Wiener Neustadt

Erstellt am 15. Januar 2019, 04:33

von Philipp Hacker-Walton und Mathias Schranz

130 Jahre SPÖ: Aufschwung durch Öffnung. Kürzlich feierte die Sozialdemokratie ihr Jubiläum. Die Partei hat schon bessere Zeiten erlebt. Wie sieht die Basis die Zukunft?

Links: „Jeder, der sich einbringen will, ist eingeladen, mitzuarbeiten“, sagt Stadtparteichefin Margarete Sitz. Rechts: Bezirksparteichef Reinhard Hundsmüller: „Vielen fehlt die Zeit für die Politik.“  |  Baldauf/PHW

Nur langsam verarbeiten die Genossen in der Stadt das Ergebnis der Gemeinderatswahl von 2015, ganz erholt haben sie sich von der Niederlage und dem folgenden Abschied vom Bürgermeister-Sessel noch immer nicht. Es war der schmerzhafteste Tiefpunkt in einem langen Abwärtstrend, der sich in den vergangenen Jahren auch bei den Nationalratswahlen manifestiert hat.

Im Herbst vollzog die SPÖ einen Neustart – in Stadt und Bezirk ebenso wie auf Bundesebene. Mit neuen Gesichtern an der Spitze soll es wieder aufwärts gehen. Wie das gelingen soll? Wiener Neustadts Stadtparteichefin Margarete Sitz sieht in der Öffnung der Partei einen Schlüsselfaktor zum (neuerlichen) Erfolg: „Bei uns ist jeder willkommen, der etwas machen möchte. Wenn jemand sich wirklich aktiv einbringen will, ist er eingeladen, mitzuarbeiten, wir freuen uns über jedes neue Gesicht, das auch frisches Blut bringt“, sagt Sitz im Gespräch mit der NÖN.

Sie plädiert auch für ein Überdenken alter Strukturen, um die Mitarbeit für neue und gerade junge Mitglieder attraktiver zu gestalten: „Wir haben so viele gescheite und motivierte Leute in der Stadt, die sich gerne einbringen möchten. Die wollen sich aber nicht zuerst 20 Jahre in der Sektion hochdienen.“

Quelle: wahldatenbank.at/Wikipedia.org; Fotos: SPÖ; NÖN-Grafik: Bischof

Wer sich an der roten Basis in Stadt und Bezirk umhört, der bekommt ihn oft zu Ohren, den Wunsch nach Öffnung – ebenso wie das Bestreben nach verstärkter inhaltlicher Arbeit. „Es ist sicher wichtig, dass die Leute gern zu uns kommen und sich bei uns wohlfühlen – aber es reicht nicht, schöne Feste zu organisieren, wenn dabei nicht zumindest kurz auch darüber gesprochen wird, für welche Dinge wir uns einsetzen wollen und warum“, sagt ein langjähriger Sozialdemokrat.

Wofür die Roten stehen sollen, davon hat Margarete Sitz genaue Vorstellungen, die sie so auf den Punkt bringt: „Wir sind die Partei für die Menschen – nicht die Partei für die Konzerne. Und auch nicht die Partei gegen Ausländer, Arbeitslose oder die kleinen Leute.“

Bezirksparteichef Reinhard Hundsmüller will auf „klassische Mittel“ zurückgreifen, um Menschen zu gewinnen: Die Partei soll verstärkt wieder Möglichkeiten zum sozialen Austausch bieten. Verkürzt gesagt: Über den Kaffee-Tratsch und den Jugend-Treff sollen die Menschen zur Politik finden. Wobei Hundsmüller auch weiß, dass vielen die Zeit fehlt: „Es gibt Gemeinden, wo die Menschen von früh bis spät unterwegs sind und keine Zeit haben, ihren Interessen nachzugehen. Wenn es mancherorts sogar schwer wird, Leute für die Feuerwehr zu finden, dann wird es dort noch schwieriger, Leute für die Politik zu finden.“

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