Altes Wissen über Textiltechnik bewahren. Marianne Liebhart erwirbt durch Lehre bei Wirtex Wissen von „alten Hasen“.

Von Michael Schwab. Erstellt am 07. Mai 2021 (05:36)
Mit einer Schultüte überraschten Monika Strobl und Walter Greulberger Marianne Liebhart vor ihrem Berufsschul-Start.
Michael Schwab

Ihr Interesse an vergangenen Zeiten und alten Handwerkstechniken brachte Marianne Liebhart zu ihrem neuen Beruf: Die gelernte Gastronomin und Maschinenbautechnikerin begann kürzlich ihre Ausbildung zur Textiltechnikerin bei der Firma Wirtex – einen Beruf, den es heute so eigentlich gar nicht mehr gibt.

„Ich war nach meiner HLW-Matura im Jahr 2015 zuerst in der Gastronomie tätig, dann absolvierte ich eine Lehre zur Maschinenbautechnikerin. Ich habe mich schon immer für vergangene Zeiten interessiert und auch für das textile Handwerk. Ich habe mir zu Hause selbst einen kleinen Bandwebstuhl gebastelt, dafür war meine Ausbildung als Maschinenbautechnikerin natürlich hilfreich“, erzählt Liebhart. Mittlerweile spinnt sie ihr eigenes Garn aus Schurwolle, mit ihrem Webstuhl war sie zuletzt im Herbst auch beim Ritterturnier auf der Rosenburg zu Gast.

Ein Praktikum bei Wirtex bewegte sie schließlich zu ihrem Entschluss, die dritte Berufsausbildung ihres Lebens zu starten: „Jetzt mache ich das, was mich wirklich interessiert.“

Der einzige Haken an der Sache: Der Beruf des Textiltechnikers, wie es ihn früher gab, mit einem breiten Wissen über alle Aspekte des Berufsfeldes, wird heute so nicht mehr gelehrt. „Wir alten Hasen haben noch viel Grundlagenwissen mitbekommen. Wissen, das heute extrem hilfreich ist, wenn man neue Produkte entwickeln will, wie wir das hier bei Wirtex tun“, erklärt Walter Greulberger vom Wirtex-Vertrieb.

Marianne Liebhart mit ihrem selbstgebauten Bandwebstuhl beim Ritterturnier auf der Rosenburg im Oktober 2020.
Eduard Reininger

Schultüte zum Berufsschul-Start. Die Lösung: Marianne Liebhart absolviert die Lehre zur Textilgestalterin mit Schwerpunkt Weberei und erhält von den „alten Hasen“ bei Wirtex das zusätzliche Know-How, das für die Arbeit in der Firma gebraucht wird. Auf diese Weise soll dieses alte Wissen, das mit der Pensionierung der älteren Mitarbeiter verloren zu gehen droht, in die nächste Generation „herübergerettet“ und bewahrt werden. Die ersten vier Wochen ihrer Lehrzeit verbrachte Marianne Liebhart bei Wirtex, jetzt geht es für zehn Wochen an die Berufsschule in Fürstenfeld. Prokuristin Monika Strobl hatte dazu am vergangenen Freitag eine kleine Überraschung für Liebhart vorbereitet: Sie erhielt eine Schultüte mit nützlichen Sachen für ihre erste Berufsschul-Klasse.

Für Greulberger könnte Liebharts Ausbildungsweg ein Zukunftsmodell sein: eine moderne Berufsschulausbildung, kombiniert mit dem Wissen der „alten Hasen“. „Wir müssen den jungen Leuten zeigen, dass es diesen Beruf noch gibt, dass die Textilindustrie keineswegs tot ist“, betont Greulberger.