Fachhochschule soll in die Kirche

Erstellt am 25. August 2014 | 09:50
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Foto: NOEN, Franz Baldauf
Land will Karmeliterkirchen-Areal für 550 Studenten zur Fachhochschule machen.
Die Karmeliterkirche und deren Areal in der Schlögelgasse soll zur Fachhochschule umgebaut werden. So lautet zumindest der Vorschlag von ÖVP NÖ-Klubobmann Klaus Schneeberger und ÖVP-Vizebürgermeister Christian Stocker.

An der FH in der Civitas Nova sind derzeit 2.680 Studenten eingeschrieben, eine Erweiterung steht schon seit Längerem im Raum. „Es wäre mein Wunsch, dass ein Teil der FH bei einer Erweiterung in die Innenstadt kommt“, so Schneeberger. Das wäre nicht nur für die Studierenden ein Vorteil (Stichwort Erreichbarkeit), sonder auch eine Belebung für Gewerbe und Gastronomie. Die Karmeliterkirche sowie das angrenzende Areal sind mit dem Krankenhaus vom Land 2008 übernommen worden. Deswegen wurde seitens des Landes jetzt eine Machbarkeitsstudie über die Nachnutzung des Areals als FH-Standort ausgearbeitet.

Das Ergebnis: Die Renovierungs- und Umbauarbeiten können im Frühjahr 2016 beginnen, damit die Gebäude ab dem Wintersemester 2017 für die Fachhochschule verwendbar sind. Die Kirche selbst könnte als großer Hörsaal verwendet werden, die angrenzenden Gebäude als Büros, Labors oder kleinere Hörsäle. Zudem soll auf dem Areal ein Zubau erfolgen. Kosten für das Projekt: Rund 11 Millionen Euro.

„Jetzt liegt der Ball bei der Stadt, ich sehe das als Jahrhundertchance.“ ÖVP NÖ-Klubomann Klaus Schneeberger

Die Gebäude werden Platz für 550 Studenten sowie Lehrende und Angestellte der Fachhochschule Wiener Neustadt bieten. Mittel- und langfristig sei auch der Ausbau zu einem Uni-Campus möglich, so Schneeberger. „Es ist ein Angebot seitens des Landes an die Stadt. Wir würden das Grundstück und die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen und uns mit einem Drittel an den Gesamtkosten beteiligen, was an sich nicht üblich ist. Jetzt liegt der Ball bei der Stadt, ich sehe das als Jahrhundertchance.“

Christian Stocker ergänzt: „Durch dieses Angebot des Landes entsteht eine mehrfache win-win-Situation. Einerseits wird der beengten Raumsituation an der Fachhochschule Rechnung getragen, auf der anderen Seite können durch dieses Angebot den Studenten moderne Studienplätze in einem historischen Ambiente im Zentrum unserer Stadt angeboten werden. Vor allem aber – und dies freut mich besonders – ist damit eine Aufwertung und Belebung unserer Innenstadt verbunden.“

Erreichbarkeits-Problem der FH zeigte sich auch bei Umfrage

Überrascht zeigte sich SPÖ-Bürgermeister Bernhard Müller, der von den Plänen über das NÖN-Telefonat erfuhr. „Das ist kein partnerschaftlicher Umgang“, stellt er verärgert fest. Die Stadt sei mit 70 Prozent schließlich Mehrheitseigentümer der Fachhochschule, man hätte die 20-jährige Erfolgsgeschichte maßgeblich geprägt. „Es kann nicht sein, dass immer der Schwanz mit dem Hund wedelt, wenn es um Dinge wie das Geld geht. Und wenn es zum Beispiel um die Bestellung eines zweiten Geschäftsführers an der FH geht, legt sich Schneeberger quer.“ Allerdings könne er dem Gedanken, die Studenten in die Innenstadt zu holen, viel abgewinnen.

„Dafür war ich schon immer.“ Auch gegen den Standort Karmeliterkirche hätte er nichts einzuwenden. Über die Finanzierung könne er aber derzeit noch nichts sage, da er die Details des Projekts nicht kenne. Man sei aber prinzipiell nicht zuletzt wegen der Fachhochschul-Immobiliengesellschaft gut aufgestellt. Eine Reaktion auf den Vorschlag gibt es auch von Bürgerlisten-Gemeiderätin Evamaria Sluka-Grabner. Das Erreichbarkeits-Problem der FH via Bus hätte sich auch bei ihrer Umfrage gezeigt. Das würde das Problem teilweise lösen, dazu hofft sie auf eine Verbesserung der Busverbindung.

Die Karmeliterkirche

Ursprünglich ist, wahrscheinlich ab 1241, eine Verbauung des Gebietes durch die Deutschordenskommende, welche bei einem Brand im Jahre 1608 unterging.

Im Jahre 1673 tauschte der Deutsche Orden das Areal gegen das Möger’sche Freihaus in der Bahngasse 3 und 5. Im Jahre 1697 erfolgte die Grundsteinlegung.

Die Kirche wurde 1718 geweiht und im Jahre 1783 mit dem Kloster aufgehoben. Ab 1787 wurde im Gebäude durch Christoph Andrä und Carl Friedrich Bräunlich eine Seiden- und Samtbänderfabrik eingerichtet. Die Kirche wurde wiederum als Bethaus für die evangelischen Fabriksarbeiter genutzt.

Von 1885 bis 1889 erfolgten Umbauten zur Nutzung als Wohnhausanlage. Die Kirche wurde in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Kinosaal, Apollo-Kino, umgebaut. Im Jahre 1967 wurde der Osttrakt des ehemaligen Klosters zum Verwaltungsgebäude des Landesklinikum Wiener Neustadt umgebaut. Ab dem Jahre 1979 wird die Kirche von der Stadtgemeinde als Ausstellungssaal für Kunstausstellungen genutzt.

Quelle: wikipedia