Musikvereine im Bezirk Waidhofen/T dürfen doch proben. Die Blasmusikvereine können doch ab 19. Mai wieder ihre Probeaktivitäten aufnehmen. Nach langer Frustration folgt jetzt große Erleichterung.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 12. Mai 2021 (04:20)

Die Frustration bei den Blasmusikern war seit Ankündigung der Öffnungsschritte zum 19. Mai deutlich zu spüren. Der Grund: Trotz Lockerungen wurden gerade sie nicht berücksichtigt, anders als zum Beispiel Sportvereine. Keine Proben, keine Perspektiven hieß es. Jetzt kann aber anscheinend doch aufgeatmet werden. Dem österreichischen Blasmusikverband ist es mit einem Appell an die Regierung gelungen, doch das gemeinsame Proben wieder zu erlauben. Zu Redaktionsschluss waren zwar noch keine genauen Vorgaben bekannt, doch die erstmalige Erleichterung bei den Musikvereinen ist zu spüren.

„Mit dem Erhalt der Nachricht sind wir jetzt in richtiger Aufbruchsstimmung“, erzählt Thomas Führer vom Waidhofner Blasorchester. Im ganzen Musikverein sei die Freude nach mehr als einem halben Jahr im Lockdown groß. Jetzt heißt es aber erst mal auf genaue Informationen zu warten. Wie, wann und wo ist schließlich noch nicht geklärt. „So wie ich den Herrn Kogler verstanden habe, schaut es so aus, dass Proben im Freien wieder erlaubt werden“, glaubt Führer.

„Mit dem Erhalt der Nachricht sind wir jetzt in richtiger Aufbruchsstimmung.“ Thomas Führer zur Probeerlaubnis ab 19. Mai

Marschproben wären unter diesen Bedingungen gut vorstellbar. „Vielleicht können wir auch vor dem Pflegeheim wieder ein Ständchen spielen. Das kam beim letzten Mal sehr gut an.“ Bei anderen möglichen Einschränkungen bleibt Führer allerdings noch skeptisch. So sei die Frage nach einer Testpflicht für Musiker möglichst rasch zu klären.

„Schon letztes Jahr war die Motivation nach dem Lockdown riesengroß. Am Ende konnten wir aber nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und hohem Aufwand proben. Ein großer Teil kam dadurch nicht“, schildert Führer. Wenn es also nicht gleich richtig losgehen kann, wäre die Bereitschaft zum Proben bei den Mitgliedern nur bedingt da. „Wenn es zum Beispiel heißt, dass man vorher testen muss, werden wir nicht viel weiter kommen. Es ist halt doch eine Freizeitveranstaltung“, meint Führer.

Um das Gefühl der Zusammengehörigkeit trotz der langen Pause aufrechtzuerhalten, gibt es in Waidhofen seit März regelmäßige „virtuelle“ Proben zum gewohnten Termin am Freitag. Als echte Probe kann man diese aber nicht verstehen. Hauptsächlich gehe es dabei um den gegenseitigen Austausch zur aktuellen musikalischen Entwicklung und zu persönlichen Erlebnissen. Die letzte „echte“ Probe liegt mit dem 9. Oktober schon ein Stück weit zurück. Jetzt gilt es die alte Routine wieder zu finden.

Jubiläumsfeier musste abgesagt werden

Den ein oder anderen Rückschlag musste man heuer auch schon verkraften. Ein großes Konzert zum 70. Jubiläum des Orchesters musste abgesagt werden. Offen sind aber weiterhin Auftritte beim Weisenblasen der Bezirksarbeitsgemeinschaft Horn-Waidhofen im Stadtpark und beim Bezirksmusikfest mit Marschwertung im Rahmen des Waidhofner Feuerwehr-Kirtages. Die endgültigen Entscheidungen sollen hier im Juni fallen. „Das macht aber alles nur Sinn, wenn sich die vielen Musiker auch fröhlich treffen können“, meint Führer.

Erleichterung ist auch bei Melanie Tiller, der Obfrau der Raabser Stadtkapelle, zu hören. „Wir haben jetzt wieder mal eine Perspektive und Ziele in Sicht“, betont sie. Bevor es wieder an die Probenplanung gehen kann, müsse man zwar auch noch die Rahmenbedingungen erfahren, doch umsetzbar sei am Ende so gut wie alles. Hauptsache der Restart kann erfolgen. Schon im Vorjahr gab es Proben im Freien zu Lockdown-Zeiten. Auch mit einer Testpflicht könne man leben.

Vor einigen Tagen war auch noch in der Raabser Stadtkapelle viel Unverständnis zu spüren. Schließlich wurde bei den Sportvereinen gelockert, aber ausgerechnet bei der Musik nicht. „Die Blasmusik wurde vorher in der Planung für den 19. Mai einfach überhaupt nicht berücksichtigt. Klar ist Sport wichtig, aber die Musik ebenso. Es ist genauso ein Vereinsleben“, erklärt die Raabser Vereinsobfrau. Auftritte sind auch schon wieder angedacht, aber natürlich noch nicht bestätigt. Jetzt rechtzeitig mit dem Proben beginnen zu können, sei insofern wichtig, dass man doch zwei bis drei Monate Vorlaufzeit brauche. „Wir müssen ja auch erst unsere Spielpraxis zurückgewinnen“, sagt Tiller.

Aussichten auf Auftritte im Sommer gibt es auch für die Groß Sieghartser Stadtkapelle. Grundvoraussetzung aber auch hier: Zumindest zwei Monate vorher muss mit den Proben begonnen werden. „Wenn kurzfristig im Juli plötzlich alles stattfindet, würde uns das ohne Proben auch nicht viel bringen“, erklärt Obmann Alexander Bauer. Umso wichtiger, dass es zügig weitergehe. Nach einem halben Jahr Stillstand sei das Orchester doch ein wenig eingerostet.

Dem Proben im Freien stehe man auf jeden Fall offen gegenüber. Schon letztes Jahr gab es in Groß Siegharts eine öffentliche Outdoor-Probe. Mit der neuen Zwei-Meter-Abstandsregel dürfte das aber noch schwieriger werden. „Damals waren wir noch bei einem Meter. Wenn das Orchester jetzt schon so weit auseinander sitzen muss, wird das Zusammenspielen immer schwieriger“, sagt Bauer. Schließlich müsse man einander gut hören können. In Innenräumen mit der Schallreflexion kein Problem, doch Outdoor könnte das Blasorchester tatsächlich vom Wind verweht werden.