1,50€ für Asylwerber: Wie viel ist die Arbeit wert?. Bürgermeister zahlen gerne mehr, wenn dafür auch die Arbeitsleistung der Beschäftigten passt.

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 02. April 2019 (04:44)
APA/Wolfram Kastl/dpa
Asylwerber bei einer Hilfstätigkeit in einer Flüchtlingsunterkunft.

Zur aktuellen Debatte um einen fixen, niedrigen Stundenlohn von 1,50 Euro für Asylwerber spricht ÖVP-Bürgermeister Reinhard Knobloch klare Worte: „Ich geniere mich, wenn ich jemanden um 1,50 Euro pro Stunde anstelle. Sie müssen bei uns arbeiten und gehen nicht spazieren, deshalb ist eine ortsübliche Entlohnung wie für einen Ferialpraktikanten notwendig.“

Dieser würde 1.000 Euro pro Monat verdienen. Nachdem viele Flüchtlinge in Bad Fischau-Brunn ein vorübergehendes Zuhause gefunden hatten, halfen sie auch ab und zu bei der Gemeinde aus. Heute ist kein Flüchtling mehr vor Ort. Einer ist aber zumindest beruflich geblieben: Michel Al Sayegh arbeitet seit Juli 2017 am Bauhof der Gemeinde. Bauhofleiter Bernhard Valenta lobt ihn: „Er gehört zu uns, wir wollen ihn nicht mehr missen.“

"Haben grundsätzlich gute Erfahrungen gemacht"

Eine Zeit lang wohnten viele Asylwerber im Bezirk Wiener Neustadt und auch in der Stadt selbst. Für sie gab es zahlreiche Initiativen der Hilfe. Manche von ihnen nutzen auch die Möglichkeiten, die sich ihnen boten, um arbeiten zu können. So auch in der Gemeinde Hohe Wand.

Jedes Jahr im Sommer werden Flüchtlinge seitens der Gemeinde beschäftigt, wo sie unter anderem bei Mäharbeiten helfen: „Wir haben grundsätzlich gute Erfahrungen gemacht“, berichtet ÖVP-Bürgermeister Josef Laferl. Wie viel er den Männern – es wurden immer maximal zwei Asylwerber beschäftigt – genau bezahlt habe, könne er nicht sagen: „Ich schätze um die 3,50 Euro. Es ist mir wichtig, dass sie anständig arbeiten, da zahle ich gerne auch mehr als 1,50 Euro“, meint Laferl zur aktuellen Debatte.

Derzeit arbeiten keine Flüchtlinge

Eine NÖN-Umfrage in den Gemeinden des Bezirkes zeigt, dass aktuell keine Asylwerber beschäftigt sind. Und sie somit die aktuelle Diskussion über den Stundenlohn nicht betrifft. ÖVP-Bürgermeister Hans Rädler aus Bad Erlach berichtet von einer Familie, die im Ort wohne – sie seien gut in den Arbeitsprozess (aber nicht auf der Gemeinde) eingegliedert und die Kinder gehen in die Schule.

Die angedachte Entlohnung der Asylwerber vergleicht er mit Zivildienern, die auch einen Dienst an der Allgemeinheit verrichten würden. „Die Flüchtlinge bekommen daneben andere Sozialleistungen und sie werden durch diese Maßnahme in die Gesellschaft eingegliedert.“

„Bürgermeister können selbst entscheiden“

Christoph Watz, Generalsekretär der Katholischen Aktion, hält nichts von den 1,50 Euro Stundenlohn und findet die Vorgabe unnötig: „Die Bürgermeister können selbst entscheiden, wie viel sie hergeben wollen. Sie brauchen keine Einmischung.“ Er findet es toll, wenn Asylwerber mithelfen und mitarbeiten können, denn das sei eine gute Möglichkeit der Integration.

Watz weiß von einer tollen Initiative der Stadt Wiener Neustadt: Vor einem Jahr seien Asylwerber beschäftigt worden, man hätte ihnen eine sinnvolle Beschäftigung geboten und nur gute Erfahrungen gemacht.

Insgesamt arbeiteten sechs Pesonen im vergangenen Mai 216 Stunden im Zuge der gemeinnützigen Tätigkeit für den Wirtschaftshof/Grünraum der Stadt Wiener Neustadt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 648 Euro. Somit lag der Stundenlohn über den angedachten 1,50 Euro – nämlich bei drei Euro pro Stunde, also dem Doppelten.

Positiv seien die Erfahrungen mit den Helfern aus dem Ausland laut Christoph Watz auch in den Pfarren gewesen. Die Flüchtlinge haben gegen ein Taschengeld unter anderem bei Flohmärkten mitgeholfen. Dadurch konnten sie zahlreiche Kontakte knüpfen.

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  • 1,50 Euro Stundenlohn für Flüchtlinge in den Gemeinden?