Bürgerkorps Waidhofen: Drei Kanonenschüsse zum 40-Jahr-Jubiläum

Mit einem lauten Knall – genauer gesagt eigentlich sogar drei Stück davon – begann am Freitagabend die Feier zum 40-jährigen Wiedergründungs-Jubiläum des „Privilegierten, uniformierten und bewaffneten Bürgerkorps Waidhofen an der Thaya“: Vor dem Rathaus wurde erstmals die neue Kanone des Korps öffentlich abgefeuert.

Erstellt am 18. Oktober 2021 | 20:12

Es handelt sich dabei um eine absolute Neuheit im Arsenal, denn bisher verfügte das Bürgerkorps anders als etwa die Eggenburger Kollegen nicht über eine Kanone. „Einige Kameraden hatten den Vorschlag gemacht, eine Kanone zu bauen. Wir wollten damit zuerst einen Wagnermeister beauftragen, aber letztendlich fanden wir mit Tischlermeister Gerhard Hirsch den richtigen Partner für unser Projekt“, erzählt Kommandant Erich Pichl.

In Handarbeit wurde das Holzgestell samt Rädern für die Kanone hergestellt. Erste Testschüsse wurden durchgeführt, um festzustellen, welche Sicherheitsabstände eingehalten werden müssen, um überhaupt die behördliche Bewilligung zum Abfeuern im Stadtgebiet zu erhalten.

Meterlanger Feuerstrahl beeindruckte

Kurz vor 18 Uhr war es schließlich soweit: Das Blasorchester nahm am Hauptplatz Aufstellung, wenig später marschierte das Bürgerkorps auf. Die Kanone hatten die dafür verantwortlichen Kameraden schon im Vorfeld platziert. Am Balkon des Rathauses wurde zu einem Glas Sekt geladen, Stadtpfarrer Josef Rennhofer hielt eine kurze Ansprache, dann erfolgte das Kommando zum Abfeuern des ersten Schusses.

Ein beeindruckender, meterlanger Feuerstrahl schoss aus der Kanone, der Knall hallte über den Hauptplatz. Noch zwei weitere Male wiederholte sich das Spektakel, ehe das Bürgerkorps mit einem Salutschuss zum nächsten Teil des Festakts überleitete – dem gemeinsamen Marsch mit Blasorchester und Ehrengästen zum Stadtsaal.

Dort war für die Gäste der rote Teppich ausgerollt worden, das als erstes eintreffende Bürgerkorps stand Spalier. Anschließend nahmen Korps und Musik auf der Bühne Aufstellung.

Erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1596

Kommandant Erich Pichl fasste die Geschichte des Korps zusammen, dessen Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurück gehen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Bürgerkorps im Jahr 1596 als „Schützenverein“, dessen Aufgabe die Stadtverteidigung war. Eine Rolle, die das Korps im 30-jährigen Krieg zweimal (1619 und 1645) mit Erfolg ausfüllte und eine Einnahme der Stadt Waidhofen verhinderte. 1798 wurde das k.k. privilegierte, uniformierte Bürgerkorps aufgelöst.

1979 fanden sich der damalige Sparkassendirektor Eduard Führer, Bürgermeister Franz Gföller und der Drogist Lambert Biedermann zusammen und legten den Grundstein für die Wiedergründung des Bürgerkorps, die am 14. September 1980 erfolgte.

Jubiläum hätte 2020 gefeiert werden sollen

Im Vorjahr hätte somit das 40-jährige Wiedergründungsjubiläum gefeiert werden sollen, doch coronabedingt musste die Feier auf heuer verschoben werden.

Im Rahmen des Festakts hob Bürgermeister Josef Ramharter die Rolle des Korps im kulturellen und gesellschaftlichen Leben hervor. Landeskommandant Wolfgang Dafert bat Pichl, dieses Engagement beizubehalten, und Bundesrat Eduard Köck betonte die Wichtigkeit, die Tradition in die Zukunft weiterzutragen. Anschließend wurde eine Reihe von Ehrungen verdienter Mitglieder vorgenommen.