Erstellt am 07. März 2018, 04:32

von Michael Schwab

Zank rund um Info-App. Idee von Vizebürgermeister Gottfried Waldhäusl über Umsetzung der Entwicklung einer Gemeinde-App stieß bei ÖVP & Grünen auf Widerstand. Jetzt ist Ausschuss am Zug.

Gottfried Waldhäusl (FPÖ) und Thomas Lebersorger (ÖVP)  |  zVg

Für Diskussionen sorgte ein Dringlichkeitsantrag von Vizebürgermeister Gottfried Waldhäusl (FPÖ) in der Gemeinderatssitzung vom 1. März.

Konkret ging es um einen Vorschlag Waldhäusls, eine Internet-App entwickeln zu lassen, die Sehenswürdigkeiten, gemeindeeigene Attraktionen und alle Tourismusbetriebe in Waidhofen präsentiert. Die Idee war in den beiden Sitzungen der Steuerungsgruppe „Waidhofen Radfit“ im Februar entstanden. Waldhäusl präsentierte ein Angebot der Firma Temper aus Hollenbach mit 19.950 Euro einmaligen Entwicklungskosten für die App und 4.200 Euro für die jährliche Wartung (Jahr für Jahr zu bezahlen).

„Wenn du etwas abdrehen willst, nur weil es von mir kommt, dann sag es gleich. Willst du das fortsetzen, was du als Tourismus-Stadtrat gemacht hast – nämlich nichts?“Vizebürgermeister Waldhäusl zu Stadtrat Lebersorger

Radfahrer sollen mittels eines QR-Codes auf Infotafeln bei der Einfahrt nach Waidhofen auf der Thayarunde auf die App hingewiesen werden. Per Handy können dann die Infos abgerufen werden. Die Bewerbung für die Tourismusbetriebe wäre kostenlos, hob Waldhäusl hervor. Die App würde ausgehend von einem bereits vorhandenen Basisprodukt der Firma Temper entwickelt werden.

Stadtrat Martin Litschauer (Grüne) äußerte Bedenken: „Wir finanzieren die Weiterentwicklung der App – wem gehört sie dann? Darf die Firma sie auch an andere Gemeinden weitergeben?“ Ähnliche Bedenken äußerte auch ÖVP-Stadtrat Alfred Sturm. „Ich habe ein kleines Problem damit, einer Firma 20.000 Euro zu zahlen, wenn ich nicht weiß, ob sie das Endprodukt dann nicht später einer anderen Gemeinde billiger verkauft“, warf Sturm ein. Ihm wäre es lieber, die Entwicklung in der Öffentlichkeitsarbeitsabteilung (die es derzeit aber wegen der Kündigungen der Mitarbeiter nicht gibt, Anm.) zusammenzufassen, unter Beiziehung externer Experten.

Litschauer wies auf das Ziel eines einheitlichen „Corporate Designs“ des öffentlichen Auftritts der Stadtgemeinde hin. Dies müsse vor der App-Entwicklung diskutiert und geregelt werden.

ÖVP-Stadtrat Thomas Lebersorger zeigte sich grundsätzlich positiv gegenüber der Idee einer App, betonte aber, man müsse sich das von Anfang an gut überlegen, um nicht auf halbem Weg festzustellen, dass man eigentlich etwas anderes wolle. „Mir wäre es auch lieber, ein Gegenangebot zu haben, ich werde aus dem Angebot der Firma Temper nicht ganz schlau. Daher fände ich es besser, das Thema noch einmal in den Ausschuss zurückzugeben und in der nächsten Sitzung die Auftragsvergabe zu beschließen“, meinte Lebersorger. Er wolle es nur nicht „in drei Tagen übers Knie brechen“, und stellte daher den Gegenantrag, die Sache in den Ausschuss zu verweisen.

Waldhäusl konterte scharf: „Wenn du etwas abdrehen willst, nur weil es von mir kommt, dann sag es gleich. Willst du das fortsetzen, was du als Tourismus-Stadtrat gemacht hast – nämlich nichts?“

Umsetzung soll im März starten

IG-Gemeinderat Herbert Höpfl schlug einen Kompromiss vor – Verweis in den Ausschuss, aber rasche Klärung der offenen Fragen und anschließend Umlaufbeschluss vor der nächsten Gemeinderatssitzung, damit noch im März mit der Umsetzung begonnen werden kann.

Bürgermeister Robert Altschach (ÖVP) merkte in Richtung Waldhäusl an, wenn er mit einem solchen Angebot ohne Gegenangebot kommen würde, würde man ihn „in der Luft zerreißen“, und wies darauf hin, man solle die App mit der ebenfalls in Entwicklung befindlichen Radweg-App der Kleinregion abstimmen.

Schließlich ließ er über Lebersorgers Gegenantrag abstimmen: ÖVP und Grüne stimmten für den Verweis an den Ausschuss und hatten damit die Mehrheit, FPÖ und SPÖ waren dagegen. ÖVP-Gemeinderätin Susanne Widhalm war entschuldigt.