Was passiert im Therapiezentrum?. Geschäftsführer des sozialtherapeutischen Begegnungszentrums im ehemaligen Golfhotel erklärt im Detail, was er vorhat.

Von Michael Schwab. Erstellt am 31. Dezember 2019 (06:01)
Das Therapiezentrum „Nordstern“ steht in den Startlöchern: Svetlana Babushkina, Geschäftsführer Josef Pergrin und die therapeutische Leiterin Michaela Kober.
Michael Schwab

Die Gerüchteküche brodelte in den vergangenen Monaten in der Stadt: Was genau soll in dem Therapiezentrum „Nordstern“ im ehemaligen Golfhotel passieren? Bis zu einer geschlossenen Anstalt für psychisch kranke Personen reichten die Spekulationen.

Geplant ist jedoch das genaue Gegenteil: „Wir wollen ein offenes Haus sein, ein sozialtherapeutisches Begegnungszentrum“, stellt Geschäftsführer Josef Pergrin im Gespräch mit der NÖN klar. Dementsprechend stellt sich auch das Therapie- und Betreuungsangebot des Hauses dar. Ein Kernthema ist das soziale Wohnen in Verbindung mit einem psychosozialen Dienst.

„Es geht darum, Menschen in Notsituationen eine Unterkunft zu bieten, in der sie auch therapeutisch begleitet werden können“, erklärt die therapeutische Leiterin Michaela Kober. Als Beispiele nennt sie Familienangelegenheiten, Suchtproblematiken, Vereinsamung und Traumatisierungen, die ein Wohnen zu Hause schwierig bzw. unmöglich machen oder zum Verlust der Wohnung geführt haben.

„Der Zugang soll so niederschwellig wie möglich sein. Deshalb verhandeln wir auch mit den Krankenkassen, was sich durch die Zusammenlegung zur Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) wesentlich vereinfacht. Wir haben schon konstruktive Gespräche geführt“, betont Pergrin.

Tagesstätte für Demenzbetreuung

Ein weiterer Schwerpunkt wird eine Tagesstätte für die Demenzbetreuung sein. Dort wird Menschen mit Demenz eine Tagesstruktur mit Aktivitäten in der Gruppe und Therapieangeboten geboten, was einerseits den Verlauf der Erkrankung verlangsamen kann und andererseits die pflegenden Angehörigen entlastet. Der Bedarf nach solchen Angeboten sei groß und könne die Lücke zwischen rein häuslicher Pflege und Betreuung und der Unterbringung in einem Pflegeheim schließen.

Da sich das Zentrum unter anderem die Wiedereingliederung von Menschen mit Burnout in den Arbeitsprozess zum Ziel gesetzt hat, ist es auch konsequent, am anderen Ende des Spektrums bei der Lehrlingsausbildung anzusetzen.

In der hauseigenen Tischlerei, in der Küche und im Garten sollen Lehrplätze für fünf bis zehn Menschen mit psychischen oder körperlichen Einschränkungen geboten werden, inklusive Wohnmöglichkeit vor Ort und therapeutischer Begleitung. „Das Ziel ist, die Menschen schrittweise auf die Anforderungen in der regulären Wirtschaft vorzubereiten. Man beginnt beispielsweise mit Werkstücken für den internen Gebrauch und erledigt später bei entsprechenden Fortschritten auch Auftragsarbeiten für externe Kunden“, erläutert Pergrin. Dies könne ähnlich wie beim Projekt „Eibetex“ in Waidhofen ablaufen.

Außerdem sollen in Zusammenarbeit mit der Siedlungsgenossenschaft Waldviertel Wohnmöglichkeiten in Wohngemeinschaften und betreuten Wohnungen für einen schrittweisen Übergang in die Selbstständigkeit angeboten werden.

Das Zentrum soll auch für Seminare, Konferenzen und Tagungen zum Thema Gesundheit und Regionalität zur Verfügung stehen. Die Betriebsaufnahme ist im ersten Quartal 2020 geplant.