Wie verändert die Digitialisierung den Musikkonsum?. Andreas Gebesmair leitet das Institut für Medienwirtschaft an der FH St. Pölten

Erstellt am 04. Juni 2019 (02:34)
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Symbolbild

Die Änderungen in der Musikrezeption der letzten zwei Jahrzehnte sind einem einfachen Umstand geschuldet: Von einem digitalen Musikstück lassen sich ohne Qualitätsverlust unbegrenzt Kopien anfertigen. Als 1983 die ersten digitalen Tonträger, die CDs, auf den Markt kamen, hat das noch kaum jemand bedacht. Zum Problem wurde die Digitalisierung erst mit dem Komprimierungsformat MP3, schnellen Internetverbindungen und den Filesharing-Plattformen wie Napster, Gnutella und Kazaa zur Jahrtausendwende. Nun standen Millionen von Musikstücken für jedermann und jederfrau gratis zum Download zur Verfügung. Dies führte zu massiven Einbrüchen am Tonträgermarkt, von denen sich die Musikwirtschaft erst jetzt allmählich erholt.

Fh St. Pölten, Foto: Kraus

Allerdings sind sich die Musikforscherinnen- und forscher keinesfalls einig darüber, ob die Filesharing-Plattformen die Hauptschuld am Niedergang der Musikindustrie tragen. Viele verweisen auf die Sättigung des CD-Markts, beklagen den Mangel an attraktivem Musikrepertoire und führen die Konkurrenz durch andere Unterhaltungsmedien wie zum Beispiel Videos oder Games ins Treffen. Zudem könne das Gratisangebot im Internet, so eine These, durchaus zum Kauf von Musik oder zum Besuch von Konzerten anregen, da man sich nun im Vorhinein über die angebotene Musik informieren kann.

Wo immer man die Ursachen für die Umsatzeinbußen am Musikmarkt sucht, die Tatsache, dass noch nie in der Menschheitsgeschichte eine derart große Vielfalt von Musik relativ einfach und kostengünstig zugänglich war, lässt sich nicht bestreiten. Dafür sorgen letztlich auch die neuen Streamingdienste wie Spotify, Apple Music und Deezer, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen und eine nicht unwichtige Erlösquelle für Musikerinnen und Musiker sind. Interessanterweise hat die Digitalisierung der Musik aber auch einen Gegentrend ausgelöst: die Rückkehr zum Analogen. Denn nicht nur Streamingdienste verzeichnen ein beachtliches Wachstum, auch die Nachfrage nach Vinyl ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Ganz können wir auf das Materielle wohl nicht verzichten – auch im Musikkonsum.