Wildtiere: „Akzeptanz sollte angestrebt werden“. Der Mensch sollte mit Wildtieren ein „Arrangement“ treffen, finden zwei Experten.

Von Karin Widhalm und Sandra Donnerbauer. Erstellt am 20. Februar 2019 (04:30)
Claudia Ebner
Symbolbild

Der Elch zieht durch, Wölfe sind im Nachbarbezirk heimisch und der Nationalpark Thayatal forscht intensiv, wo die Wildkatze zu finden ist. Die Rückkehr der Wildtiere ist für Leopold Sachslehner vor allem eines: ein normaler Vorgang. Die Populationen in Europa erholen sich, sagt der Zoologe, der im Bezirk Waidhofen sehr aktiv ist.

„Die Natur verträgt die Zuwanderer sicher“, führt er aus. „Wolf, aber auch Bär und Elch sind Weitwanderer, daher erreichten uns schon früher – und auch in Zukunft – Individuen dieser Arten“. Zuletzt wurde ein Goldschakal im Nationalpark Thayatal gesichtet. Ziel ist dort die freie Entwicklung der Natur, „insofern passt der Wolf sehr gut in unser natürliches Gefüge“, so Direktor Christian Übl.

NÖN-Archiv
Nationalpark-Direktor Christian Übl blickt der Rückkehr der Wildtiere mit Freude entgegen. Schutzmaßnahmen begrüßt er dennoch.

Allerdings: Ein kleines Wolfsrevier umfasst mindestens 100 Quadratkilometer und ist deutlich größer als das Thaya-Schutzgebiet (77). „Wir leben in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft“, so fehle es mittlerweile an Erfahrung im Umgang mit dem Raubtier. „Dies müsste man wieder anpassen, will man im Einverständnis mit dem Wildtier leben“, denkt Übl an Schutzmaßnahmen.

„Ganz klar sollte – auch wenn wir vom Wolf reden – größtmögliche Akzeptanz angestrebt werden und praxistaugliche Lösungen für etwaige Schäden gesucht werden“, findet auch Sachslehner, der für die Forschungsgemeinschaft Wilhelminenberg tätig ist. Herdenschutz sei wichtig, Abschuss oder Aussiedlung wären aus „Schutzgründen und ethischen Gründen höchst bedenklich“. Beim Wolf sei zu bedenken, dass nachwandernde die entfernten Tiere ersetzen könnten, „und es erst recht zu keiner Stabilisierung der Situation käme“.

privat
Leopold Sachslehner: „Die Natur verträgt die Zuwanderer sicher.“

Der Klimawandel wirkt sich außerdem auf die Fauna aus: Sachslehner beobachtet einen Rückgang von Insekten und Vögeln, „oft zwei Drittel der Populationen und mehr“. Das Braunkehlchen war etwa früher viel häufiger anzutreffen. Hauptursache sei dafür jedoch auch die Intensivierung der Landwirtschaft. „Einige Arten können zwischenzeitlich aber profitieren“, so der Vogel-Experte. „Wissenschaftliche Erhebungen und Grundlagenforschung im Naturbereich sollten daher verstärkt werden.“

Umfrage beendet

  • Wildtier-"Exoten": Bereicherung oder Belastung für heimische Ökosysteme?