Embryo & starke Frauen bei Theater in Wiener Neustadt. Anna Maria Krassnigg inszeniert eine Hamlet-Version aus einer ungewöhnlichen Perspektive, „Dantons Tod“ nur mit Frauen und plant Regionales für kommenden Frühling.

Von Brigitte Steinbock. Erstellt am 15. September 2021 (05:39)
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Anna Maria Krassnigg hat viele Ideen für die Kasematten.
Steinbock

Heute, Mittwoch, beginnt die zweite Saison der Theatertruppe „wortwiege“ in den Kasematten, am Programm stehen zwei Uraufführungen. Zuerst ist Ian McEwans „Die Nussschale“, die von Hamlet als Embryo erzählt wird. Technisch aufwendig von Anna Maria Krassnigg mit einer Art Kino-Bühnen-Schau mit Interaktionen zwischen Leinwand und Schauspielern inszeniert, ist es „eigentlich eine Krimi-Komödie mit tollen philosophischen Textebenen“.

Der 73-jährige Autor wollte zur Premiere kommen, aber die Reise zu Corona-Zeiten war ihm dann doch zu anstrengend. „Aber er erkundigt sich dauernd telefonisch, wie es uns geht und wir konnten ein langes Interview mit ihm drehen, das bei den ‚Salons Royal‘ in Teilen gezeigt wird.“

Die Entscheidung dafür, was in der nächsten Saison gespielt wird, wird demnächst fallen, denn, so Anna Maria Krassnigg: „Die Stücke werden immer auf dieses schöne alte Gebäude abgestimmt und wenn die Premieren vorbei sind, bleibt Zeit, sich hier inspirieren zu lassen.“

Generell interessieren die Truppe „Dinge, die wir noch nie gemacht oder gesehen haben“. Demgemäß ist auch das zweite Stück, Büchners „Dantons Tod“ „ein wort- und bildgewaltiges Revolutionsstück mit starken Frauen“, denn es wird erstmals nur mit weiblichen Darstellern gespielt. Die „Salons Royal“ werden heuer als Sonntags-Matineen um 11.30 Uhr mit einem Brunch abgehalten (Anmeldungen unter www.wortwiege.at)

Dank einer Aufstockung des Budgets wird es ab 2022 auch eine Frühlings-Spielzeit geben. Krassnigg: „Da sollen unter dem Arbeitstitel ,Verdichtungen‘ feinere Theaterformen zu sehen sein. Ich denke an szenische Lesungen, Nachwuchsprojekte und Regionales.“ Sie will Jeannie Ebners „Figuren in Schwarz und Weiß“ ebenso in die Kasematten bringen, wie „einen sehr schönen Stoff“ von Grillparzer zu dessen 150. Todestag.