Corona: Therapiezentrum in Waidhofen in Verzug. Therapiezentrum im ehemaligen Golfhotel hätte im ersten Quartal Betrieb aufnehmen sollen. Corona „schoss“ Verhandlungen ab.

Von Michael Schwab. Erstellt am 12. August 2020 (06:07)
Was tut sich im Therapiezentrum „Nordstern“? Das fragten sich die Waidhofner Bürger in den vergangenen Wochen und Monaten. Im NÖN-Gespräch mit dem Betreiber zeigt sich: Corona verzögerte den Start, der jetzt für Oktober geplant ist.
Michael Schwab

Wenig tat sich von außen betrachtet im Therapiezentrum „Nordstern“ im ehemaligen Golfhotel, das eigentlich im ersten Quartal 2020 seinen Betrieb hätte aufnehmen sollen - die NÖN berichtete über die Pläne dazu:

Dementsprechend kursierten diverse Gerüchte darüber, was nun wirklich im Golfhotel geschehe, und wie ernst die Sache mit dem Therapiezentrum überhaupt sein könne, wenn monatelang augenscheinlich wenig bis nichts passiert.

Die Ursache für die Verzögerungen und den „Stillstand“ ist jedoch eine einfache: Die Corona-Pandemie machte auch den Plänen von Geschäftsführer Josef Pergrin einen Strich durch die Rechnung.

Verhandlungs-Stopp wegen Corona. Dabei hatte 2020 gut begonnen: „Wir hatten im Februar und März positive Gespräche mit der ÖGK, dem AMS, der Justiz und der Gewerkschaft, vor allem mit AMS und Justiz waren die Verhandlungen sehr gut“, berichtet Pergrin im Gespräch mit der NÖN.

Dann kam der Corona-Lockdown: „Für uns war das praktisch ein ‚Shoot-Down‘, weil alle Gesprächspartner plötzlich nur noch mit Corona beschäftigt waren. Das hat uns praktisch von einem Tag auf den anderen abgeschossen.“

Die Arbeiten im Haus waren zu diesen Zeitpunkt in der Endphase, und weil Pergrins polnische Mitarbeiter zu lange mit der Heimfahrt gewartet hatten und dann wegen der Grenzsperren nicht nach Hause fahren konnten, war es immerhin möglich gewesen, die restlichen Arbeiten im März abzuschließen.

Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die für den Start nötigen Mitarbeiter, die Pergrin schon alle unter Vertrag hatte, sind nun in Kurzarbeit. „Mir ist es wichtig, die guten Leute, die ich gefunden habe, zu behalten, die gebe ich nicht mehr her. Auch wenn natürlich trotz Kurzarbeit Kosten anfallen“, betont Pergrin.

Einige Mitarbeiter würden die Zeit zur fachspezifischen Weiterbildung nutzen. „Alle sind sehr motiviert und gut ausgebildet, aber wir sitzen alle auf Nadeln“, merkt Pergrin an.

Neuer Starttermin Oktober. Anfang Juni startete er erste Kontaktversuche mit den zuständigen Stellen, im Juli gab es erste Gesprächstermine, die gut verlaufen seien. Den Start peilt Pergrin jetzt für das vierte Quartal, wahrscheinlich im Oktober, an.

In der Zwischenzeit habe man auch die Therapiekonzepte verfeinert – vordringliches Ziel der Einrichtung ist, Menschen nach Burnout, Traumatisierungen oder Suchtproblemen wieder in den Arbeitsprozess zurückzuführen. Dazu gehört auch die berufliche Qualifizierung in der hauseigenen Werkstätte, Küche und Gärtnerei.

„Wir haben jetzt mit einem Kärntner Industriebetrieb einen Partner gefunden, der eine Industrieausbildung finanzieren würde und die Absolventen danach bei entsprechender Eignung auch anstellen würde“, fügt Pergrin hinzu.

Selbst Vorstrafen für kleinere Vergehen seien kein Hindernis: „Unser Job ist es, diese Personen durch therapeutische Maßnahmen zu stabilisieren und ihnen das Rüstzeug mitzugeben, dass sie wieder im normalen Berufsleben Fuß fassen können. Das verringert nämlich auch die Rückfallquote deutlich.“

Die Ausbildung dauere je nach Vorkenntnissen sechs bis 18 Monate, sagt Pergrin.