"Stadt in der Stadt": Wohnbau am früheren Leiner-Areal. Investor Klemens Hallmann plant am Leiner-Areal mehrere hundert Wohnungen, dazu kommen Schulen und Geschäfte. 200 Millionen Euro werden investiert. Info-Stände für Bevölkerung im Oktober geplant.

Von Mathias Schranz, Philipp Hacker-Walton und APA . Update am 28. September 2020 (16:28)
So soll das neue Viertel aussehen
Moser Architects / zoomvp.at

Das ehemalige Leiner-Areal in der Innenstadt wird in den nächsten Jahren zur „Stadt in der Stadt“: Dort wird ein neues Wohnviertel mit hunderten Wohnungen samt Tiefgaragenplätzen entstehen. Gebaut wird vor allem in die Höhe – teilweise werden die Gebäude auf Augenhöhe mit dem nahen Wasserturm sein. Dazu werden am Areal (im Besitz der Hallmann Holding) Schulen gebündelt: Musikschule, Musikvolksschule und Musikmittelschule sollen in dem Wohnviertel Platz finden – Konzertsaal inklusive. Ebenso geplant: Nahversorger, Geschäfte sowie „Urban Gardening“ für die Bewohner.

600 Wohnungen geplant

Auf einer Grundfläche von 23.000 Quadratmetern soll eine Nettonutzfläche von 55.000 Quadratmetern entstehen. Geplant sind insgesamt rund 600 Wohneinheiten - inklusive Balkons, Terrassen oder Privatgärten. Etwas mehr als die Hälfte aller Gebäudeflächen soll Wohnungen umfassen - geplant sind sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen. 

Dazu kommt ein "Musisches Bildungszentrum" mit Kindergarten, Volksschule, Neuer Mittelschule und Musikschule. Das Freizeitangebot soll neben Gastronomie und Fitness auch einen Konzertsaal umfassen. Nahversorger, Einkaufsmöglichkeiten und ein Ärztezentrum finden auch noch Platz. Ein- und zweigeschossige Tiefgaragen sollen rund 900 Parkplätze schaffen.

Nachhaltigkeit als Thema

Die "Stadt in der Stadt" soll eine autofreie Zone werden, Dächer und Fassaden sollen begrünt werden, erneuerbare Energien (Erdwärme, Gebäudeteilaktivierung, Photovoltaik) sollen eine große Rolle spielen, ebenso Carsharing- und E-Mobilitätsangebote.

200 Millionen Euro

Das Projektvolumen beträgt rund 200 Millionen Euro. Sobald das Widmungsverfahren abgeschlossen ist, soll das Projekt eingereicht werden - nach Vorliegen der Baubewilligung werde unverzüglich mit dem Bau begonnen, heißt es. Die reine Bauzeit soll rund drei Jahre betragen.

Damit sich die Neustädter ein Bild vom Großprojekt machen können, werden am Gelände Präsentationsstände aufgestellt, bei denen man sich informieren kann: Die Informationskampagne soll von 5. bis 16. Oktober Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr und Mittwoch von 15 bis 19 Uhr stattfinden.

"Über Generationen wohl fühlen"

"Mit der Quartiersentwicklung wollen wir aus dem Areal, das in den vergangenen Jahren primär als Wirkungsstätte großer Handelskonzerne gedient hat, wieder einen nachhaltigen, zukunftsorientierten, pulsierenden und modern gestalteten Lebensraum machen, in dem sich die Menschen über Generationen hinweg wohl fühlen können", so Klemens Hallmann, Alleinegentümer der Hallmann Holding.

"Das vorliegende Projekt ist für die Stadt gleich aus mehreren Gründen von immenser Bedeutung", so Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP). Bereits versiegelte Flächen im Stadtkern würden verdichtet, durch den Wohnraum die Frequenz in der Innenstadt erhöht. "Und drittens können wir mit dem Kindergarten, der Volks- und Mittelschule, sowie der Musikschule Platz für wichtige öffentliche Einrichtungen schaffen."

Wiener Neustadts Grüne gegen "Mega-Wohnbauprojekt"

Die Wiener Neustädter Grünen sprechen sich gegen das am Montag vorgestellte "Mega-Wohnbauprojekt mitten in der Innenstadt, gepaart mit Einkaufszentrum, Kultursaal und Schule" aus, sagte Klubobfrau Selina Prünster. "Zwar ist eine innerstädtische Verdichtung ganz in unserem Sinne, dass jedoch die Grenzen gesprengt werden, sehen wir sehr kritisch", fügte Gemeinderat Michael Diller hinzu.

"Die Geschäfte und die Infrastruktur werden aus den Fußgängerzonen hinausgezogen", sagte der Mandatar weiter. Zudem werde "keine nachhaltige Verkehrslösung mitgedacht", ergänzte Prünster.

ÖVP wirft Grünen Halbwissen vor

Nachdem sich die Wiener Neustädter Grünen gegen das am Montag vorgestellte Wohnbauprojekt am ehemaligen Leiner-Areal ausgesprochen hatten, hat die städtische ÖVP die Kritik zurückgewiesen.

"Anstatt sich zu informieren, sich mit den Details auseinanderzusetzen und das Gespräch zu suchen" würden die Grünen "lieber auf eigenes Halb- und Unwissen" setzen, hieß es per Aussendung.

"Gerade weil es erwartbar war, dass es unterschiedliche Zugänge zur Dimension des Projekts geben wird, haben wir die Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung initiiert", teilte Matthias Zauner, Klubobmann der ÖVP Wiener Neustadt, mit. Die Volkspartei warf den Grünen vor, am Beginn eines Planungsprozesses bereits "die Tür zuzuschlagen und Dinge zu unterstellen, die so gar nicht stimmen" und ortete "schlechten Stil".

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