Wo Tierschutz im Waldviertel gelebt wird. Der Welttierschutztag hat zum Ziel, auf das Leid der Tiere aufmerksam zu machen. Nur wenige fühlen sich für sie verantwortlich, in den Bezirken Horn, Gmünd, Waidhofen und Zwettl kümmern sich zwei Stationen um Hunde, Katzen und mehr: der Tierschutzverein Countryhof in Feinfeld (Bezirk Horn) und das Tierheim Schlosser in Gastern (Bezirk Waidhofen).

Von Karin Widhalm. Erstellt am 04. Oktober 2019 (09:43)
Tierheim Schlosser
Lorena und Sophie betrieben in Schrems einen Saftstand und übergaben die 161,35 Euro erst im September an Erwin Schlosser für sein Tierheim.

„Ich bin seit 29 Jahren dabei, bei mir ist der Tierschutz in Fleisch und Blut übergangen“, sagt Tierheim-Betreiber Erwin Schlosser. „Wir haben halt auch den Tag der Frau, des Mannes oder des Kaffees – also 365 Tage, die nach irgendetwas benannt sind“, gerate da der Welttierschutztag ins Hintertreffen.

Tierheim Schlosser
90 Tiere beherbergt das Tierheim zurzeit.

Er hoffe dennoch, dass die Menschen dem Gedanken, der dahintersteht, mehr Bedeutung zumessen. „Viele Leute machen sich überhaupt keine Gedanken über den Tierschutz.“

Tierschutz an jedem einzelnen Tag

Ist der Welttierschutztages für Sie etwas Besonderes? „Ja, weil ich heute einen Hund kriege“, sagt Sabine Drechsler, Obfrau des Tierschutzvereins in Feinfeld. „Bei uns ist jeder Tag gleich“, aber gut sei, dass der Tierschutz so wieder mehr ins Bewusstsein kommt. Er rücke angesichts der Debatte um die Nutztierhaltung und der CO2-Belastung in den Hintergrund.

Tierheim Schlosser
Das Tierheim Schlosser wird um 110 Quadratmeter größer.

„Worüber ich sehr enttäuscht bin: von der Politik“, sagt indes Schlosser. Kein einziger habe vor der Nationalratswahl über den Tierschutz gesprochen – „Katastrophe“. „Überall setzt man sich nur mit dem Hund oder Katzal vor den Fotografen, aber das ist nur ein Werbegag“, kritisiert er scharf. Der Einsatz höre in diesem Moment wieder auf. „Genauso rennt das.“

"... dann verlieren sie die Geduld"

Menschen würden nicht selten aus Mitleid helfen wollen und unüberlegte Entscheidungen treffen, ergänzt Drechsler. „In der heutigen schnelllebigen Gesellschaft muss ein Hund funktionieren und muss ein Kind funktionieren. Wenn es dann nicht 100 prozentig läuft, dann verlieren sie die Geduld.“

Was zunehme, sei die Überforderung, auch aufgrund einer psychischen Erkrankung. „Viele Ärzte raten dazu, einen Hund zuzulegen, aber nicht jeder Hund schafft alles“, ergänzt Drechsler.

Tierheim Schlosser
Der aufgepäppelte Bussard fing nach fünf Wochen selbstständig sein Futter, er wurde in die Freiheit entlassen.


Sie findet im Übrigen , dass „vieles im Argen“ ist und nennt ein Beispiel. Entscheidet ein Amtstierarzt, dass Tiere wegen unzureichender Versorgung und miserabler Haltung beschlagnahmt werden müssen, werden sie an Tierschutzorganisationen übergaben. „Wir müssen sie 60 Tage durchfüttern, dann wird entschieden, ob sie zurückkommen oder nicht.“ Eine Rückkehr ist bei der Erfüllung von Auflagen möglich. Drechsler denkt an die fehlende finanzielle Unterstützung für Tierschützer.

"Sitze zwischen zwei Sesseln"

Schlosser fühlt sich indes zwischen zwei Sesseln sitzend. Das sehe er gerade jetzt, ist er doch mit der Vergrößerung des Tierheims beschäftigt. „Tua i nix, dann heißt’s: Er kassiert Spendengelder. Tu ich etwas, dann sagen’s: Der braucht eh ka Geld.“ Der 110 Quadratmeter Zubau ist fast fertig: Der Rohbau mit Fenster steht, nur Dach muss noch finalisiert werden. Hunde und Katzen werden untergebracht. Die Samtpfote erhält eine Freifläche, die Schlosser als „Auslauf“ oder „Wintergarten“ bezeichnet. Vorgesehen ist außerdem eine Futterabteilung.

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Futterspenden sind im Countryhof Feinfeld gern gesehen: Der Sankt Stanislus-Orden übergab heuer 150 Kilo an Sabine Drechsler. Foto: NÖN-Archiv

35.000 Euro muss Schlosser dafür über Mitgliedsbeiträge und Spenden aufbringen. Nicht leicht, deswegen kommt ein 10.000 Euro-Kredit ins Spiel, und das Spendenkonto ist wegen dem Dach gerade überzogen. Schlosser bitte und hofft um Unterstützung finanzieller Natur. Er sieht aber auch gern Menschen auf seinem Areal, die mit den Hunden spazieren gehen oder sich mit den Katzen beschäftigen.

90 Tiere beherbergt er gerade, eine Zahl, die er als Mitteldurchschnitt bezeichnet. Hund, Katze, Kleintier wie Meerschweinchen oder Enten werden versorgt, aber auch Wildtiere wie Falke oder Eule. Heuer ließ er einen Bussard, den er fünf Wochen lang aufgepäppelt hatte, in die Freiheit fliegen. „Da wird die Arbeit belohnt und ich denke mir: Ich mache guten Tierschutz.“

Der Tag der offenen Tür lädt dazu ein, das Tierheim und seine Arbeit zu besichtigen: 12. & 13. Oktober, ab 14 Uhr. Erwin Schlosser: 0664-3501418

Sabine Drechsler kümmert sich um und vergibt Hunde in Feinfeld: 0664-3501418. In Klosterneuburg sind Welpen und Katzen des Tierschutzvereins stationiert.

Wo die beiden Tierschützer noch Probleme orten und mit welchen Fällen sie zuletzt konfrontiert waren, lest ihr ab Mittwoch in der NÖN.