Ein Schatz für Heimatforscher in Wiesmaden. Anton Dietrich trug über die Jahre zahlreiche Heimatbücher zusammen und will jetzt auch andere teilhaben lassen.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 03. März 2021 (03:51)
Anton Dietrichs heimatkundliche Sammlung umfasst rund 250 Bücher und Schriften.
Sebastian Dangl

Auch kleine Orte haben eine große Geschichte zu erzählen, und die ist oft umfangreicher als gedacht. Die Historie der meisten Städte und Dörfer des Waldviertels geht schließlich viele Jahrhunderte zurück. Über die Jahre wurde diese Geschichte mit zahlreichen Büchern zur Heimatforschung dokumentiert. Dieses geballte Wissen zu ordnen und an einem Ort zu versammeln, hat sich ein Religionslehrer aus Wiesmaden bei Gastern zur Aufgabe gemacht.

Vor über 20 Jahren entdeckte Anton Dietrich seine Faszination für die Geschichte der eigenen Heimat. Ein Buch über die Geschichte Gasterns des ehemaligen Pfarrers Josef Keil gab den Anstoß. „Seitdem habe ich alles geschichtliche und zeitgeschichtliche gesammelt, was mir in die Hände fiel“, erzählt Dietrich. Seine kleine heimatkundliche Bibliothek umfasst mittlerweile etwa 250 Bücher und Schriften.

„Ich sehe es als kulturelles Erbe, das ich für die Zukunft erhalten will.“ Anton Dietrich

Viel wurde von Dietrich selbst zusammengetragen, ein großer Teil entstammt aber auch der Sammlung von Johann Lehninger aus Gastern. Dieser hatte ebenfalls etliche Bücher zum Thema. „Er wollte die Sammlung nicht mehr aufrechterhalten und vermachte mir alle Bücher mit den Worten: Bei dir ist alles in guten Händen“, schildert Dietrich. Bei so vielen Büchern den Überblick zu halten, ist keine leichte Aufgabe und zudem zeitaufwendig. Während Corona fand sich jetzt allerdings eben jene Zeit.

Anton Dietrich archivierte und ordnete alle Bücher feinsäuberlich und widmete ihnen einen eigenen Raum in seinem Heim in Wiesmaden. Auch einen eigenen Katalog erstellte er, ohne den keine Bibliothek vollständig wäre. Ein essenzielles Hilfsmittel, um schnell das gewünschte Buch zu finden. „Ohne Katalog verliert man sonst wirklich irgendwann den Überblick.“

Der letzte Schritt zur vollwertigen Bibliothek

Für so eine professionelle Aufmachung ist die Bibliothek zur reinen privaten Nutzung fast zu schade. Das sind auch exakt die Gedanken von Anton Dietrich. „Mir kam die Idee, dass ich meine Sammlung jetzt auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen will.“ Gerade in Corona-Zeiten bietet Dietrich die Option zum Ausleihen an. „Wer ein Buch lesen möchte, schickt einfach eine Mail an anton.diet rich@live.at und ich schicke demjenigen die Liste mit dem Bestand zu.“ Das gewünschte Buch legt Dietrich schließlich zur Abholung bereit. Wenn es die Corona-Situation irgendwann wieder zulässt, soll man es sich aber auch persönlich in der Bibliothek gemütlich machen und stöbern können. Eine eigene Homepage sei laut Dietrich ebenfalls eine Überlegung für die Zukunft.

Verlockend klingt das Angebot für alle Heimatinteressierten allemal. „Ich habe auch festgestellt, dass viele Menschen über die Geschichte ihre Familien und Häuser forschen“, erzählt Dietrich. Genau für solche Angelegenheiten hat der Hobbyarchivar sogar einen kleinen Ruf in der Umgebung gewonnen. Einigen konnte er tatsächlich schon weiterhelfen, Licht in die manchmal nebulöse Vergangenheit zu bringen.

Wenn man mit dem Finger über die Einbände streicht, findet man in der Sammlung so einige Schätze der Heimatforschung. Manche Bücher haben aufgrund ihres Alters schon historischen Wert an sich. So befinden sich in Dietrichs Sammlung Originale der Waldviertel-Bücher von Eduard Stepan aus den 1920er und 1930er Jahren. Auch auf alte Bezirksheimatkunden und -bücher stößt man im Regal. Besonders sind auch zahlreiche alte Beilagen von Amtsblättern, über Jahrzehnte gesammelt, aus dem Archiv von Johann Lehninger.

Die ältesten Stücke gehen also schon an die hundert Jahre zurück. Wo bekommt man überhaupt so alte Bücher her? „Viele Bücher sind aus dem Bestand von Schulen. Dort wurden solche Werke auch schon mal einfach weggeworfen, weil Niemand mehr Interesse hatte.“ Natürlich befinden sich auch viele aktuelle Bücher in der Sammlung. Dazu gehören beispielsweise die Dorfchroniken umliegender Orte, wie Kautzen, Dobersberg, Eisgarn oder Windigsteig. Die Zeitschrift des Waldviertler Heimatbundes „Das Waldviertel“ hat Dietrich seit 2003 lückenlos archiviert. Viel Lesestoff also, hat der Archivar wirklich alle davon selbst gelesen? „Nein, alle nicht“, offenbart Dietrich lachend. „Sagen wir es mal so: Ich verwende die Bücher als Nachschlagewerk. Ich bin aber kein Jäger und Sammler.“

Autor kann er sich dagegen schon nennen. 2005 verfasste Dietrich eine Heimatkunde zum 850. Jubiläum von Gastern. „Es war quasi eine Ergänzung zum Buch von Josef Keil, mit neuen Aspekten“, erklärt Dietrich. Die Chance auf die erneute Aufnahme der schriftstellerischen Tätigkeit besteht noch. „Ich habe ja viel Material. Vielleicht kommt noch etwas.“

Der Sammelleidenschaft von Anton Dietrich ist nur mit den Büchern nicht genüge getan. Die Geschichte der Heimat umfasst schließlich noch viel mehr. Auch ein digitales Archiv, mit mittlerweile 20 GB an Daten, ist über die Jahre entstanden. Darin findet alles von Zeitungsartikeln über Gemeindenachrichten bis hin zu Fotos Platz. So viel Archivierungsarbeit kostet Zeit. „An manchen Tagen bin ich zwei bis drei Stunden beschäftigt.“

Und wozu diese ganze Arbeit? „Ich sehe die Sammlung als wichtiges kulturelles Erbe an, dass ich für die Zukunft erhalten will.“ Dieses Erbe jetzt teilen zu können, ist also ein wichtiger Schritt. Die Bibliothek ist zudem noch lange nicht am Ende des Wachstums angelangt. Dabei hofft Dietrich auch auf Mithilfe. „Sollte jemand Schriftwerke, wie geschichtliche Bücher, alte Schulbücher, Festschriften, Tagebücher oder gar Kochbücher zu Hause haben und diese nicht benötigen, würde ich mich sehr freuen, wenn ich damit meine heimatkundliche Bibliothek ergänzen könnte.“