Wie Inklusion gelebt wird. Menschen mit Behinderung müssen nicht arbeitslos sein. Wie funktioniert gleichwertige Teilhabe?

Von Karin Widhalm. Erstellt am 25. April 2019 (04:49)
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In der Werkstatt (v.l.): Daniela Koller, Christa Hitz,Robert Preissler, Edith Zach und Michael Bucher.

Können Menschen mit Behinderung, psychischen Erkrankungen oder kognitiven Beeinträchtigungen überhaupt einen Job finden? Sie können: Michael Bucher ist einer von ihnen. Er arbeitet seit Februar 2018 in der seit 1989 bestehenden Textilwerkstatt Obermühle – dank des Zusammenspiels des Arbeitsmarkt services (AMS), des Caritas-Netzwerks der beruflichen Assistenz und eines Geschäftsführers, der das unterstützt.

Robert Preissler achtet in Vorstellungsgesprächen weniger auf die Kompetenz oder Ausbildung, sondern auf die Motivation. „Menschen, die lange nach einer Arbeit gesucht haben, sind hoch motiviert“, spricht er aus Erfahrung. Bucher zählt er dazu. Die „hohe Arbeitsmotivation“ ihres Klienten hat Caritas-Mitarbeiterin Daniela Koller sogar in ihren Unterlagen vermerkt.

„Wer arbeiten will, dem ist die Fahrerei wurscht“

Buchers Freude am Job wird von der Tatsache betont, dass er eine einstündige Fahrt nach Tiefenbach in Kauf nimmt. „Wer arbeiten will, dem ist die Fahrerei wurscht.“ Er ist sowohl im Lager als auch in der Werkstatt vielseitig einsetzbar.

Seine Kolleginnen sind gerade dabei, Stoffe für eine Decke zuzuschneiden und zusammenzunähen. Bucher rollt zwar indessen Reste zu einem Ballen auf, aber den Zuschnitt macht er bereits. „Er ist sehr produktiv“, erzählt Preissler, der in Höchstzeiten fünf Mitarbeiter beschäftigt. Sein Mann im Team wurde auf die Arbeitsstelle gezielt vorbereitet. Das AMS bewilligt und finanziert Training und Arbeitserprobung (je vier Wochen).

„Das ist wichtig, damit die Menschen am Arbeitsmarkt Fuß fassen können“, betont AMS-Geschäftsstellenleiterin Edith Zach. „Wir haben geschaut, was er gut kann und was er gern macht“, ergänzt Preissler. Nicht nur das: Bucher selbst muss sich wohlfühlen.

Menschen mit Behinderung benötigen Hilfe, um überhaupt Qualifikationen gewinnen zu können. „Das fängt schon bei Kleinigkeiten wie bei der Bewerbung an“, schildert Koller. Es fehle am Computer – oder Auto. Bucher hat den Führerschein für ein Leichtfahrzeug. Die Arbeitsassistentin unterstützt in vielen Belangen und ist eine Vermittlerin zwischen Klient, AMS und Betrieb.

„Was eine Firma braucht, ist finanzielle Unterstützung“, betont Koller. „Ohne die würde wahrscheinlich kein Betrieb Menschen mit Beeinträchtigungen einstellen“, vermutet Preissler. AMS-Beraterin Christa Hitz unterstreicht beim Abschied: „Wir sind froh, dass es euch gibt.“

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