Wiener Neustadt

Erstellt am 21. Januar 2019, 04:37

von Philipp Hacker-Walton

Wiener Neustadt: "Ansehen auch auf kulturellem Gebiet“. Schon 1979 wollte man die Stadt kulturell und touristisch neu positionieren – eine Parallele zu 2019.

Heidi Korzil schrieb ihre Masterarbeit zum Thema „Eine Stadt auf dem Weg zur Landesausstellung – Wie identitätsstiftend sind kulturelle Großereignisse?"  |  zVg/Weller

„Es ist uns seit eh und je ein besonderes Anliegen gewesen, Wiener Neustadt auch auf kulturellem Gebiet das Ansehen zu verschaffen, das es verdient: Wiener Neustadt ist keineswegs eine Nur-Industriestadt, sondern die alte Kaiserresidenz Friedrich III. hat trotz arger Verluste in der Vergangenheit noch immer eine beachtliche Zahl ehemaliger historischer Baudenkmäler und Kunstschätze zu bieten.“

Sujet zur Landesausstellung 1979 in Wiener Neustadt.  |  zVg/Weller

40 Jahre alt sind diese Sätze, sie stammen aus der Eröffnungsrede des damaligen Bürgermeisters Hans Barwitzius zur Landesausstellung 1979. Dennoch klingen sie aktuell: Schließlich soll auch die Landesausstellung 2019 dazu dienen, als „Trägerrakete“ den (Kultur-)Tourismus in der Stadt anzukurbeln.

„Barwitzius hat in seiner Eröffnungsrede dezidiert darauf hingewiesen, dass Wiener Neustadt nicht nur Industriestadt ist, sondern auch auf eine lange Geschichte und intensive Kultur zurückblicken kann“, sagt Heidi Korzil, die sich für ihre Masterarbeit damit befasst hat, wie kulturelle Großereignisse die Identität einer Stadt prägen können. Barwitzius‘ Rede von 1979 „war für mich eine Schlüsselstelle in dem Bestreben der Stadt, sich auch kulturell darzustellen“.

"Es gab großes Bemühen, große Anstrengungen"

Zum Thema „Die Zeit der frühen Habsburger“ wurden 1979 einerseits zum 700-Jahr-Jubiläum der Weihe die Geschichte des Domes, der Dom selbst und auch seine Kunstschätze präsentiert. Zudem wurden die 100 Jahre ab 1379, in denen sich die Macht der Habsburger in Österreich festigte, in St. Peter an der Sperr dargestellt.

Ganz genau 116.316 Besucher wurden gezählt – für damalige Verhältnisse ein Erfolg. Doch langfristig nachhaltig gewirkt hat die Landesausstellung nicht, sagt Korzil: „Es gab seitens der Stadtführungen immer ein großes Bemühen, große Anstrengungen. Das Image von Wiener Neustadt als Kulturstadt hat sich aber nicht halten können. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Stadt – bis heute – als Industriestadt und meistzerstörte Stadt in den Köpfen der Menschen. Punkt. Im Grunde genommen fahren die Touristen von Wien nach Graz an Wiener Neustadt vorbei.“

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Wiewohl gerade Landesausstellungen eine Chance zur Neupositionierung bieten, so Korzil: „Sie sind, wie jedes kulturelle Großereignis, ein Spektakel. Das kann eine Initialzündung sein, um die Stadt kulturell in ein neues Bewusstsein zu rücken. Es zieht die Massen an – und damit auch Besucher, die sich sonst nicht so sehr für Kultur interessieren, nicht so oft in ein Museum gehen. Aber auch die, die wegen des Spektakels kommen, nehmen etwas von der Stadt mit.“

Nicht nur für die Besucher, auch für die Bewohner der Stadt gibt es die Chance, diese neu zu begreifen: „Wenn die eigene Bevölkerung erkennt es tut sich was und dadurch plötzlich wieder Interesse da ist.“ Und das, so Korzil, könne zur gemeinsamen Identität beitragen: „Möglichst viele Menschen sollen sich bei einem solchen Event wiederfinden. Wichtig dabei ist, dass bei den Leuten des Gefühl erweckt wird, man interessiert sich für ihre Ideen und setzt ihnen nicht nur etwas vor.“