Ein Kunst-Feuerwerk in Groß Siegharts. Jahresprogramm verspricht eine bunte Mischung aus Malerei und bildender Kunst von nationalen und internationalen Künstlern – auch aus dem Waldviertel.

Von Michael Schwab. Erstellt am 05. März 2021 (04:04)

Noch befindet sich die Kultur im Lockdown, doch die Kunstfabrik in Groß Siegharts hat trotzdem ein Jahresprogramm aufgestellt.

Sofern es die Corona-Lage zulässt, soll es schon Anfang April losgehen: Die Ausstellungs-Saison startet mit einer Gruppenausstellung österreichischer und tschechischer Künstler, die sich mit den Materialien Glas und Stein beschäftigen .

„Průhledy / Durchblick“ ist der Titel der zweiwöchigen Ausstellung, die im vergangenen Jahr bei einem Symposium in Tschechien erarbeitet wurde und vom Waldviertler Verein „Together“ kuratiert wird. Sie soll vom 3. bis 18. April in der Galerie Kunstfabrik zu sehen sein.

Beginn der Einzelausstellungen ab 24. April mit Julia Avramidis. Weiter geht es ab 24. April wie gewohnt mit Einzelausstellungen nationaler und internationaler Gegenwartskünstler. Julia Avramidis, die Tochter des österreichisch-griechischen Bildhauers Joannis Avramidis, wird ihre Landschafts-Bilder und Meeres-Impressionen vom 24. April bis 6. Juni präsentieren.

Der Weinviertler Künstler Johannes Heuer zeigt seine neue Serie „so wird’s gemacht“ - ironisch und unergründlich, die Tiefe der Oberfläche, vom 12. Juni bis 18. Juli. Die Ausstellung vereint Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen, deren heterogene Materialien und Medien aufwendige Arbeitsprozesse durchlaufen.

Waidhofner Künstler feiert internationalen Durchbruch. Stefan Reiterer aus Waidhofen feiert gerade seinen internationalen Durchbruch und wird gleichzeitig seine erste Ausstellung in seiner Waldviertler Heimat vom 24. Juli bis 29. August in der Kunstfabrik gestalten. Dazu geladen hat er zwei Künstler-Kollegen, die sich, wie er selbst, mit dem Verhältnis von zweidimensionalem Bild und Objekt im Raum beschäftigen.

Sebastian Hermann, ebenfalls ein junger Künstler aus Niederösterreich, wird vom 4. September bis 10. Oktober seine erste große Einzelausstellung in der Galerie der Kunstfabrik präsentieren. „In meinen Arbeiten beschäftige ich mich mit der Wahrnehmung, wobei die ‚Angst‘ ein treibender Faktor ist“, sagt Hermann.

Brigitte Corell hat 2011 ihr Atelier von Berlin nach Retz ins Weinviertel übersiedelt. In der Kunstfabrik in Groß Siegharts wird sie nun vom 16. Oktober bis 21. November ihre aktuelle Serie „Die Macht der Begrenzung“ zeigen. Ihre Werke entstehen aus „biografischem Materialarchiv“, aus den objets-truvés, Objektserien, die ihre Argumentation gegen die Materialschlacht des Überflusses einer Wegwerfgesellschaft dokumentieren.

Junge Künstler im Projektraum zu sehen. Parallel zu den Ausstellungen in der Galerie werden auch im „Projektraum junge Kunst“ Werke aufstrebender junger Künstler gezeigt. Den Anfang macht die Wienerin Marie Reichel (24. April bis 6. Juni). Sie nutzt eine materielle Poetik, um immaterielle Erzählungen zu entwickeln, die in Objekte übersetzt werden, zu Zeichnungen schrumpfen und zu Installationen heranwachsen, sich filmisch verwandeln und fragmentiert in Skulptur auflösen.

Die Hornerin Rosa Andraschek beschäftigt sich mit Fragen nach Erinnerung und Memorialisierung, Öffentlich- und Zugänglichkeiten sowie dem Zusammenhang zwischen Bild und Text. Ihre umfassenden Recherchen werden in Fotografien, Texten, Videos und Installationen übersetzt. Zu sehen sind die Ergebnisse vom 12. Juni bis 18. Juli. Bei Kaja Clara Joo aus Wien stehen verborgene Narrative der umgebenden Ausstellungsarchitektur im Zentrum. Aus den kleinen und nichtigen Alltagsdetails materialisieren sich plötzlich großformatige Installationen. Ungebunden und auf Augenhöhe wollen sie sich dem Betrachter entgegenbäumen. Zu sehen ist ihre Ausstellung vom 24. Juli bis 29. August.

Den Abschluss im Projektraum macht die Wienerin Lena Kohlmayr. Die in der Ausstellung versammelten Arbeiten und Objekte sezieren den Gebetstext des christlichen „Vater Unser“, suchen die Ironie im Ritual und weigern sich, Antworten auf komplexe Fragestellungen zu sein.

Ausschlaggebend für die Auseinandersetzung mit dem Gebet war eine Begegnung der Künstlerin mit einem Mann aus Afghanistan und ein in Folge entstandenes Video.

Es zeigt einen jungen Mann, der bemüht ist, das „Vater Unser“ in gebrochenem Deutsch als Vorbereitung für seine Taufe auswendig aufzusagen.

Alle Ausstellungen finden unter den jeweils geltenden Corona-Bestimmungen statt, vorbehaltlich einer Absage, falls die Gesetzeslage die Abhaltung nicht zulassen sollte.