Viel Tempo und Witz beim Lastkrafttheater. Regisseurin Nicole Fendesack inszenierte alten Nestroy-Klassiker „Höllenangst“ mit viel Tempo und Witz in Thaya. Eingebaute Pandemie-Begriffe sorgten für herzliche Lacher.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 08. Juni 2021 (16:21)

Das Lastkrafttheater machte am Samstag wieder in Thaya halt. Geplant wäre eine Aufführung im Freien am Johannesplatz gewesen, aufgrund der unbeständigen Wetterlage wurde sie in den Gemeindesaal verlegt. Durch die großen und teils offenen Glaswände hatte man aber auch hier ein gewisses Gefühl von einem Freilufttheater.

Das Ensemble des Theaters hatte die Komödie „Höllenangst“ von Johann Nepomuk Nestroy, eines der bekanntesten Stücke des österreichischen Autors, im Gepäck. Die Darsteller sind ausgebildete Schauspieler, die ihr Handwerk beherrschen.

Besonders loben muss man die Regie, die den alten Klassiker gekonnt entstaubt hat. So wurde auch jenen, die mit der Nestroy’schen Sprache weniger anfangen können, ein kurzweiliger Abend geboten. Regisseurin Nicole Fendesack inszenierte mit viel Tempo und Witz. Nestroy-Stücke werden traditionell mit aktuellen Gegebenheiten garniert.

Begriffe aus Pandemie eingewoben. Darum war es nicht verwunderlich, dass viele Begrifflichkeiten aus der Pandemie passend eingewoben wurden. Bei den Gesangsstücken, sogenannten Couplets, die das Stück immer wieder brechen, wurde auf Pop- und Rockmusik zurückgegriffen. So hörte man „Highway to Hell“ gefolgt von „Ein bisschen Frieden“ und die Melodie von „Taxi“ umgetextet auf „I steh auf der Bühne und der Teufel kummt net“.

Das Konzept des Lastkrafttheaters ist in ganz Österreich einzigartig: Theater wird hin zu den Menschen gebracht. Deswegen wurde bei der Auswahl der Spielorte für das Lastkrafttheater großer Wert auf Orte in Niederösterreich gelegt, die selbst kein Theater haben. Das Publikum muss nun nicht mehr weite Strecken ins nächstgelegene Theater zurücklegen, sondern kann auf den Stadtplatz ihres Heimatortes gehen.

Das Lastkrafttheater legt auf seiner Tournee fast 6.000 Kilometer quer durch Niederösterreich, Wien und das Burgenland zurück. Das Wunderbarste an diesem innovativen Konzept: Das Theatererlebnis ist für die Zuseher völlig gratis.

Die Initiatoren Max Mayerhofer und David Czifer freuen sich besonders, dass das Land NÖ dem Projekt Lastkrafttheater den Niederösterreichischen Kulturpreis 2019 verliehen hat, zudem erhielten sie den Maecenas NÖ 2020 in der Kategorie Sonderpreis „Kunst & Kultur“.