Podiumsdiskussion: Für die Rechte der Frau

Bei einer Podiumsdiskussion in Fratres erzählten Gründerinnen der autonomen Frauenbewegung in Österreich aus erster Hand. Auch heute gibt es noch Ungerechtigkeiten.

Monika Freisel Erstellt am 17. September 2021 | 05:57

Die autonome Frauenbewegung in Österreich hat seit ihrer Gründung Anfang der 1970er-Jahre viele berechtigte Forderungen der Frauen durchgesetzt. In der Kulturbrücke Fratres erzählten am Samstagnachmittag Eva Geber und Gundi Dick, die von Beginn an dabei waren, über die Entstehung, den Verlauf und die Errungenschaften dieser gesellschaftsverändernden Organisation.

Eva Geber, geboren 1941, Grafikerin, Autorin, Kulturpublizistin, Mitglied der „Grazer Autorinnen Autorenversammlung“, war ab 1974 35 Jahre lang Redakteurin der Frauenzeitschrift AUF. 50 Frauen gründeten im Jahr 1972 in Wien die „Aktion Unabhängiger Frauen“, die erste autonome Frauenbewegung Österreichs. 1974 wurde AUF – Eine Frauenzeitschrift - gegründet, die bis 2011 erschien. Sie wurde viermal pro Jahr herausgegeben, blieb unabhängig von Männern und politischen Parteien und entwickelte sich zu einer Plattform des feministischen Diskurses. Eva Geber erhielt am Tag vor der Veranstaltung in Fratres den Theodor-Kramer-Literaturpreis für Schreiben im Widerstand und im Exil. In ihrem Buch „Der Typus der kämpfenden Frau“ porträtiert die Autorin Frauen, die von 1900–1933 in der Arbeiter-Zeitung über Frauen schrieben.

Der Kampf gegen Gewalt an Frauen

Gundi Dick studierte Politikwissenschaft, Internationale Genderforschung und Feministische Politik. Sie setzt sich besonders für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ein, gegen Armut und Ausbeutung und für die Durchsetzung von Menschen- und Frauenrechten weltweit. Ihr Buch „Eine Hand allein kann nicht klatschen“ zeigt den Widerstand der Frauen in der Westsahara auf, die sich für die Unabhängigkeit ihres Landes engagieren.

Im Podiumsgespräch diskutierten Eva Geber und Gundi Dick mit Brigitte Marcaria, der Organisatorin des Thementages, und mit ihrer jungen Mitstreiterin Freyja Coreth. Für die zwischen den 1980er- bis Ende der 1990er-Jahre geborenen Millenials und für die nachfolgende „Generation Z“ ist es unvorstellbar, dass bis zum Jahr 1975 Frauen weniger Rechte hatten als Männer: Ohne Zustimmung des Ehemannes durfte eine verheiratete Frau nicht arbeiten, nicht über den Wohnsitz mitentscheiden oder bestimmen, ob sie ihren Familiennamen bei der Eheschließung behalten wird.

Die Vergewaltigung in der Ehe war nicht strafbar. Der Mann war das Oberhaupt der Familie, wenn ein Vater minderjähriger Kinder verstarb, musste ein männlicher Vormund gefunden werden, der theoretisch die Obsorge für die Kinder übernahm. In Österreich durften die Frauen immerhin schon ab 1918 wählen, in der Schweiz erhielten sie erst 1971 das Stimmrecht, im Kanton Appenzell Innerrhoden sogar erst 1990.

Auch heute gibt es noch Ungerechtigkeiten, wie in der Diskussion aufgezeigt wurde: Die Gleichstellung von Mann und Frau ist im Alltag nicht selbstverständlich. Nach wie vor gibt es Gewalt gegen Frauen in der Familie, für die unbezahlten Arbeiten im Haushalt, die Kindererziehung oder Pflege alter Menschen sind hauptsächlich Frauen verantwortlich, die gläserne Decke mindert ihre Aufstiegsmöglichkeiten, die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern ist groß.

In einem Videofilm der Autorin Marlene Streeruwitz kamen 15 Frauen zu Wort, die in der Zeitschrift AUF aktiv waren. Zuzana Brejcha, Filmemacherin und Vorsitzende des Tschecho-Slowakisch-Österreichischen Konktakt-Forums, berichtete im Gespräch mit Brigitte Macaria über die bedrückende wirtschaftliche und soziale Situation der Roma - insbesondere der Roma-Frauen - in der Slowakei, die hinter Betonmauern in Ghettos hausen müssen. Papst Franziskus hat am Dienstag dieser Woche eine dieser Roma-Siedlungen besucht.

„Pallawatsch“ spielten jiddische Mädchenlieder

Den Musikbeitrag steuerten die Sängerin Miriam Papst und die Gitarristin Eva Pankratz von der Gruppe Pallawatsch bei. Sie spielten und sangen jiddische Mädchen- und Frauenlieder im Heckengarten und im großen Galerieraum, in dem noch bis Ende Oktober die Arbeiten der Textilkünstlerin Vesna zu sehen sind.