Eunike Grahofer: „Mein Herz brennt für Waidhofen“. Waidhofen/Thaya: Eunike Grahofer spricht mit der NÖN über ihre Entscheidung, in Robert Altschachs Fußstapfen zu treten.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:18)
Eunike Grahofer beim „Probesitzen“ im Stadtchef-Sessel. Am 28. Jänner soll sie zur ersten Bürgermeisterin Waidhofens gewählt werden.
Schwab

Eunike Grahofer soll die erste Bürgermeisterin Waidhofens werden. Wie sie in die Politik kam, wie sie mit der neuen Herausforderung umgehen will, was ihr wichtig ist und wie sie mit den anderen Fraktionen zusammenarbeiten will, darüber sprach NÖN-Redaktionsleiter Michael Schwab exklusiv mit Eunike Grahofer.

NÖN: Sie haben erst bei der Gemeinderatswahl 2020 den Weg in die Politik eingeschlagen. War das eine spontane Entscheidung oder schon länger geplant?

Eunike Grahofer: Ich war zuvor schon sechs Jahre lang in der „Gesunden Gemeinde“ tätig und habe unter der Leitung von Alfred Sturm einiges umgesetzt, wie das Projekt „Essbares Waidhofen“ oder die Blütenuhr. Es machte mir extrem Spaß, gemeinsam etwas umzusetzen, und dieses Miteinander war schließlich ausschlaggebend dafür, dass ich ja gesagt habe, als Robert Altschach neue Leute für sein Team suchte.

Wie gut fühlten Sie sich durch ihre berufliche Vorerfahrung auf ihre Aufgabe als Stadträtin vorbereitet? Wurden Sie als Neueinsteigerin gleich ernst genommen?

Grahofer: Ich war vor meiner Selbstständigkeit Sekretärin bei der Waldviertelakademie mit einem breiten Aufgabenbereich, zu dem auch das Umsetzen und Organisieren von Projekten zählte. Ich war also das projektorientierte Arbeiten schon gewöhnt. Mein erstes Jahr als Stadträtin habe ich als sehr spannend und kurzweilig empfunden, die Corona-Krise begann gleich zu Beginn meiner Amtszeit, sodass ich in meinem Ressort Gesundheit, Soziales, Essen auf Rädern, Schulen, Kindergärten und Erwachsenenbildung gleich mit Vollgas loslegen musste. Parallel dazu galt es, die Gemeindearbeit weiterzuführen. Es ist mir gelungen, den Kindergartenbus wieder einzuführen und die Kleinkinderbetreuung umzusetzen. Dabei habe ich die Verwaltung als sehr korrekt und um Lösungen bemüht erlebt. Den gleichen Rückhalt habe ich bei meinen Kollegen im Stadtrat gespürt.

Als Bürgermeister Robert Altschach im Frühjahr dann an Krebs erkrankte, wie haben Sie das erlebt? Was waren Ihre Gedanken, wie es weitergehen soll?

Grahofer: Ich dachte mir, okay, jetzt müssen eben wir Stadträte unseren Part eine Zeitlang intensiver übernehmen. Ich hatte eigentlich keine Zweifel, dass Robert Altschach zurückkehrt. Er hielt die ganze Zeit Kontakt zu uns Stadträten, daher kam seine Entscheidung zum Rücktritt auch für uns überraschend.

Wie lange hatten Sie Zeit, eine Entscheidung zu treffen? Was ging da in Ihnen vor?

Grahofer: Ich hatte nur eine Woche Bedenkzeit, mir zu überlegen, wie regle ich das, stelle ich mich der Herausforderung? In meinem Geschäft werde ich weniger oft persönlich anwesend sein, aber ich habe Mitarbeiter. Meine Vorträge werde ich reduzieren müssen, auch die Arbeit an meinen Büchern wird etwas langsamer laufen müssen, aber meine Kräuter-Schulungen werde ich wie gehabt weiterführen. Das sind nur drei Tage pro Monat, das lässt sich einteilen. Auch wenn ich zu Konferenzen fahre, dann sind das einmal drei Tage am Stück. Das ist machbar. Als Alleinerzieherin und Unternehmerin bin ich gewöhnt, mir die Zeit genau einzuteilen. Die letzte Frage, die ich mir stellte, war, ob mein Herz für das Amt, für die Stadt brennt. Und dieses Brennen ist da.

Der Bürgermeistersessel in Waidhofen ist ja ein sprichwörtlicher heißer Stuhl. Der politische Mitbewerb ist nicht immer zimperlich. Wie wollen Sie sich dieser Herausforderung stellen?

Grahofer: Ich gebe mein Bestes, mich um Zusammenarbeit zu bemühen. Ich werde schon vor der Wahl am 28. Jänner das Gespräch mit allen Fraktionen suchen und allen meine Hand entgegen halten. Ich wünsche mir, dass es eine sachliche Gesprächsebene, ein Miteinander gibt. Mir ist klar, dass es nicht immer nur eine Meinung geben kann, aber wir sollten es schaffen, eine gemeinsame Entscheidung zum Wohle der Stadt zu finden. Es ist wichtig, dass alle, die Ideen haben, sich einbringen, und wenn es Kritik gibt, diese auf sachliche Art und Weise ohne persönliche Angriffe äußern. Verschiedene Sichtweisen führen zu einem besseren Ergebnis, es sollten Ruhe und Gemeinsamkeit einkehren. Ich sehe es als Herausforderung, der ich mich stellen will.

Wie möchten Sie ihr Amt als Bürgermeisterin anlegen. In welchen Bereichen möchten Sie sich besonders einbringen?

Grahofer: Es gibt laufende Projekte, die umgesetzt werden müssen. Da werde ich den von Robert Altschach eingeschlagenen Weg fortsetzen. In weiterer Folge möchte ich auch eigene Ideen einbringen – für Gesundheit, Natur und Soziales brennt mein Herz. Auch für die jungen Leute in der Stadt will ich etwas tun, mir schwebt vor, dass wir mehr Jugendprojekte umsetzen, und dafür ist Markus Loydolt als mein Nachfolger im Stadtrat ein guter Partner. Wir werden uns ansehen, was die Jugend möchte und wie wir das unter Berücksichtigung der durch Corona angespannten Gemeindefinanzen umsetzen können. Das Schöne am Bürgermeisteramt ist, dass ich einen größeren Gestaltungsspielraum habe – damit einher geht allerdings auch eine größere Verantwortung.

Eine „Baustelle“ in Waidhofen ist auch die Innenstadt. Welche Impulse wollen Sie dort setzen?

Grahofer: Mein Steckenpferd ist die Natur, daher wäre mir wichtig, dass wir den Stadtpark attraktiver machen. Er soll wieder ein Ort der Begegnung sein, wo man sich gerne aufhält und niederlässt. Ich könnte mir vorstellen, dass wir das Projekt „Essbares Waidhofen“ ausbauen, wo Bürger von früchtetragenden Sträuchern selber Früchte ernten können, und unsere geniale Stadtgärtnerei nutzen, um kreative Ideen zur Verschönerung des Parks umzusetzen.

Sie sollen jetzt die erste Bürgermeisterin in Waidhofen werden. Damit wären Sie die zweite Frau an der Spitze einer Gemeinde im Bezirk. Was bedeutet das für Sie?

Grahofer: Für mich geht es da viel mehr um die Person und nicht um die Frage nach dem Geschlecht. Ich sehe es eher so, dass die Frage ist, wer die richtige Person zur gegebenen Zeit ist, um so eine Aufgabe zu übernehmen, nicht, ob es ein Mann oder eine Frau ist. In diesem Fall fiel die Wahl auf mich, und ich habe auch den Rückhalt der gesamten Fraktion dafür.