Arbeitsmarkt-Integration: Viel Positives dank Job. Helmut Tischler gab einem 38-Jährigen eine Chance – eine Bereicherung für beide.

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 24. April 2019 (03:32)
Bettina Kreuter
Christian Jakli (3.v.r.) mit seinem Chef Helmut Tischler (r.), AMS-Geschäftsstellenleiter Georg Grund-Groiss (2.v.r) und den Kollegen Balint Auer, Romeo Ghergtzier und Elena Silaghi in der „Werkstatt Eat & Drink“ im Fischapark in Wiener Neustadt.

Obwohl Christian Jakli bereits Berufserfahrung in der Gastronomie vorweisen konnte, dauerte es lange, bis er wieder einen Job fand. Mit Unterstützung seitens des AMS und dem Netzwerk Berufliche Assistenz des Sozialministeriums (kurz NEBA) schickte der 38-Jährige viele Bewerbungen ab. „Ich wollte gerne unter Menschen sein“, fasst Christian Jakli seinen Berufswunsch zusammen.

Letztendlich war es der Wiener Neustädter Gastronom Helmut Tischler, der dem Mann mit kognitiver Beeinträchtigung eine Chance gab. „Heute ist er der gute Geist für alles. Er ist offen, ehrlich und plaudert auch mit den Stammgästen“, freut sich Tischler, der im Fischapark zwei Lokale betreibt. Dabei wusste der Chef anfangs nicht viel von seinem neuen Arbeitnehmer: „Beim Bewerbungsgespräch hat er nur ein paar Worte gesprochen“, so Tischler. Da half es, dass Brigitte Reihs von NEBA anfangs oft an der Seite des neuen Mitarbeiters war. Heute ist er ein wichtiger Teil des 20-köpfigen Teams und erledigt seine Arbeit selbstständig.

"Betriebe sollen offener sein"

„Die Leute sind nur in einem Bereich eingeschränkt, in anderen Bereichen sind sie die besten Arbeitskräfte und hoch motiviert“, sagt Georg Grund-Groiss, Geschäftsstellenleiter des AMS in Wiener Neustadt. 262 Personen mit Behinderung waren per Ende Februar im Bezirk und in der Stadt Wiener Neustadt arbeitslos gemeldet. Ziel ist es, einem Großteil von ihnen langfristig einen Arbeitsplatz zu sichern – wobei langfristig mindestens zwei Monate bedeutet.

Bei Christian Jakli sind es bereits drei Jahre, die er im Fischapark arbeitet. Helmut Tischler nahm damals zwei Mitarbeiter mit Beeinträchtigung auf: „Von einem habe ich mich rasch getrennt. Aber bei Christian passt alles: Er ist pünktlich und sieht, wo Arbeit ist.“ Der Gastronom sprach jedoch vorab mit seinem Team, denn: „Bevor ich diesen Schritt setze, muss ich mein Team im Boot haben. Es ist wichtig, den Leuten die Chance zu geben – selbst will man sie vielleicht auch haben“, ist Helmut Tischler überzeugt.

Das wünscht sich auch Brigitte Reihs von NEBA: „Die Betriebe sollen offener sein. Sie müssen sich nicht gleich fix binden, es ist ein Versuch.“

Wer sich für einen Angestellten mit Behinderung entscheidet, bekommt nicht nur Beratung seitens AMS und NEBA, sondern auch finanzielle Unterstützung. Im ersten Jahr werden 30 Prozent der Lohnkosten vom AMS übernommen. Im Bezirk wurden dabei etwa 70 Personen unterstützt. „Wir informieren unsere Unternehmer über alle Möglichkeiten“, so Georg Grund-Groiss vom AMS.

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