Waldviertler Kultband meldet sich zurück. Nach zehn Jahren ohne neue Musik bringt die Waldviertler Heavy-Metal-Truppe „Sign of Decay“ ihr fünftes Album heraus.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 03. Dezember 2020 (04:52)
Nach zehn Jahren Albumpause sind „Sign of Decay“ mit ihrer fünften Platte zurück. Es könnte laut werden.
Sign Of Decay

Auferstanden aus der Asche. Zehn Jahre lang war es relativ still um „Sign of Decay“, zumindest, was neue Musik betrifft.

Das neue Album „Out of the Ashes“.
Sign of Decay

Noch bevor das Jahr 2020 zu Ende geht, meldet sich die Waldviertler Heavy-Metal-Truppe jetzt mit einem neuen Album zurück. Das trägt passenderweise den Titel „Out of the Ashes“.

Das Comeback ist also eingeläutet, auch wenn die Band in der Realität nie wirklich weg war. Konzerte gab es über die Jahre nämlich reichlich.

Aber warum die lange Albumpause?

„Vor zehn Jahren haben wir richtig Gas gegeben und eine Show nach der anderen gespielt. Die Band ist aber im Grunde nur ein Hobby von uns, und der Zeitaufwand wurde einfach zu groß“, erklärt Sänger und Frontmann Gerhard Wimmer.

Nach einer turbulenten Zeit mit vielen großen Auftritten, unter anderem als Opener beim „Metal Fest Austria“, wurde die Notbremse gezogen. Im Heavy Metal Sektor genug Geld zu verdienen wäre zu schwierig gewesen. Deshalb entschied sich die Band, es beim Hobby zu belassen. Mittlerweile hat sich auch einiges bei den Bandmitgliedern getan. „Wir waren alle mit Heiraten, Kindern und Hausbau beschäftigt“, offenbart Wimmer.

Nirvana-Song war der Schlüsselmoment

Trotz der verringerten Aktivitäten zählen „Sign of Decay“ immer noch zu den größten Waldviertler Heavy-Metal-Bands. Die Wurzeln gehen schon lange zurück.

2004 kam Gitarrist Jürgen Miksche auf Gerhard Binder zu, nachdem er ihn in Gerweis bei einem Konzert gehört hatte. „Es war nicht mal mein Gig. Ich habe die dort spielende Band im Suff gefragt, ob ich mit ihnen einen Nirvana-Song singen dürfte“, resümiert Wimmer.

Die Performance beeindruckte Miksche, und die Idee zur gemeinsamen Band war geboren. Bruder Thomas Wimmer stieß als Schlagzeuger dazu. Mit Karl Trimmel wurde auch schnell der passende Bassist gefunden.

Zur endgültigen Besetzung kam es aber erst 2008, als Gitarrist David Ringl und Geiger Raphael Widmann das Sextett komplettierten. Die Geige wurde mittlerweile sogar zum Markenzeichen der Band und fehlt seitdem in keinem Song mehr.

Der Weg zurück ins Studio

Bis letztes Jahr war „Sign of Decay“ noch mit mehreren Konzerten pro Jahr aktiv. Nach dem letzten Auftritt im November 2019 machte sich die Band an die Arbeit für das fünfte Studioalbum. Im März ging es mit Produzent Norbert Leitner ins Studio. Die ersten Instrumente wurden noch eingespielt, doch dann funkte der Lockdown dazwischen.

„Unsere ganze Planung wurde durcheinander geworfen“, schildert Wimmer. Das Projekt lag fürs Erste auf Eis. Erst im Mai konnte die Produktion fortgesetzt werden. Der Prozess bis zum fertigen Album zog sich danach bis zum November hin.

Gitarre trifft Geige

Aber hat sich die Arbeit ausgezahlt und klingt die Band nach der langen Schaffenspause immer noch frisch? Ein klares Ja. Man merkt kaum, dass zehn Jahre ins Land gegangen sind. Die harten Gitarrenriffs dröhnen wie gewohnt aus den Boxen.

Begleitet von den für die Band typischen Violinenklängen finden „Sign of Decay“ ihren ganz eigenen Klangkosmos. Wenn die Gitarren einmal nicht die Oberhand haben, sorgt Raphael Widmann mit tragenden Melodien für die Ruhe vor dem Sturm. Die Abwechslung zwischen den lauten, schiebenden Passagen und den manchmal auch leisen Tönen ist der Band ein großes An liegen.

„Wenn man nur einen Song von uns gehört hat, kennt man die Band noch nicht. Dafür muss man mindestens ein ganzes Album hören“, meint Wimmer.

Exkurse in verschiedene Stilrichtungen sollen die Musik frisch und interessant halten. Von klassischem Metallica-Metal bis hin zu aktueller Hardcore-Musik sind Einflüsse zu hören. Dabei gilt es, nicht die eigene Identität zu verlieren. „Wir haben von Anfang an gesagt, wir wollen nichts covern. Es soll unsere Mukke sein, mit der die Leute mitgehen“, erzählt Wimmer.

Von Politik, Manipulation und Herzschmerz

Auch textlich hält sich die Band nicht zurück. Gerhard Wimmer scheut sich nicht, mit seinen Lyrics auch politische Themen anzusprechen, wie auf dem Song „Democracy“. Auch wenn er oft ein düsteres Weltbild zeichnet, bleibt die Botschaft positiv: „Democracy will survive.“

Mit „Without You“ hat es auch ein klassisches Liebeslied aufs Album geschafft. „Sign of Decay“ zeigen, dass Heavy-Metal bei Weitem nicht so düster ist wie sein Ruf. Die Texte stammen übrigens nicht nur vom Sänger Gerhard Wimmer, auch Violinist Raphael Widmann steuerte einige Lyrics bei. Zudem singt er Background-Vocals. Das bringt den Frontmann leicht ins Schwitzen. „Er hat Gesang studiert. Eigentlich singt er besser als ich“, meint Wimmer grinsend.

Videodreh bis in die späte Nacht

Zum Song „Nothing Less“ wurde diesmal ein aufwendiges Musikvideo produziert. Dafür engagierte die Band den Videoproduzenten Rene Percei Lang. „Er ist extra für uns über seinen Schatten gesprungen. Für kleines Geld haben wir bei ihm Hollywood bekommen“, schildert Wimmer dankbar.

Gedreht wurde in einer leer stehenden Halle in Groß Siegharts, und das bis zwei Uhr morgens. „Wir mussten im Vorhinein der Polizei Bescheid geben, damit sich keiner über die Musik zu später Stunde wundert.“ Auch Wimmers Tochter hat einen kleinen Auftritt. Am Ende hätte sich die Band noch etwas mehr Zeit gewünscht, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Auf Youtube ist das Video zu „Nothing Less“ bereits zu sehen.

Physisch geht vor digital

Das Album ist auch schon erhältlich, momentan allerdings nur über die Internetseite der Band www.signofdecay.com .

„Auf diese Weise landet der gesamte Profit bei uns, anders als bei Spotify & Co“, erklärt Wimmer. Erst im Jänner soll dann auch der digitale Vertrieb über iTunes und Amazon starten. Sobald es geht, wird auch wieder auf Live-Konzerte hingefiebert.

Eine CD-Präsentation wäre angedacht, doch im Moment sei es laut Wimmer unmöglich, irgendetwas zu planen. Wahrscheinlich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis „Sign of Decay“ auch vor Publikum wieder in die Saiten greifen dürfen.