Zeitweise rauer Ton in Politik. Frauen im Gemeinderat spüren keine Hindernisse, aber berichten über eine härtere Art der Kommunikation.

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 05. März 2019 (04:51)
Wolfgang Blauensteiner; Franz Baldauf
Links: Ingrid Klauninger ist seit September 2018 SPÖ-Bürgermeisterin in Theresienfeld.; Rechts: Margarete Sitz ist seit 2018 SPÖ-Parteichefin und Vize in Wiener Neustadt.

Als Margarete Sitz 2010 für die SPÖ in den Wiener Neustädter Gemeinderat kam, bemerkte sie rasch, dass hier anders kommuniziert wird, als sie es gelernt hat. „Ich versuche immer, die Sachebene hervorzustreichen, aber manchmal kann es schon passieren, dass auch ich vehementer auftrete“, erklärt die SPÖ-Vizebürgermeisterin.

Die Härte in der Politik spürte Tanja Windbüchler-Souschill, die seit 2005 für die Grünen im Wiener Neustädter Stadtparlament sitzt und zehn Jahre lang im Nationalrat war: „Als ich begonnen habe, war ich mit 28 die jüngste Gemeinderätin und eine Frau – das war schon eine Herausforderung. Die Härte und die nicht vorhandene Handschlagqualität sind nicht leicht auszuhalten.“ Aber: Heute sei es eine Selbstverständlichkeit geworden, dass sie als Frau Verantwortung übernehme.

Quelle: Land NÖ, Abteilung Gemeinden; , Illustration: Vitaly Art/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Der entscheidende Grund für Ernestine Sochurek, UBL-Bürgermeisterin in Winzendorf-Muthmannsdorf, vor 18 Jahren in die Politik zu gehen, war: „Dort, wo ich wohne, will ich wissen, worum es geht und ein direktes Mitspracherecht haben.“ In ihrem Amt als Ortschefin wird sie von allen – den Bürgern und den anderen Gemeinderäten – voll akzeptiert: „Es gab nie Anfeindungen gegen mich. Als gelernte Elektrikerin war ich schon immer viel unter Männern“, so Sochurek.

Für ÖVP-Mandatarin Verena Hanisch-Horvath war ein Mann die stärkste Motivation, um 2015 politisch aktiv zu werden: „Klaus Schneeberger und das allgemeine Empfinden, dass man als Person nichts tun kann, haben mich überzeugt. Es sind aber noch immer zu wenige Frauen in der Politik, auch in der ÖVP.“ Margarete Sitz geht aktiv auf Frauen zu und lädt sie zur Mitarbeit ein: „Frauen sind sehr wertvoll in der Politik.“

In den NÖN-Gesprächen mit den Lokalpolitikerinnen zeigt sich, dass Frauen oft sehr sozial agieren. So auch Ingrid Klauninger, die seit September 2018 SPÖ-Bürgermeisterin in Theresienfeld ist: „Den sozialen Themen habe ich mich immer angenommen.“ Verena Hanisch-Horvath ist ehrenamtliche Vorsitzende des Hilfswerks in Wiener Neustadt und Tanja Windbüchler-Souschill ist Sozialarbeiterin.

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