Silberbauer übernimmt Firma Zeindl. Gründer Erwin Zeindl will in Pension gehen, Übernahme durch Groß Sieghartser Textilbetrieb sichert alle 12 Arbeitsplätze.

Von Michael Schwab. Erstellt am 21. Januar 2021 (03:56)
Eine „freundliche“ Übernahme: Ulrich Achleitner übernimmt mit seiner Silberbauer Textiltechnik GmbH die Zeindl Textilproduktion von Erwin Zeindl.
Michael Schwab

Sie besuchten beide die Textilfachschule, schlugen als Unternehmer auch beruflich den gleichen Weg ein, und das auch noch in fast unmittelbarer Nachbarschaft: Erwin Zeindl und Ulrich Achleitner sind Bandweber mit Leib und Seele.

Zeindl: „Bin jetzt 71 Jahre alt und habe keinen Nachfolger.“ Nun wachsen die Firmen der beiden zusammen: Ulrich Achleitners Firma Silberbauer übernimmt die Zeindl Textilproduktion und -handels GmbH in Dietmanns. Der Grund dafür ist simpel: „Ich bin jetzt 71 Jahre alt, und habe keinen Nachfolger für die Firma. Ohne diese Übernahme wäre es mit meiner Firma in absehbarer Zeit aus gewesen, wenn ich altersbedingt nicht mehr weitermachen kann“, führt Erwin Zeindl im NÖN-Gespräch aus. 1977 hatte er die Bandweberei gegründet, die auf elastische Schmalgewebe für Dessous, Wäsche und Mieder namhafter Wäschehersteller spezialisiert ist.

Zu Spitzenzeiten beschäftigte das Unternehmen um die 50 Mitarbeiter, durch das Abwandern der Produktion der Modefirmen nach Asien schrumpfte die Zahl der Beschäftigten auf die heutigen zwölf Mitarbeiter. „Wir liefern fast alles nach Deutschland, das können wir mit unseren Leuten gut ab decken, und ich denke, dass da noch etwas zu holen ist“, zeigt sich Zeindl optimistisch.

Doch aller Optimismus hätte nichts gebracht, wenn die Firma ohne einen Nachfolger dastünde. Zwischen Zeindl und Achleitner stimmte die Chemie schon länger, die beiden Firmen waren aufgrund des unterschiedlichen Kunden- und Auftragsspektrums nie Konkurrenten, im Gegenteil: „Wir haben manchmal bei Zeindl bestellt, wenn wir etwas brauchten, was wir selber nicht herstellen konnten“, erinnert sich Achleitner.

Firmenname Zeindl bleibt, alle Mitarbeiter werden übernommen. Die beiden „Bandlkramer“, wie sie sich selbst bezeichnen, fackelten nicht lange, als es darum ging, die Übernahme zu fixieren: „Wir haben den einfachsten Vertrag aufgesetzt, den man sich vorstellen kann. Wir sind beide bodenständige Leute. Silberbauer übernimmt die Firma Zeindl und alle Mitarbeiter komplett“, erklärt Achleitner.

Der Firmenname soll bleiben, zum einen, um die Kontinuität gegenüber den Kunden zu wahren, und zum anderen auch aus rein praktischen Überlegungen: „Wenn ich nur daran denke, wo da überall der Name geändert werden müsste, und das auch bei allen Kunden, die wir beliefern, das würde überhaupt keinen Sinn machen.“

Somit ändert sich bei der Firma Zeindl eigentlich nur eines: Der Name und die Person des Geschäftsführers. Beide Firmen – Silberbauer und Zeindl – wollen ihr jeweiliges Kunden segment bedienen: Zeindl den Wäschebereich, Silberbauer den Bereich technische Bänder und Textilien für die Arbeitsbe kleidungs- und Konsumgüter industrie. Mögliche Synergien, etwa beim Wareneinkauf, will man freilich nutzen. Und Zeindl, der zeitlebens ein echter „Bandlkramer“ war, wird Achleitner beratend zur Seite stehen, denn eine Vollbremsung von hundert auf null kann er sich nicht vorstellen.