Vorfreude aber auch Zweifel im Bezirk Waidhofen. Die Gastronomie atmet auf. Ab dem 19. Mai darf wieder aufgesperrt werden. Die Erwartungen sind unterschiedlich.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:01)

Mit dem 19. Mai darf die Gastronomie wieder aufsperren. Auch im Waidhofner Bezirk überwiegt trotz einiger gravierender Einschränkungen die Vorfreude.

So auch bei Tell-Inhaber Stephan Kainz: „Wir sind nach der erfreulichen Nachricht aller guter Dinge für die Öffnung. Es wurde jetzt schon höchste Zeit.“ Hauptsache es kann weitergehen. Da würde man auch die teils gravierenden Einschränkungen und Regeln in Kauf nehmen.

„Sorge macht uns natürlich die Testpflicht vor dem Lokalbesuch. Ich hoffe, dass dadurch nicht zu viele Gäste abgeschreckt werden“, meint Kainz. Gerade diese neue Regelung könnte sich doch als zu mühsam herauskristallisieren, sowohl für Gäste als auch bei den letztendlichen Kontrollen im Lokal. „Mit bereits Geimpften wird es natürlich leichter sein, aber es gibt ja auch noch genug Menschen, die noch nicht geimpft sind oder auch gar nicht wollen. Viele werden sicher auch lieber daheim bleiben, bevor man den zusätzlichen Aufwand auf sich nimmt“, meint Kainz.

„Das, was wir drinnen verlieren, können wir mit verstärktem Betrieb im Freien kompensieren.“ Stephan Kainz über den eingeschränkten Betrieb

Die Herausforderung seitens der Gastronomen liegt schließlich bei der Kontrolle. „Wir sind eigentlich dafür da, uns um die Gäste zu kümmern. Wenn man nebenbei auch noch kontrollieren muss, weiß ich nicht, ob da nicht auch etwas auf der Strecke bleibt.“ Um den Betrieb nicht zu stören, müsse man so fast eine weitere Person einstellen. Das bedeutet aber auch mehr Personal für insgesamt weniger Umsatz. „Das wäre unwirtschaftlich“, sagt Kainz. Mit der Vergrößerung der Abstände zwischen den Tischen auf mindestens zwei Meter würden nämlich noch mehr Tische als bisher wegfallen.

Die Hoffnungen von Kainz liegen jetzt auf gutem Wetter. „Das, was wir drinnen verlieren, könnten wir mit verstärktem Betrieb im Freien kompensieren“, betont er. Im Außenbereich gelten zwar auch die Abstandsregeln, doch mit größeren Tischen könne man auch größere Gruppen bedienen. Zehn Personen pro Tisch sind im Freien erlaubt, im Gegensatz zu nur vier im Innenbereich.

Einen recht großen Einschnitt dürfte auch die Sperrstunde um zehn Uhr darstellen. „Das Tell ist zu einem großen Teil auf den Nachtbetrieb ausgerichtet. An Wochenenden hatten wir vor Corona manchmal bis vier Uhr offen“, erklärt Kainz. Nicht nur dieser Geschäftszweig fällt weg. Auch die Arbeitsstunden des Personals könne man so vorerst nicht erreichen. Deshalb ist auch der Schritt weg von der Kurzarbeit noch kein Thema. „Ich will auch niemanden verlieren, weshalb die Kurzarbeit noch unbedingt nötig ist. Alle meine Mitarbeiter sind nach wie vor angemeldet, auch die Geringfügigen“, sagt der Tell-Chef. Mit dem bisherigen Take-Away-Betrieb hätte es sowieso genug für alle zu tun gegeben.

Ob das Geschäft gleich von Beginn an wieder voll anspringt, wagt Kainz nicht zu prognostizieren. „Meine Gefühle sind gemischt. Es kommt alles darauf an, wie die Leute die neuen Regeln annehmen.“ So hätten die Erfahrungen im Herbst schon gezeigt, dass neue Einschränkungen auch mit einem Geschäftseinbruch verbunden sein können. Im Oktober seien gar ein Drittel weniger Gäste gekommen, nachdem die Registrierungspflicht eingeführt wurde. „Der Faktor Testen könnte jetzt den gleichen Effekt haben. Das werden wir aber erst sehen, wenn der Betrieb wirklich wieder startet“, meint Kainz.

Skeptisch gegenüber der Testpflicht ist auch Stefan Trefanitz vom Treffpunkt Trefanitz in Thaya. „Es wird sicher schwierig, weil manche vielleicht doch nicht immer diesen Aufwand auf sich nehmen wollen“, meint Trefanitz. Auch die Kontrolle sei schwierig. „Im Normalbetrieb werden wir kaum Zeit haben, jeden genau zu kontrollieren.“ Für den Neustart ist man jedenfalls gerüstet, und dass eigentlich schon seit Ostern. „Wir sind seitdem ständig in den Startlöchern und können innerhalb von zwei Tagen jederzeit aufsperren“, erzählt er. Jetzt müsse nur mehr alles geputzt und der letzte Feinschliff gemacht werden.

Auch Gäste können es nicht mehr erwarten

Für die ersten Wochen rechnet Trefanitz mit einer erhöhten Anstrengung für das Personal, durch die vielen Maßnahmen. „Ich glaube aber, dass wir uns dann schnell daran gewöhnen werden. Das Interesse der Gäste ist auf jeden Fall da. Manche können es tatsächlich gar nicht mehr erwarten und haben schon reserviert.“ Er glaubt zudem, dass es ab Juli weitere Lockerungen geben könnte. Die Hoffnung auf Veranstaltungen hat er dagegen fast aufgegeben. „Das wird sicher noch dauern, bis Feiern oder Ähnliches wieder erlaubt werden.

Beim Thema Feiern ist auch Reinhard Müller von Meli‘s Cafe Restaurant in Dobersberg noch vorsichtig. „Wir haben bereits Reservierungen für die Firmung im Juni, aber noch unter Vorbehalt“, erzählt er. Mit der aktuellen Begrenzung auf vier Personen pro Tisch würde es laut ihm zu schwierig in der Umsetzung sein. „Manche haben reserviert, aber wenn diese Regel beim Firmtermin immer noch gilt, muss wohl auf die Feier im Lokal verzichtet werden“, sagt Müller. Auch für das Lokal nicht leicht, wenn man doch sehr von den Veranstaltungen lebt. „Es ist aber klar, dass es die Feiern im gewohnten Umfang im Sommer noch nicht geben kann.“

Für den normalen Gastrobetrieb ist Müller aber zuversichtlich, denn viele Gäste würden ebenfalls schon lange auf die Öffnung warten. Große Umstellungen müsse man dabei jetzt nicht machen. „Wir haben mit 400 Quadratmetern recht viel Platz im Lokal, sodass wir die Gäste gut verteilen können“, schildert Müller. An den üblichen Hygienevorschriften habe sich im Vergleich zum Vorjahr ohnehin nicht viel verändert.

Die größte Herausforderung sei aber auch für ihn die Kontrolle der Tests. „Wir haben bis jetzt keine Erfahrung damit. Es ist immer noch unklar, wie die Kontrollen dann in der Praxis ablaufen werden“, meint der Dobersberger Lokal-Inhaber. Bei den Stammgästen ist er zudem nicht sicher, ob diese mit den verschärften Maßnahmen auch im gewohnten Umfang kommen würden. „Manche waren doch jeden Tag bei uns. Ob das mit der Testpflicht noch genauso sein wird, weiß ich nicht.“

Sorgen gibt es zudem noch in puncto Mittagsgeschäft. „Wenn innerhalb von zehn Minuten fünfzig Leute ins Lokal kommen, wird es spannend“, sagt Müller. Das Mittagspausengeschäft ist im Restaurant doch ein Großes. Die meisten Gäste hätten dabei nur maximal eine Stunde Zeit. „Wenn um 12 Uhr fünfzig Leute kommen, müssen wir bis 13 Uhr alle abgefertigt haben. Das wird eine Herausforderung obendrauf noch alle auf gültige Tests zu kontrollieren.“

Die meisten Bedenken bei der Öffnung hat Oskur Bu-schek, der Betreiber des Marktplatz Cafe & Restaurants Kautzen. „Ich erwarte mir von er Öffnung ein riesiges Minus“, erzählt er. Er rechnet mit viel Zurückhaltung gerade im ländlichen Raum. „Es gibt immer noch zu wenige Testmöglichkeiten und die Menschen werden auch nicht extra testen gehen“, meint Buschek. Kritik hat er außerdem an der Informationspolitik. Viel zu viele Fragen seien noch ungeklärt. „Ich weiß immer noch nicht, wie genau der Betrieb im Außenbereich geregelt ist. Auch ob ich Feiern auf mehreren Tischen machen kann, ist aus den bisherigen Informationen nicht ersichtlich“, schildert Buschek.

Das alles hat zur Folge, dass zumindest er mit einem glücklichen und einem weinenden Auge richtig Öffnung blickt. Im Mai und Juni wird er zwar aufsperren, aber nur mit eingeschränkten Öffnungszeiten. „Alles andere wird nichts bringen. Mit Personal hat man ja auch wahnsinnige Lohnkosten. Wenn dann keine Leute im Lokal sind, kann ich das unmöglich aufholen.“

Eine Rückkehr des Gesellschaftslebens

Foggy Mix-Chef Bernhard Zimmerl hat keine speziellen Erwartungen an die Öffnung: „Ich freue mich einfach unbeschreiblich darauf, dass die Plätze in unserem Lokal wieder mit Menschen besetzt sein werden, die eine schöne Zeit in Gesellschaft, mit Lachen, Gesprächen und gutem Essen und Trinken verbringen werden.“ Auf die Öffnung bereitet man sich konkret mit der Fertigstellung von Renovierungsarbeiten vor. „Zudem wollen wir die Vorgaben zur Öffnung so gastfreundlich wie möglich umsetzen. Eine neue Speisekarte ist auch in Arbeit“, erzählt Zimmerl.

Neu wird es ab Juni einen dreigängigen Businesslunch und ein fünfgängiges Abendessen geben, das auch ohne spezielle Voranmeldung bestellbar sei. „Hierbei konzentrieren wir uns sehr auf Regionales und auf unsere Haubenküche“, betont Zimmerl. Die größte Herausforderung sei bei allem die Abstandsregel. „Zwei Meter ist kein kleiner Abstand und wir verlieren aufgrund dessen und auch dadurch, dass keine Verabreichungsplätze direkt an der Bar vorhanden sein dürfen, viele Sitzplätze.“ Auch der Außenbereich sei für die Umsetzung der Regel relativ schmal.

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