Ex-Stadtchefs zweifeln an Ramharter. Mahnende, aber nicht kritische Stimmen aus der Opposition in Waidhofen/Thaya, Vizebürgermeister Martin Litschauer (IG) hat nach erstem Treffen guten Eindruck.

Von Michael Schwab. Erstellt am 09. Juni 2021 (05:12)

Überraschend schnell hatte die Waidhofner ÖVP wie online berichtet einen neuen Bürgermeisterkandidaten – Josef Ramharter – gefunden. Der Koalitionspartner IG hat aus einem ersten Gespräch einen positiven Eindruck mitgenommen und will die Arbeit in der Koalition rasch wieder in normalen Bahnen aufnehmen.

Während man ÖVP-intern froh ist, das Nachfolgethema wegen des Rücktritts von Bürgermeisterin Eunike Grahofer so rasch gelöst zu haben, gibt es auch kritische Stimmen.

Altbürgermeister Diether Schiefer ist skeptisch, ob Ramharter wirklich die nötigen Qualitäten für das höchste Amt in der Stadtpolitik hat. „Ein Bürgermeister sollte für mich jemand sein, der in der Stadt verwurzelt und integriert ist, der sich hier auskennt und nicht bloß weiß, wo das Rathaus steht. Beim vorgestellten Kandidaten ist aber eben genau das nicht gegeben“, äußert Schiefer seine Bedenken.

Altbürgermeister Schiefer ortet fragwürdigen Stil in der ÖVP. Er ortet innerhalb der ÖVP gewisse Ungereimtheiten und einen aus seiner Sicht fragwürdigen Stil einiger Mandatare: „Mir wurde berichtet, dass man mit fertigen Beschlüssen in parteiinterne Sitzungen und Ausschusssitzungen geht. Das wäre zu meiner Zeit undenkbar gewesen, da wurde in den Sitzungen diskutiert, jeder auf den gleichen Wissensstand gebracht, und dann wurde entschieden. Ich wundere mich, dass sich die Jungen das gefallen lassen, das hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben.“

Er selbst wäre bereit gewesen, der Partei bei der Lösung der bestehenden Probleme zu helfen, doch man habe ihn nicht gefragt. „Es gibt da keinen Kontakt mehr, das Motto ist, die Alten brauchen wir nicht mehr.“

Schiefer macht sich Sorgen um die Zukunft Waidhofens. Er sehe auf der Liste keine Personen mehr, die das Zeug hätten, das Ruder herumzureißen: „Die letzte Person, die einen neuen und besseren Wind rein gebracht hätte, Eunike Grahofer, wurde leider verheizt“, stellt Schiefer fest. Wer immer jetzt nachfolge, es sei eigentlich nur mehr eine Frage des kleineren Übels. „Ich sehe keine rosige Zukunft, gewisse Leute von anderen Fraktionen werden die Situation zu ihrem Vorteil auszunutzen verstehen, und das kann man ihnen nicht verübeln“, meint Schiefer.

Kurt Strohmayer-Dangl hat Zweifel. Auch Alt-Bürgermeister Kurt Strohmayer-Dangl zeigt sich skeptisch: „Mit Eunike Grahofer hatten wir eine Bürgermeisterin, die etwas zum Besseren hin hätte verändern können. Solange aber Leute aus dem Dunstkreis um Thomas Lebersorger am Werk sind, habe ich da meine Zweifel“, meint Strohmayer-Dangl.

Er möchte jedoch den Kandidaten nicht vorab verurteilen: „Man muss abwarten, wie er das Amt angeht“, will der Ex-Stadtchef dem Neuen eine Chance geben.

Altschach: Ramharter lebt seit 2003 in Waidhofen. Die Kritik der fehlenden Verankerung Ramharters in Waidhofen will ÖVP-Gemeindeparteiobmann Robert Altschach nicht stehen lassen: „Josef Ramharter lebt seit 2003 in Waidhofen, er ist der Ehemann von Ulrike Ramharter und ist durch deren Aktivität im Verein ‚Pro Waidhofen‘ bei den Aktivitäten des Vereins unterstützend dabei und dadurch in Wirtschaftskreisen sehr wohl bekannt“, betont Altschach. Durch seine Tätigkeit in der Bauwirtschaft sei er gut vernetzt.

„Josef Ramharter ist ein fähiger Mann, ich habe ihn deshalb bewusst zur Gemeinderatswahl 2020 in mein Team geholt und bin froh, dass wir ihn jetzt als Bürgermeisterkandidaten nominieren konnten.“

Dass man so schnell einen Kandidaten gefunden habe, sei darauf zurückzuführen, dass man auf Orts-, Bezirks- und Landesparteiebene an einem Strang gezogen habe. „Wenn wir das in der ÖVP tun, dann kommt man zu so einem Ergebnis“, hebt Altschach hervor.

ÖVP-Gemeinderat Thomas Lebersorger nimmt die Kritik Strohmayer-Dangls und Schiefers gelassen hin: „Zur Meinung der Alt-Parteigranden äußere ich mich nicht. Jeder darf seine Meinung haben.“

Waldhäusl zeigt sich unvoreingenommen. FPÖ-Stadtrat Gottfried Waldhäusl zeigt sich Ramharter gegenüber aufgeschlossen. „Entscheidend für unsere Fraktion ist, ob er so wie Eunike Grahofer für die Gemeinde arbeiten will, oder ob er nur für die Partei arbeitet“, legt Waldhäusl den Standpunkt der FPÖ fest.

„Es stehen einige wichtige Dinge an, für mich ist es wesentlich, wie man mit der Verwaltung umgeht. Ich gehe davon aus, dass Ramharter das Gespräch mit uns suchen wird, und dann werden wir über diese Dinge reden.“

Eine Warnung für den designierten neuen Bürgermeister hat Waldhäusl aber auch parat: „Wenn er nur ein Erfüllungsgehilfe von Thomas Lebersorger und Konsorten ist, wird er scheitern.“

SPÖ wurde nicht informiert. SPÖ-Gemeinderat Patrik Neuwirth beklagt sich über die Informationspolitik der ÖVP: „Mich hat bis jetzt keiner angerufen und mir gesagt, wer der neue Bürgermeisterkandidat ist. Das habe ich aus der Zeitung erfahren.“ Nun gelte es eine parteiinterne Sitzung der SPÖ am Montagabend und ein Gespräch mit Ramharter abzuwarten. Dieses fand nach Redaktionsschluss am Dienstagnachmittag statt.

Litschauer: Arbeit in Koalition fortsetzen. Vizebürgermeister Martin Litschauer (IG) hat von einem ersten Kennenlern-Treffen einen guten Eindruck von Josef Ramharter mitgenommen: „Wir haben uns in einer konstruktiven und sehr angenehmen Atmosphäre unterhalten.“

Politisch Konkretes sei zwar noch nicht besprochen worden, aber Litschauer zeigt sich zuversichtlich, die Arbeit der Koalition mit Ramharter fortführen zu können. Die fehlende politische Erfahrung des Kandidaten sieht er nicht als Problem: „Die Stadträte bleiben ja die Gleichen, sie stecken in ihren Projekten drinnen, die Aufgabe des Bürgermeisters ist es hier zu koordinieren, so wie das schon im Vorjahr während des Krankenstands von Robert Altschach passiert ist, wo ich die Vertretung machte.“

Auf diese Weise werde man rasch wieder in einen Modus zurückfinden können, in dem die anstehenden Projekte mit Nachdruck angegangen werden können. Aus der Landes-ÖVP heißt es, die einstimmige Nominierung Ramharters sei ein deutlicher Vertrauensbeweis. Dahinter stehe man auch als Landespartei vollumfänglich. Josef Ramharter hatte in einer Aussendung nach der Sitzung, in der er einstimmig als Bürgermeisterkandidat nominiert wurde, weitere Stellungnahmen vor der Wahl gegenüber der Presse abgelehnt.