisterin Anette Töpfl und Vizebürgermeister Hermann Lauter mit Roman Löffler, Jennifer Kainz, Anna Lena Hammerle und Dominik Schleritzko, die in der Gemeinde bauen wollen.

Deutlich gebremst hat sich die Bevölkerungsabnahme: verlor der Bezirk von 2017 auf 2018 noch 327 Einwohner (Hauptwohnsitzer), so waren es von 2018 auf 2019 „nur“ mehr 165 Einwohner, praktisch die Hälfte. Der Bezirk zählt jetzt 25.646 Einwohner.

„Das liegt daran, dass von 2017 auf 2018 viele Flüchtlinge weggingen. Die Meisten, die einen positiven Bescheid erhielten, zogen wegen der höheren Mindestsicherung nach Wien. Dadurch hat sich der Trend wieder normalisiert“, stellt Eduard Köck, Obmann der Kleinregion Zukunftsraum Thayaland, klar. Die Geburtenbilanz ist nach wie vor negativ, 199 Geburten stehen 377 Sterbefälle gegenüber.

Thaya profitiert durch Stadtnähe

Gemeinden wie Kautzen, Karlstein und Waidhofen, wo viele Asylwerber untergebracht waren, verloren von 2017 auf 2018 stark, haben sich nun aber auf einen wesentlich geringeren Abgang stabilisiert (siehe Grafik). Bevölkerungszuwächse bei den Hauptwohnsitzern gibt es in vier Gemeinden: Karlstein, Pfaffenschlag, Thaya und Vitis. Spitzenreiter ist diesmal Pfaffenschlag mit einem Plus von knapp einem Prozent (fünf Hauptwohnsitzer).

„Die Maßnahmen zur Attraktivierung unserer Gemeinde wie die Schaffung neuen Baulands, die Errichtung von Wohnungen für ‚Junges Wohnen’ und die Modernisierung des Nahversorgers dürften sich ausgezahlt haben“, freut sich Bürgermeister Willibald Pollak.

Etwa auf gleichem Niveau liegen die Zuwächse in Thaya und Vitis, die sich beide als Wohngemeinden speziell für junge Familien positionieren konnten. „Ich glaube, dass wir durch eine gute Infrastruktur in allen Bereichen und ein gutes Kinderbetreuungsangebot punkten können.

Zusätzlich kommt noch die Nähe unserer Gemeinde zur Bezirkshauptstadt Waidhofen hinzu, die ebenfalls für einen Wohnsitz ein Thaya spricht“, meint Bürgermeister Eduard Köck. Die Vitiser Bürgermeisterin Anette Töpfl führt den Bevölkerungszuwachs in ihrer Gemeinde vor allem auf die konsequente Schaffung von Bauland in den letzten Jahren und die gute Entwicklung von Vitis als Wirtschaftsstandort zurück.

Vitis setzt auf Familienfreundlichkeit

Die Gemeinde kaufte in den vergangenen Jahren auch 20 Hektar Betriebsgrundstücke an. 15 Hektar sind im Holz- und Energiepark derzeit noch verfügbar. Um auch im Wohnbereich entsprechendes Entwicklungspotenzial vorrätig zu halten, werden rund 30 neue Baugrundstücke, vor allem in den Ortschaften Jetzles, Jaudling, Heinreichs und Warnungs geschaffen, da das Interesse an Grundstücken in den Ortschaften steigend ist, etwa, weil junge Leute in ihrem Heimatort bauen wollen.

„Sicherlich tragen auch unsere Bemühungen, die Wünsche von Familien zu erfüllen, mit zu der positiven Bilanz bei. Wir sind eine familienfreundliche Gemeinde“, betont Töpfl. Dazu gehöre auch die passende Infrastruktur mit Kindergarten, Volks- und Neuer Mittelschule, sowie ein sehr aktives Vereinsleben mit Vereinen, die sich auch über große Veranstaltungen wagen.

Die Bezirkshauptstadt Waidhofen hat einen leichten Abgang bei den Hauptwohnsitzern zu verzeichnen, gewinnt dafür aber deutlich an Nebenwohnsitzern. „Auch diese Leute sind für uns wichtig, wir bekommen zwar keine Steuern für sie, aber sie geben in der Stadt und in der Region Geld aus und unterstützen damit unsere Wirtschaft“, relativiert Bürgermeister Robert Altschach. Viel wichtiger als ein leichtes Plus an Hauptwohnsitzern in einer Gemeinde sei, dass die Region insgesamt nicht an Bevölkerung verliert. Es gelte, Leute aus den Zentralräumen anzulocken, dazu gehöre neben der Schaffung von Wohnraum genauso auch das entsprechende Jobangebot durch Betriebsansiedelungen.

Waldkirchen und Ludweis als Verlierer

Prozentual am stärksten haben die Gemeinden Waldkirchen, Ludweis-Aigen und Windigsteig verloren. „Unser Problem ist die Überalterung der Bevölkerung, die Leute sind uns weggestorben. Wir versuchen, diesem Trend mit allen Mitteln gegenzusteuern. Wir haben drei neue Bauplätze aufgeschlossen und einige weitere Bauplätze von Leuten, die nicht gebaut haben, zurückgekauft“, sagt Bürgermeister Hermann Wistrcil, der in seiner Gemeinde mit vier Euro pro Quadratmeter den günstigsten Baulandpreis Österreichs – inklusive Glasfaseranschluss – anbieten kann. „Einige der Leute, die bei uns bauen, habe ihren Hauptwohnsitz auch noch nicht umgemeldet“, merkt Wistrcil hoffnungsvoll an.

In Windigsteig ist die Problematik ähnlich. „Wir hatten viele Sterbefälle und wenig Geburten. Wir versuchen, durch die Schaffung von Bauland entgegenzusteuern“, stellt Bürgermeister Manfred Herynek klar.

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