Ausstellung: Wer waren die Schosulan-Brüder?

Helmut Hutter beleuchtete mit Schülern aus Waidhofen/Thaya die erstaunlichen Karrieren der beiden Halbwaisen aus dem 18. Jahrhundert.

Erstellt am 02. Dezember 2021 | 07:32
Lesezeit: 3 Min

Wer, bitteschön, sind diese Gebrüder Schosulan? Diese Fragestellung war Ausgangspunkt für zwei Schulprojekte, entwickelt von Helmut Hutter im Rahmen des Jahresprogramms der 850-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt, die in einer Ausstellung im Rathaus nach dem Lockdown zu sehen sind.

„Der Name Schosulan wird den meisten auf Anhieb nichts sagen, aber die Lebensgeschichte von Jakob und Johann Michael Schosulan ist durchaus bemerkenswert“, erzählt Helmut Hutter. „Großvater und Vater der beiden starben nämlich sehr bald, den Knaben gelangen aber trotz der widrigen Umstände erstaunliche Karrieren.“

Auf die Familie Schosulan gestoßen sei er, da sie in einem Standardwerk über die Waidhofner Geschichte vor kommen: Alois Plesser – Beiträge zur Geschichte der Pfarre Waidhofen an der Thaya, 1928. Da der Name so einzigartig sei, habe er begonnen zu recherchieren und reiste danach mit den teilnehmenden Schülern zurück ins 18. Jahrhundert:

Familie Schosulan kam aus Savoyen

Prinz Eugen von Savoyen trat 1683 seinen Dienst bei den Habsburgern in Österreich an. Ebenfalls aus Savoyen kommend traf kurz danach in Waidhofen die Familie Schosulan ein – mit deutlich weniger militärischen Allüren. In den Matriken wird „Johann Franz Schosalam, seiner Profession ein Handelsmann“ genannt. Warum er gerade in die Provinzstadt im Waldviertel wechselte, liegt noch im Dunkeln der Geschichte.

Sein Sohn jedenfalls heiratet eine Waidhofnerin und die beiden werden Eltern von neun Kindern. Einer davon wird 1717 geboren und Franz Andreas genannt. Dieser Franz Andreas bleibt in Waidhofen sesshaft und heiratet Maria Catharina Leitmetzer. Von deren fünf Kindern sterben zwei früh. Tochter Barbara bleibt in Waidhofen und heiratet Josef Neuhauser, mit den Brüdern Jakob (geboren 1741) und Johann Michael (1743) öffnet sich ein weiteres interessantes Kapitel.

Großvater und Vater sterben früh

Großvater und Vater der beiden sterben 1747 bzw. 1749, trotzdem finden die Halbwaisen ihren Weg in der Welt.

Johann Michael studiert Medizin und wird Dekan der Medizinischen Fakultät. Er schreibt mehrere Bücher, darunter eines, in dem er die Mode der „Schnürbrüste“ (Mieder) scharf anprangert. Kaiser Josef II. ist begeistert und lässt in allen öffentlichen Anstalten Schnürbrüste verbieten. Johann Michael hat 13 Kinder, von denen acht den Vater überleben (1795) und teilweise ebenfalls Karrieren machen. Aus diesem Familien-Zweig gibt es noch Nachkommen, allerdings nicht bei uns. Jakob wird Kaufmannsdiener, Hofbuchhalterei-Buchhalter und steigt 1774 zum Hof-Commissarius im „K. k. Taback-Gefälls-Ober-Administrationsamt“ auf, wird 1784 Direktor und 1788 Präses dieses Amtes. Er ist Freimaurer in der Loge „Zur Wohltätigkeit“, in der zur gleichen Zeit auch Mozart Mitglied ist, und stirbt kinderlos 1789.

Aufgabenstellungen für Schulprojekte

Auf Grundlage dieser Geschichte gab es zwei Aufgabenstellungen für die Schulprojekte. Es gibt ein Porträt von Jakob Schosulan, aber keines von Johann Michael, dem Mediziner. Die Kinder der 3. Klassen der Volksschule Waidhofen wurden gefragt, wie sie sich den Bruder vorstellen und malten entsprechende Portraits. Benjamin Talamas, Hanna Steininger, Martina Wachter und Salome Seidl von der 6C des Realgymnasiums stellen Szenen aus dem Leben der beiden Schosulan-Brüder in einer Graphic Novel dar.

Ausstellung nach Lockdown zu sehen

Die Eröffnung der Ausstellung mit den entstandenen Zeichnungen wäre für 22. November geplant gewesen. Bürgermeister Josef Ramharter bedankte sich bei Helmut Hutter für das Projekt und bei den Schulen für dessen Umsetzung. Sobald es möglich ist, können die Bilder besichtigt werden. Die Stadtgemeinde sponserte die Malutensilien für das Gymnasium.