Wie hat die Landwirtschaft begonnen?. Franz Pieler, Leiter des Bereichs der Ur- und Frühgeschichte der Landessammlungen Niederösterreich, wissenschaftlicher Leiter des MAMUZ

Erstellt am 21. November 2019 (02:32)
Jungsteinzeitliches Langhaus mit den umgebenden Feldflächen, Freigelände MAMUZ Schloss Asparn.
Norbert Weigl, Landessammlungen NÖ

Die frühesten Spuren bäuerlicher Lebensweise in Niederösterreich sind derzeit aus Brunn am Gebirge bekannt und datieren in eine Zeit um 5600 v. Chr.

Der eigentliche Ursprung der Landwirtschaft ist aber deutlich älter und liegt im Gebiet des sogenannten „fruchtbaren Halbmonds“, der vom Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris sowie der Levanteküste gebildet wird. In dieser Region liegt die Heimat vieler Getreidearten, etwa Einkorn und Emmer, die dort als Wildformen entdeckt und bereits um 10.000 v. Chr. kultiviert wurden. 

Um 8200 v. Chr. kam es zu einem nachhaltigen Klimawandel, der eine generell kühlere und feuchtere Phase einläutete. Im Gebiet des fruchtbaren Halbmonds traten hingegen anhaltende Dürreperioden auf, was die allmähliche Abwanderung der bäuerlichen Gemeinschaften über Anatolien nach Europa nach sich zog.  

Der Beginn der Landwirtschaft in Europa wurde früher als „Neolithische Revolution“ bezeichnet, doch war es eher eine lange, facettenreiche Entwicklung.  Der unmittelbaren Vorläufer der in Niederösterreich verbreiteten frühesten Bauernkultur, der sogenannten „Linearbandkeramischen Kultur“, liegen in Westungarn. Südlich des Plattensees hatten sich bereits um 6200 v. Chr. Ackerbau treibenden Gemeinschaften etabliert, doch unterschieden sich diese in vielen Details vom frühesten mitteleuropäischen Neolithikum. Im Vorderen Orient und am Balkan hatte man eine große Vielfalt von Getreiden, Öl- und Hülsenfrüchten kultiviert, in der Linearbandkeramik reduzierte sich dies im Wesentlichen auf 5 Arten: Einkorn, Emmer, Linse, Erbse und Lein. Erst in der Spätzeit der Bandkeramik wurden auch Gerste und Schlafmohn angebaut. Unter den Haustieren dominieren in der Frühzeit der Bandkeramik - wie am Balkan - Schaf und Ziege, etwas später wird dann das Rind zum bedeutendsten Haustier der frühneolithischen Bauern. Schweine wurden zwar ebenfalls gehalten, wie die vergleichsweise spärlichen Funde nahelegen, hatten sie aber wohl nur untergeordnete Bedeutung.