Was eine uralte Burg zu erzählen hat ...

Die Siedlung mit der Wehranlage „Sand“ war nur 40 Jahre lang besiedelt. Warum?

Erstellt am 19. Oktober 2021 | 06:24

Auf einem 90 Meter hoch über der Thaya zwischen steil abfallenden Hängen gelegenen Umlaufberg südwestlich von Oberpfaffendorf befand sich vor mehr als tausend Jahren die Burganlage Sand. Am vergangenen Donnerstag konnte man im JUFA Raabs aufschlussreiche Details über die Entstehung und Geschichte dieser Wehranlage erfahren. Die Mittelalterarchäologin und Professorin an der Uni Wien, Sabine Felgenhauer-Schmiedt, informierte in ihrem fundierten Vortrag über die von ihr in den Jahren 1992 bis 2008 geleiteten Ausgrabungen und zeigte in einer Diashow Fotos vom Grabungsverlauf und von den in dieser Zeit zusammengetragenen Fundstücken.

Der Bau der frühmittelalterlichen mehrteiligen Anlage auf dem bis auf eine schmale Stelle vollständig vom Fluss umschlungenen Hochplateau begann um das Jahr 930 unserer Zeitrechnung. Die Anlage stellt die bisher einzige, sicher nachgewiesene Burg des 10. Jahrhunderts in Niederösterreich dar. Die Siedlung mit der Burg auf dem Bergrücken und etwa 20 Häusern auf zwei Siedlungsterrassen bestand nur kurze Zeit und wurde nach nur 40 Jahren an einem Augusttag vermutlich durch einen feindlichen Überfall von ungarischen Reitern eingenommen und durch Brandlegung zerstört. Funde von zahlreichen ungarischen Pfeilspitzen untermauern diese Annahme.

Wie die Menschen dort lebten

In der Anlage lebten etwa 80 Menschen. Bei den Ausgrabungen wurden viele Zeugnisse handwerklicher Tätigkeiten, wie Keramik-Scherben, Eisengeräte, Spinnwirteln, Mahl- und Schleifsteine, Sensen, Äxte und Pferdetrensen gefunden. Dass hier Wildtiere wie Auerochs, Wisent und Bär gejagt und Nutztiere wie Rind, Schwein oder Ziege gehalten wurden, beweisen zahlreiche Knochenfunde. Die meisten Fundstücke befinden sich heute in Depots des Landes Niederösterreich, einige auch im Museum in Mistelbach.

Das Angebot von Sabine Felgenhauer-Schmiedt und Erich Kerschbaumer an die NÖN-Mitarbeiterin für eine Exklusiv-Führung auf dem Grabungsgelände wurde mit Freude angenommen. Am Freitagvormittag wanderte also die kleine Gruppe auf dem Fußweg zur Grabung Sand, stieg auf den Burghügel, sichtete die Trockensteinmauern, Steinwälle, die obere und die untere Siedlungsterrasse, las die Informationen auf der großen Hinweistafel am Wegrand. Großteils sind die Grabungsstätten heute wieder von jungen Fichten und hohen Gräsern überwuchert und verborgen.

Buch beschreibt die Burganlage

Das 2019 erschienene Buch „Sand-Oberpfaffendorf - Eine Burganlage des 10. Jahrhunderts bei Raabs an der Thaya, Niederösterreich“ von Sabine Felgenhauer-Schmiedt beinhaltet die Ergebnisse der großflächigen archäologischen Ausgrabungen der Burg Sand und zeigt Bilder der freigelegten, heute kaum mehr sichtbaren Zeugnisse der Vergangenheit.