Karfreitag als Feiertag: Firmen warten ab. In der Karfreitags-Debatte haben ÖVP und FPÖ am Dienstag angekündigt, den Feiertag ganz zu streichen. Stattdessen können sich Arbeitnehmer an einem "persönlichen Feiertag" Urlaub nehmen. Einen zusätzlichen Urlaubstag gibt es dafür aber nicht. Zuvor war eine Halbtags-Lösung angepeilt worden - NÖN.at hatte berichtet:

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 26. Februar 2019 (03:36)
Franz Baldauf
Dieter und Wolfgang Nemetz, Geschäftsführer von Nemetzguss, sind beide evangelisch und arbeiten immer am Karfreitag.

Für Dieter und Wolfgang Nemetz war der Karfreitag bis jetzt immer ein normaler Arbeitstag – und das obwohl die beiden Geschäftsführer der Firma Nemetzguss evangelisch sind. „Wir arbeiten, wenn Arbeit da ist“, erklärt Dieter Nemetz im NÖN-Gespräch. Seine Begeisterung für den halben Feiertag am Freitag vor dem Osterwochenende ist enden wollend: „Unsere Konkurrenz sitzt in Asien und bekommt keinen zusätzlichen Feiertag aufgedrückt“, so Nemetz.

Produziert wird in Wiener Neustadt immer im Zwei-Schicht-Betrieb, im Bedarfsfall auch in drei Schichten. Sollte die Regelung kommen, wie geplant, dann würde er die Mehrkosten natürlich zahlen. „Wir haben ein sehr gutes Betriebsklima. Ich zwinge auch niemanden, am Sonntag zu arbeiten. Aber ich bin zum Beispiel froh, wenn mir jemand den Hochofen an diesem Tag reinigt“, erzählt Dieter Nemetz aus dem Produktionsalltag.

100 Industriebetriebe gibt es im Bezirk Wiener Neustadt, darunter auch viele große wie Baumit, Dynacast oder Essity in Pernitz. Viele von ihnen produzieren auch im Bezirk.

„Das Tempo der Umsetzung ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Die Kostenbelastungen und die Umsatzverluste müssen ausgeglichen werden und die Lösung muss unanfechtbar sein“, bringt es WK-Bezirksstellenleiterin Andrea List-Margreiter auf den Punkt.

Karfreitag ist ein wichtiger Einkaufstag

Die großen Handelsketten Rewe (Sitz: Wiener Neudorf) und Spar wollten die neue Karfreitagsregelung angesichts fehlender Details noch nicht kommentieren. Fakt sei aber, heißt es von Rewe, dass der Karfreitag einer der stärksten Einkaufstage im Jahr ist. Bei Rewe hoffe man auf eine Regelung, die Mehrkosten verhindert.

Reinhold Koll betreibt nicht nur die Bäckerei in Kirchschlag, sondern auch noch sieben weitere Filialen und drei Kaffeehäuser mit 90 Mitarbeitern: „Der Karfreitag ist neben Allerheiligen einer der umsatzstärksten Tage für uns im Jahr“, verrät Reinhold Koll. Nachdem es noch keine fixe Regelung für diesen (Feier)Tag gibt, wisse Koll selbst noch nicht, wie er es handhaben wird.

Der Wiener Neustädter Friseur Kurt Trauner verfolgt die Diskussionen über die Feiertagsregelung: „Wir müssen am Karfreitag offen halten, wir wollen es uns nicht leisten zuzusperren. Der Karfreitag ist der zweitstärkste Tag nach dem Tag vor Weihnachten.“ Für Gisela Zäuner vom Juwelier Herbatschek in der Innenstadt ist der Karfreitag derzeit noch kein Thema: „Wenn es wirklich ein Problem sein sollte, dann stehen mein Mann und ich selbst im Geschäft.“ Sie haben auch am 8. Dezember geöffnet. So ein starker Einkaufstag sei der Karfreitag nicht, dennoch: „Donnerstag bis Samstag sind für uns gute Tage“, so Zäuner.

Bei der Wirtschaftskammer in Wiener Neustadt gehen derzeit nur vereinzelt Anfragen ein: „Momentan wartet jeder ab, wie es wirklich ist“, glaubt Andrea List-Margreiter.

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