Vom Handel in die Autowerkstatt in Vitis. Lisa Mörth wechselte mit Unterstützung des AMS nach Babypause von Großhandelskauffrau zur Karosseriebauerin.

Von Michael Schwab. Erstellt am 15. Mai 2021 (05:01)
Lisa Mörth (2.v.l.) absolviert im Autohaus Holas ihre Ausbildung zur Karosseriebauerin. Am Bild mit Mario Holas, Günter Österreicher und AMS-Geschäftsstellenleiterin Edith Zach.
Michael Schwab

Von der Großhandelskauffrau zur Karosseriebauerin – für diesen Berufswechsel entschied sich die Vitiserin Lisa Mörth nach ihrer Babypause.

„Ich habe sieben Jahre im Handel gearbeitet und auch nach der Karenz wieder kurz einen Job in dieser Branche angenommen, aber ich habe erkannt, dass das nicht das war, was ich für den Rest meines Berufslebens machen wollte. Jeder Tag war gleich, ich wollte neue Herausforderungen“, erzählt Mörth.

Schon immer Interesse an schönen Autos

Eine Freundin brachte sie dazu, Kontakt mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) Waidhofen aufzunehmen, um die Möglichkeit einer beruflichen Umorientierung im Rahmen der Corona-Qualifizierungsoffensive zu besprechen. Anfang Februar begann sie mit einem Vorbereitungskurs für Frauen in technischen Berufen, einen Monat später folgte der Schritt in die Praxis im Autohaus Holas in Vitis.

„Ich hatte schon immer Interesse an Autos. Wer mag schöne Autos nicht?“ lacht Lisa Mörh im NÖN-Gespräch. Autos nach einem Unfall wieder „schön“ zu machen, das wird sie in ihrer Ausbildung zur KFZ-Karosserie-Technikerin in den kommenden drei Jahren lernen. „Das Zusammenspiel der Technik fasziniert mich, bis jetzt macht mir die Arbeit großen Spaß“, sagt Mörth.

Beruf ist am Arbeitsmarkt sehr gefragt

Ihr Ausbildungsbetrieb hatte eigentlich gar nicht aktiv nach einem Lehrling im Karosseriebau gesucht. „Aber wenn jemand kommt und sich dafür interessiert, dann nehmen wir den- oder diejenige natürlich mit. Denn dieser Beruf ist sehr gefragt am Arbeitsmarkt, man findet da nicht leicht jemanden. Eine Frau im Team zu haben, finde ich ganz gut, da sie ein anderes Gefühl und einen anderen Blick auf die Dinge mitbringt. Das können wir in der Spenglerei gut gebrauchen“, meint ihr Dienstgeber Mario Holas. Und eine Ausweitung des Teams auf vier Personen ist wegen des steigenden Arbeitsanfalls sowieso keine schlechte Idee, meint Holas. Nach einer Woche Probezeit war die Sache fixiert – Lisa Mörth konnte ihre Ausbildung bei Holas beginnen.

„Wechsle Räder am Auto jetzt selbst“

Der manchmal rauere Umgangston in der Werkstatt macht ihr nichts aus: „Wenn die Kollegen es übertreiben, dann lasse ich sie das schon spüren.“ Mittlerweile macht sich Lisa Mörth das erlernte handwerkliche Können auch im Alltag zunutze: „Ich wechsle die Räder an meinem Auto jetzt selbst. Es ist schon gut, wenn man sich selber helfen kann.“ Ein weiterer Pluspunkt der Ausbildung: Sie ist mit Lisa Mörths Rolle als Mutter verträglich – zumindest mit Hilfe ihrer Großeltern.

Punktgenaue Qualifizierung für Zukunftsjobs

Für AMS-Geschäftsstellenleiterin Edith Zach ist Lisa Mörth ein gutes Beispiel dafür, was das AMS mit seinem aktuellen Programm der punktgenauen Qualifizierung erreichen will: „Uns geht es darum, Leute in Berufe zu bringen, die aktuell und auch in den kommenden Jahren gefragt sind. Das Jobangebot in der Technik ist gut, Karosseriebauer und KFZ-Techniker sind gesuchte Arbeitskräfte“, betont Zach.

Technische Berufe, Elektronik und digitale Technik, Transport und Logistik sowie Pflege sind jene Branchen, in denen trotz Corona-Krise nach wie vor Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften besteht. Im Bezirk Waidhofen belief sich die Anzahl der freien Stellen in diesen Zukunftsbranchen Ende April auf 51, ein Plus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Rechnet man alle offenen Stellen im technischen Bereich zusammen, kommt man auf 39 freie Stellen. Weitere zwölf freie Stellen gibt es im Pflege-, Sozialarbeits- und Erziehungsbereich.

Der starke Fokus auf technischen Berufen auch für Frauen macht mit Blick auf diese Zahlen daher durchwegs Sinn. Dem AMS NÖ steht in Kooperation mit dem Land NÖ und den Sozialpartnern alleine heuer ein Budget von 63 Millionen Euro zur Verfügung. Im Zentrum stehen Schulungen in den Bereichen Technik und betriebsnahe Ausbildungen, damit die Betriebe nach der Pandemie jene qualifizierten Arbeitskräfte erhalten, die sie brauchen.