Busse stehen noch still. Verunsicherung bei Busreisen auch noch groß. Vereinsobmänner wollen Verantwortung nicht übernehmen. Veranstalter hoffen auf Tagesfahrten und Kurzreisen.

Von Markus Lohninger und Gerald Muthsam. Erstellt am 03. Juni 2020 (03:53)
Geschäftsführer Christoph Wurz (2. von links): Barrierefreie VIP-Busse stehen bei Frank-Freisen bereit, Angst muss aber abgeschüttelt werden.
Markus Lohninger (Archiv)

Reiseveranstalter, die sich auf Busreisen spezialisiert haben, haben es mit Corona nicht leicht: Stornos und Zurückhaltung bei neuen Buchungen prägen das Bild. Heimische Busreiseveranstalter wie Frank-Reisen hoffen jedoch, vom Trend zum Urlaub im eigenen Land profitieren zu können.

Am Österreich-Boom partizipieren

„Wir haben einige Tagesfahrten und Kurzreisen wie schönste Berge, Alpenpässe oder Genussreisen in der Pipeline. Einige – etwa Radreisen – sind schon buchbar, einige kurzfristig abrufbar“, sagt Geschäftsführer Christoph Wurz. Der Nahtourismus sei heuer für die gesamte Branche essenziell.

Einige hunderttausend Euro an Anzahlungen für stornierte Touren habe Frank-Reisen seit März zurücküberwiesen – Geld, das zur Finanzierung von Immobilien, Fuhrpark oder Personal nötig wäre: Die Fixkosten laufen, egal ob der Komfortbus mit Respektabstand zwischen Sitzen nun rollt. Personal muss immer noch eher fürs Umbuchen und Stornieren als für Neubuchungen bezahlt werden. Oft würden Kunden einer Umbuchung anstatt des Stornos zustimmen, dankt Christoph Wurz, „viele unterstützen uns in dieser schwierigen Zeit“. Staatliche Hilfe habe es noch keine gegeben, dank der vor Corona stabilen Entwicklung und dem Linienbus-Geschäft sei man liquiditätstechnisch trotzdem auf gutem Weg.

Angst: keine gute Reisebegleiterin

Wie der Turbo wieder voll anlaufen soll? In der Reisebranche sind verantwortungsbewusstes Vorgehen, Sicherheit und Planbarkeit die Basis, betont Christoph Wurz. Nicht alle Faktoren kann er selbst beeinflussen. Zentrales misst Wurz der Regierung bei: „Wenn von offizieller Stelle die klare Aussage kommt, das Reisen wieder als sicher bewertet wird, dann werden die Menschen die Corona-Angst langsam abstreifen können.“

Er hofft auf alltagstaugliche Sicherheits-Regeln im Bus und ein Ende des ewigen Grenz-Wirrwarrs. Die Angst, beim Queren einer Grenze die Quarantäne zu riskieren, ist keine gute Reisebegleiterin.

Zwei Lager bei Pensionisten: Zwischen Abwarten und Reiselust

In der Luft hängt auch Willi Meller von Waldviertel Reisen in Oberndorf: „Bei uns wurden schon viele Stornierungen abgewickelt. Geplante Reisen für Juli und August werden weiterhin storniert bzw. verschoben. Und hier auch nicht in den Herbst, sondern auf nächstes Jahr.“ Waldviertel Reisen sei hauptsächlich im Busreisesegment in ganz Zentraleuropa, mit vielen Gruppenreisen tätig. „Wir haben sehr viele Pensionisten als Kunden und bei denen haben sich zwei Lager gebildet“, meint Meller. „Die einen sagen, startet endlich den Bus und fahren wir fort, weil wir halten es zuhause nicht mehr aus. Ein Kunde meinte, ich bin 78 Jahre alt, auf was soll ich warten? Mir wird gerade Lebenszeit gestohlen. Der andere Teil sagt, solange es keine Impfung gibt, wollen wir nicht fortfahren.“

„Wie Schneekettenpflicht im Sommer.“

Das Unternehmen selber tendiere im Moment zum Start der Reisen, aber kein Obmann eines Vereins würde die Verantwortung aus Angst vor möglichen Ansteckungen und der daraus folgenden medialen Verurteilung übernehmen wollen. „Die Vollbremsung im März war damals gut, aber derzeit empfinde ich die Situation so, als hätte man die Schneekettenpflicht auf den Sommer ausgedehnt“, sagt Meller. „Hier meine ich etwa die Maskenpflicht, die ein gesellschaftliches Ereignis wie eine Reise einfach zerstört. Ich glaube, wir müssen jetzt gerade das Reisen neu erfinden.“

Saison ist nicht mehr zu retten

Diese Saison sei auf jeden Fall kaputt. „Derzeit sind unsere Mitarbeiter noch in Kurzarbeit, doch wenn diese einmal ausläuft, dann weiß ich nicht, was ich mit den Leuten mache. Das macht mir mehr zu schaffen, als wenn ich zwei Autobusse verkaufen müsste“, gibt sich Meller zerknirscht.

Auch im Reisenbüro Piffl, das mit eigenen Bussen Reisen anbietet, hat man sich mit dem Verlust der Sommersaison 2020 abgefunden. „Auch alle Schulausflüge wurden bereits im März abgesagt. Die Busse dürften auch vollbesetzt werden, aber es gibt überhaupt keine Nachfrage. Wir würden auch nur mit halb besetzten Bussen fahren“. sagt Geschäftsführerin Klaudia Piffl-Hofbauer.

Dieser Sommer sei voraussichtlich gelaufen, die bereits gebuchten Urlaube für Herbst werden vermutlich halten, neue allerdings kaum dazukommen. „Wirklich losgehen wird es wahrscheinlich erst wieder im Sommer 2021“, denkt die Reisebürochefin.