Interview mit Anette Töpfl: „Wohl oder übel gewöhnt man sich“

Erstellt am 12. Januar 2022 | 04:07
Lesezeit: 4 Min
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Anette Töpfl geht mit frischem Elan ins neue Jahr.
Foto: Sebastian Dangl
Die Vitiser Bürgermeisterin Anette Töpfl gibt im NÖN-Interview ein Fazit zum abgelaufenen Jahr.

NÖN: Drehen wir die Uhr zurück. Haben sich Ihre Hoffnungen oder auch Befürchtungen von Anfang 2021 letzten Endes bewahrheitet?

Anette Töpfl: Ich habe natürlich gehofft, dass die ganze Corona-Situation besser wird. Der Lockdown zu Beginn des Vorjahres hat ja am Ende recht lange gedauert. Da wir jetzt in der gleichen Situation sind, hat sich diese Hoffnung leider nicht bewahrheitet. Auch das gesamte gesellschaftliche Leben hat, wie auch schon 2020, enorm gelitten. Vereine mussten abermals Veranstaltungen absagen. Besonders für sie hatte das Jahr einen bitteren Beigeschmack, weil viele Einnahmen fehlten. Ich hätte mir auch einen richtigen Neustart des gesellschaftlichen Lebens gewünscht.

Wie zufrieden sind Sie mit 2021 im Hinblick auf die Umsetzung von Projekten?

Töpfl: Wir konnten eigentlich alles umsetzen, was wir uns vorgenommen haben. Es gab ja auch ein Maßnahmenpaket seitens des Bundes und des Landes, wodurch wir als Gemeinden unterstützt wurden. Das Budget war 2021 eigentlich kein Problem.

Welche Vorhaben wurden 2021 konkret auf Schiene gebracht?

Töpfl: So einiges. Ich fange einmal an bei der Sanierung der Kapellen in Sparbach und Großrupprechts. Dann war der Abriss und die anschließende Neugestaltung des Parkplatzes beim Haus der Musik und Kultur. Auch das Gebäude selbst wurde saniert. Es gab auch noch einige Verlängerungen der Kanal-, Wasser- und Straßensysteme, vor allem im Betriebsgebiet. Daneben wurde die Straße im Holz- und Energiepark zur Firma Polt neu asphaltiert. Mit der Schulsanierung konnten wir 2021 zudem ein mehrjähriges Großprojekt starten. Aktuell liegt alles im Zeitplan.

Wie schaut es bei der Siedlungserweiterung „Feldgasse“ aus? Wäre der Infrastrukturausbau mit Kanal, Wasser und Straßen nicht schon 2021 angedacht gewesen?

Töpfl: Ja, das hat etwas länger gedauert. Bodenproben mussten noch gemacht werden und auch die Widmung des Landes brauchte Zeit. Heuer sind wir aber startklar. Die Ausschreibungen laufen schon, und im Frühjahr beginnen die Bauarbeiten. Die ganze Planung und die Vorbereitungen sind dabei natürlich im Vorjahr passiert.

Kamen im Vorjahr neue Herausforderungen hinzu, die es in dieser Form 2020 noch nicht gab?

Töpfl: Auf jeden Fall. Die Teststraße fällt da hinein. Diese wurde komplett von der Gemeinde organisiert und war insgesamt ein halbes Jahr lang in Betrieb. Auch das Impfen kam natürlich dazu. So war im Vorjahr drei Mal der Impfbus bei uns, wofür auch mitgeplant und organisiert werden musste.

Was brachte den größten Aufwand mit sich?

Töpfl: Sicherlich die Koordination der Maßnahmen, die sich ständig ändern. Oft wöchentlich oder zumindest monatlich kamen und kommen neue Verordnungen. Besonders für den Kindergarten und die Schule war es ein herausforderndes Jahr. Von Home-Schooling bis hin zum normalen Schulbetrieb musste das Lehrpersonal den Unterricht auf die verschiedensten Arten durchführen. Die Testungen an den Schulen und im Kindergarten gehörten sicher auch zu den größten Aufgaben.

Wie sind Sie persönlich mit dem zweiten Coronajahr umgegangen? Hat sich auch der Bürgermeisteralltag verändert?

Töpfl: Zumindest im Sommer habe ich doch etwas durchgeatmet, weil einige kleine Veranstaltungen stattfinden konnten. Es war gut, die Menschen wieder zu treffen und persönlich sprechen zu können. Im Herbst hat das dann leider wieder stetig abgenommen. Ich sehe jetzt direkt auch keine unmittelbare Besserung. Den Neujahrsempfang mussten wir erneut absagen. Ebenso können die bereits geplanten Ehrungen zu runden Geburtstagen und Hochzeitsjubiläen nun zum zweiten Mal nicht stattfinden, was mir auch persönlich sehr leidtut.

Kann man sagen, dass mittlerweile eine gewisse Gewöhnung an die Pandemiesituation eingesetzt hat?

Töpfl: Wohl oder übel gewöhnt man sich daran, was leider schon etwas traurig ist.

Was fehlt Ihnen am meisten während der Pandemie:

Töpfl: Eindeutig der persönliche Kontakt. Ich bin aber trotz allem zuversichtlich für das neue Jahr und dass die Vereine wieder aktiver werden können. Ich denke, dass wir die Situation heuer in den Griff bekommen können und freue mich bereits auf alle anstehenden Projekte.