23 Jahre als Nikolo im Bezirk Wr. Neustadt unterwegs. Werner Petratschek über die Veränderungen der langjährigen Tradition.

Von Sara Brandstätter. Erstellt am 03. Dezember 2019 (04:45)

Zuerst zieht er sein weißes Unterkleid an, darüber den roten Mantel. Auf den Kopf kommen Bart, Perücke und Bischofsmütze, in die Hand der weiß-goldene Stab. Das sind die wichtigsten Utensilien für Werner Petratschek, wenn er Anfang Dezember als Nikolaus für den Neustädter Verein „Teifl‘s Pass“ unterwegs ist.

Bereits seit 23 Jahren besucht er rund um den 6. Dezember Familien, Kindergärten oder Seniorenheime. Durch Zufall dazu gekommen – ein Freund sei damals krank geworden und hätte Ersatz gebraucht – möchte er sich sein Leben heute nicht mehr ohne Nikolaus-Auftritte vorstellen: „Für mich ist es eine Leidenschaft. Man bringt ein Lächeln in das Gesicht der Kinder, das ist das Schönste für mich“, erzählt Petratschek voller Freude.

25 Besuche pro Jahr bei Kindern und Senioren

Dieses Jahr besuchen Petratschek und ein weiterer Ehrenamtlicher des Vereins circa 20 Privathaushalte, dazu kommen fünf Termine in Kindergärten und Schulen und ein Seniorenheimbesuch.

Heute seien die Besuche aber anders als vor 20 Jahren. „Leider hat es sich verändert, es ist traurig“, sagt der 40-Jährige, „die Freude, wenn der Nikolaus kommt, ist zeitweise gar nicht mehr so da.“ Trotzdem gebe es immer noch Kinder, deren Augen groß werden, wenn der Nikolaus plötzlich in der Tür steht. Vor allem bei den Hausbesuchen, „hier gehe ich wirklich auf die einzelnen Kinder ein“, erklärt er. Die Eltern würden immer eine Liste mit gut funktionierenden und eben nicht so gut funktionierenden Dingen bereitstellen: „Es geht um Alltägliches, ob sie auf die Mama hören oder schon alleine Zähneputzen können.“ Wichtig sei aber vor allem, die Kinder zum Guten zu motivieren und Freude zu vermitteln. Das sei auch in Kindergärten und Schulen das Ziel – hier werden die Auftritte aber allgemein gehalten.

Geschenke wichtiger als Nikolausbotschaft

Auch bei den Geschenken gibt es große Unterschiede zu damals: „Die Geschenke sind zu viel, es gibt heutzutage schon riesige Sackerl“, sagt Petratschek. Das hätte nicht mehr so viel mit der eigentlichen Idee des Nikolaus zu tun.

Das bestätigt auch Pater Philipp Gschanes aus dem Neukloster, der sich ebenfalls seit Jahren als Nikolaus verkleidet. Früher wären es nur Nüsse, Mandarinen und Süßes gewesen, heute würden in den Sackerl auch oft Spielzeug, Bücher oder Gewand liegen. Der Pater versucht bei seinen Auftritten also den Fokus auf die christliche Botschaft und das Miteinander zu legen, nicht auf die Geschenke. Den Nikolo-Auftritt ohne kirchlichen Bezug findet er aber auch nicht verwerflich: „Wenn es ein gutes Miteinander ist, die Kinder froh sind und zum Positiven motiviert werden, sehe ich kein Problem.“

Seit 2003 ist Pater Philipp als Nikolaus unterwegs, heuer sind er und vier weitere Ehrenamtliche des Neuklosters bei circa 15 Privathaushalten und in vier Kindergärten: „Leider sind wir für dieses Jahr schon komplett ausgebucht.“ Seit er zum ersten Mal im Stift Heiligenkreuz als Nikolo unterwegs war, sind auch Pater Philipp Veränderungen bei seinen Auftritten aufgefallen. Heute wären viel mehr Kinder ohne religiösen Bezug in den Kindergärten und Schulen. „Die Gedichte und Lieder tendieren eher in Richtung Weihnachtsmann.“ Trotzdem seien die Besuche schön, vor allem wenn man es schaffe, den Kindern zu vermitteln, dass man füreinander da sein sollte.

Umfrage beendet

  • Feiert ihr das Fest des Heiligen Nikolaus?