Groß-Siegharts

Erstellt am 13. Juni 2018, 04:14

von Michael Schwab

Kritik an Postamtverkauf. ÖVP-Mandatare kritisierten den zu geringen Verkaufspreis. Das Interesse an den Räumlichkeiten hatte sich jedoch in sehr Grenzen gehalten.

Johann Böhm und Gerald Matzinger  |  Archiv

Der Verkauf des alten Postamtes stieß in der Gemeinderatssitzung vom 6. Juni auf Kritik seitens einiger ÖVP-Mandatare.

Die Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße waren zu einem Preis von 57.000 Euro als Verhandlungsbasis zum Verkauf angeboten worden, das Interesse daran hatte sich jedoch in Grenzen gehalten. In der Sitzung lagen lediglich zwei Kaufangebote vor: eines von Edwin Zuwach in Höhe von 35.000 Euro, sowie ein weiteres von 22.000 Euro.

„Wir sind als Sanierungsgemeinde angehalten, die Grundsätze der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit einzuhalten. Das Gebäude belastet zwar mit 6.000 Euro Fixkosten pro Jahr die Gemeinde finanzen, aber ausgehend von 57.000 Euro Verhandlungbasis haben wir beim besten Angebot einen Minderwert von 38 Prozent zu verzeichnen, und das zweite Angebot ist sowieso witzlos“, kritisierte ÖVP-Gemeinderat Johann Böhm. Im Internet seien deutlich höhere Preise für vergleichbare Wohnungen üblich, etwa auf der Plattform „willhaben.at“. „Ich werde daher nicht zustimmen“, kündigte Böhm an.

Bürgermeister Gerald Matzinger (SPÖ) räumte ein, dass er sich selbst mehr erhofft habe, aber „das Ding kostet uns 6.000 bis 7.000 Euro im Jahr, und wenn wir fünf Jahre warten, wird es auch nicht mehr wert.“

"Wir sind im oberen Waldviertel"

Stadtamtsdirektor Jochen Strnad wies darauf hin, dass sich die 57.000 Euro auf ein Schätzgutachten beziehen, der marktübliche Preis jedoch eher um die 44.000 Euro liegen würde.

„Für das alte Feuerwehrhaus hatten wir auch einen Schätzwert von 100.000 Euro (es wurde um 35.000 Euro verkauft, Anm.). Wir sind im oberen Waldviertel“, gab ÖVP-Stadtrat Michael Litschauer zu be denken.

ÖVP-Gemeinderat Markus Winter kritisierte, dass man das alte Postamt nicht auf weiteren Online-Plattformen inseriert habe, sondern nur auf „Wohnen im Waldviertel“ und im Bandlkramer. ÖVP-Gemeinderätin Maria Pasqualli fragte, ob es Arzt-Interessenten gegeben habe. Laut Matzinger habe es eine Interessentin gegeben, die jedoch aufgrund der Parkplatzsituation gleich gemeint habe, dass das Postamt als Ordination nicht geeignet sei.

Vizebürgermeister Roman Zibusch (SPÖ) führte an, dass er mit fünf Interessenten vor Ort gewesen sei, die aber der hohe Kaufpreis abschreckte, da man noch viel in einen Umbau investieren müsse, ehe man die Räume als Wohnung nutzen könne. „Die anderen Mieter waren beim Gedanken an eine Arztpraxis auch nicht erfreut, da sie nur vor dem Haus parken können und bei einer Arztpraxis diese Parkplätze oft verstellt wären“, meinte Zibusch.

Die beiden ÖVP-Mandatare Johann Böhm und Markus Winter gaben Gegenstimmen ab, die übrigen Mandatare von ÖVP sowie SPÖ und FPÖ stimmten dem Verkauf an Zuwach zu.