Ein ganzes Schloss zu vermieten. Leopold Gudenus möchte Vestenötting nicht verkaufen, sondern sucht nach Mietern.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 02. Oktober 2019 (04:02)
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Leopold Gudenus öffnet die Tür zum Schloss Vestenötting, das lange der Forstverwaltungssitz war. Er sucht nach einem Zweck für das leerstehende Gebäude. Der Forstbetrieb liegt bereits in den Händen seines 29-jährigen Sohnes Ferdinand.

59 Einwohner hat das Dorf, eine der wenigen kleinen Siedlungen, in denen ein Landgasthaus erhalten geblieben ist – und gleich daneben ein Schloss steht. Das soll veräußert werden, zumindest wurde diese Information an die NÖN-Redaktion herangetragen. Nur: „Ein Verkauf steht nicht so wirklich an“, sagt dazu Leopold Gudenus. „Wir wollen es gerne langfristig vermieten und würden das als Investition sehen.“

Der Familienbesitz ist für Gudenus fast unentbehrlich, wenn auch mit großen Herausforderungen verbunden. Kindheitserinnerungen verbinden ihn mit Vestenötting. Er ist, als sein Großvater in Waidhofen gestorben ist, mit seinen Eltern und Geschwistern (insgesamt acht Kinder) aus Dänemark in die Bezirksstadt gekommen. Die Forstverwaltung mit der Kanzlei, dem Wohnsitz des Försters, dem Pferdestall und der Sattelkammer, der Scheune mit Gerätschaften: Das alles lernte Gudenus als Kind kennen. „Wir sind tagsüber mit den Pferden raus, sind in den Wald gefahren und haben Brennholz geholt“, schildert er. Die Rodelpartien sind ihm lebhaft in Erinnerung geblieben. „Da gab’s noch Schnee.“

„Wir wollen das gerne langfristig vermieten und würden das als Investition sehen.“ Leopold Gudenus sucht nach einem Zweck für sein Schloss Vestenötting

Der Kutscher ging in Pension und mit ihm verschwanden die Pferde. Die Witwe des Försters lebte bis zu ihrem Tod im linken Flügel des Dreikanters, dann fanden sich noch Mieter für den Haupttrakt, der seit deren Auszug weitgehend verlassen ist.

„Das Leerstehende ist eigentlich das Schlimmste“, findet Gudenus. „Ich gebe zu: Das Schloss ist nicht im Top-Zustand.“ Dabei wollte er einst mit seiner Frau dort leben, die Pflegebedürftigkeit seiner Eltern änderte die Entscheidung. Man blieb im Schloss Waidhofen, worauf sich die Erneuerungskräfte konzentrierten.

Die ausgemalten Wände im Vestenöttinger Haupttrakt zeugen von dem am längsten genutzten Teil des Schlosses. „Das könnte man relativ schnell instand setzen.“ Viel zu tun wäre dennoch, und der 73-Jährige sucht nach einem Zweck für das Gebäude (Wohnnutzfläche 350 Quadratmeter). Wohnungen sind möglich, Büros sind ihm noch sympathischer.

„Das könnte man relativ schnell instand setzen“

Als die Politik die Dezentralisierung, also die Auslagerung von Ämtern aus den Ballungsgebieten ins Land, angedacht hat, fragte Gudenus nach. „Das hätte sich hier angeboten“, findet er. Der Bedarf sei aber nicht vorhanden gewesen, habe man ihm mitgeteilt. „Vielleicht ist das auch für viele Betriebe wünschenswert: So schlecht hammas ned im Waldviertel.“ Eine Außenstelle eines Ministeriums oder eines Betriebes, ein Ärztehaus: Vieles sei für ihn vorstellbar. Das Internet könne heutzutage einiges ermöglichen. „Es gäbe genug Arbeitskräfte. Ich glaube, wir haben hier im Waldviertel Potenzial.“

Auf eine Idee springt er nicht auf: „Wir sind mit dem Landgasthaus Streicher ganz gut im Gespräch“, erzählt er. Dem Wirten würde ein Gästehaus im Schloss ganz gut gefallen. „Aber das ist schwierig: Es ist saisonal begrenzt und bedarf auch eines höheren Aufwands.“ Jedes Zimmer würde ein Bad mit Toilette benötigen. Jetzt müsse einmal aufgeräumt werden: Viele Räume dienen als Lager, und das will Gudenus in einem nächsten Schritt sichten.