Waldhäusl befürchtet Aus für Projekt Heimatsleitn. Gottfried Waldhäusl sieht durch Heli-Dungler-Siedlung Aus für Prestigeprojekt. Martin Litschauer: „Es werden keine Finanzmittel dafür abgezogen.“

Von Michael Schwab. Erstellt am 12. August 2020 (05:34)
Gefährdet das neue Siedlungsprojekt „Heli Dungler-Siedlung“ die Heimatsleitn?
Stadtgemeinde Waidhofen/Thaya

Das Aus für das jahrzehntelang geplante Siedlungsprojekt „Heimatsleitn“ sieht FPÖ-Stadtrat Gottfried Waldhäusl: Stattdessen werde nun mit der „Heli Dungler-Siedlung“ (die NÖN berichtete, siehe hier und unten) ein „Minimundus-Projekt“ verwirklicht.

„Seit Jahrzehnten sind die Waidhofner Häuslbauer gezwungen, außerhalb der Heimatstadt ihre vier Wände zu errichten; Baugrund war und ist einfach keiner vorhanden. Jetzt ist das langfristig geplante und auch kurz vor der Realisierung stehende Projekt ‚Heimatsleitn‘, das hier Abhilfe schaffen sollte, so gut wie gestorben“, kritisiert Waldhäusl. „Die ÖVP hat sich jetzt von den Grünen, die von Anfang an dagegen waren, schamlos in die Knie zwingen lassen!“

20 Jahre Vorbereitung und halbe Million Euro für nichts? Über 20 Jahre lang sei über die Heimatsleitn diskutiert worden, Familien hätten sich auf ihre Bauprojekte schon gefreut, und auch Siedlungsgenossenschaften hätten schon Interesse angemeldet.

„Obwohl in dieses Projekt mehr als eine halbe Million Euro geflossen ist, ließ die ÖVP dieses nun fallen und wurschtelt ersatzweise an einem Minimundusprojekt, das gerade einmal 16 Bauplätze ermöglicht. Nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein! Der Bedarf an Baumöglichkeiten kann damit nicht ansatzweise abgedeckt werden, während die Heimatsleitn gut und gerne die nächsten zehn bis 20 Jahre diesbezüglich abgedeckt hätte. Die entstehenden Kosten für die notwendige Infrastruktur stehen außerdem in keinem wirtschaftlichen Verhältnis“, kritisiert Waldhäusl.

Seit den Gemeinderatswahlen seien notwendige Schritte nicht gesetzt worden, und in der Heimatsleitn sei daher nichts geschehen, wirft Waldhäusl der ÖVP-IG Koalition Untätigkeit vor.

Litschauer: Heli Dungler-Siedlung finanziert sich selbst. Kritikpunkte, die Vizebürgermeister Martin Litschauer (IG) so nicht stehenlassen kann: „Es gibt keinen einzigen Beschluss, aus dem herausgehen würde, dass die Heimatsleitn nicht umgesetzt wird. Die Heli Dungler-Siedlung hat damit nichts zu tun, dieses Projekt ist so konzipiert, dass es sich selbst finanziert. Es werden keine Finanzmittel von der Heimatsleitn dafür abgezogen“, stellt Litschauer klar.

Die Heimatsleitn erfordere aufgrund der Größe des Projekts eine entsprechende Vorbereitung und Diskussion, aktuell sei die Erstellung eines Höhenprofils in Arbeit – eine Grundvoraussetzung, um mit der Infrastruktur- und Straßenplanung beginnen zu können.

Kurzfristige Chance zur Baulandschaffung musste genutzt werden. „Das soll noch heuer fertig werden. Ich bitte aber zu verstehen, dass die Heimatsleitn etwas ist, was man nicht von heute auf morgen umsetzen kann. Auch die Verkehrsanbindung ist noch zu diskutieren“, sagt Litschauer.

Die Heli-Dungler-Siedlung sei hingegen eine Möglichkeit, kurzfristig Bauplätze anbieten zu können, fügt Wirtschaftsstadträtin Marlene Lauter (ÖVP) hinzu. Der Druck aus der Bevölkerung sei immens, daher habe man die Chance, hier 16 Bauplätze zu schaffen, wahrnehmen müssen, betont Lauter.

Wie Waldhäusl zu seiner Behauptung, die Heimatsleitn sei gestorben, komme, ist für Litschauer und Lauter nicht nachvollziehbar. „Dafür, dass Waldhäusl in seiner Zeit als zuständiger Stadtrat das Siedlungsprojekt Heli-Dungler-Siedlung nicht gesehen hat, obwohl erkennbar war, dass durch den Hochwasserschutz diese Fläche als Bauland nutzbar werden wird, können wir nichts“, merkt Litschauer in Richtung Waldhäusls Kritik an.

Die SPÖ fühlt sich wieder einmal nicht in die Entscheidungsprozesse eingebunden. „Früher hat die IG immer kritisiert, wenn Dinge an die Öffentlichkeit kamen, die noch in keinem Ausschuss besprochen worden waren. Die Heli-Dungler-Siedlung wurde in keinem Ausschuss besprochen, die Unterlagen dazu haben wir erst am Freitag erhalten“, kritisiert SPÖ-Gemeinderat Franz Pfabigan.

„Kann Ausreden nicht mehr glauben“. Natürlich sei es wichtig, Bauplätze zu schaffen – Waidhofen brauche dringendst Bauland – aber dies dürfe nicht auf Kosten der Heimatsleitn gehen. „Es darf dort zu keinen weiteren Verzögerungen mehr kommen“, stellt Pfabigan klar. Er könne die Ausreden, warum dort so wenig weitergeht, schon langsam nicht mehr glauben: „Da geht es um Dinge, die man schon lange hätte erledigen können, wie etwa das Höhenprofil. Wir basteln jetzt seit 20 Jahren an dem Projekt“.

Versäumnisse ortet Pfabigan auch bei der Heli Dungler-Siedlung. Das Gelände sei seit 2017 nicht mehr im Hochwassergebiet, die ÖVP habe es versäumt, hier früher etwas zu machen.