Stadt präsentiert Sicherheitsprogramm. „9-Punkte-Programm für mehr Sicherheit in Wiener Neustadt“ nach Sicherheitsgipfel im Rathaus.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 11. Februar 2019 (19:51)
Schranz
Präsentierten das Programm: FPÖ-Sicherheitsstadtrat Philipp Gerstenmayer, NÖ Landespolizeidirektor Konrad Kogler, ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger und Magistratsdirektor Markus Biffl

Im Rathaus fand am Montag ein „Sicherheitsgipfel“ auf Initiative von ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger und FPÖ-Sicherheitsstadtrat Philipp Gerstenmayer statt. Dabei diskutierten Vertreter der Polizei, der Staatsanwaltschaft, der Gerichte und des Magistrates über aktuelle Herausforderungen und Maßnahmen für die Zukunft. Erstes Ergebnis des Gipfels ist ein „9-Punkte-Programm für mehr Sicherheit in Wiener Neustadt“:

  • Etablierung der Sicherheitsplattform „Frauen, Jugend und Familie“: Die Plattform soll möglichst breit aufgestellt sein – Vertreter folgender Organisationen werden dazu eingeladen:
    Verein Wendepunkt (Frauenberatung / Frauenhaus),
    Gewaltschutzzentrum NÖ, Wiener Neustadt,
    Verein Jugend & Kultur (Beratungsstelle "Auftrieb" / Schulsozialarbeit / mobile Jugendarbeit "Rumtrieb"),
     Verein Neustart / Bewährungshilfe / Antiaggressionstraining,
     Verein Lichtblick, Polizei, Gericht, Staatsanwaltschaft und Magistrat.
  •  Resolution des Gemeinderates „Anti-Gewalttherapie nach Wegweisung“:

    Viele  Experten bemängeln, dass nach einer Wegweisung und einem Betretungsverbot in der Familie keinerlei Nachbetreuung für die Gewalttäter passiert.
    Aus diesem Grund wird der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung eine Resolution an den Gesetzgeber verabschieden, wonach analog zu alkoholisiertem Fahren im Straßenverkehr, wo es nach der Strafe und dem Führerscheinentzug verpflichtende Schulungen, Amtsarztbesuche und Workshops gibt, derartige Maßnahmen auch bei Wegweisungen und Betretungsverboten vorgeschrieben werden. Die Gewaltpräventionstherapien sollen dann – ebenfalls analog zur Straßenverkehrsordnung – von den Tätern selbst bezahlt werden
  • Regelmäßiger Austausch und verstärkter Informationsfluss zwischen Behörden:

    Was mit dem Sicherheitsgipfel begonnen hat, soll sich nunmehr auch noch verstärkter in der täglichen Arbeit widerspiegeln. Die verantwortlichen Behörden müssen gerade im Familienbereich, wenn es um das Kindeswohl geht, noch enger zusammenarbeiten und den Informationsfluss über Straftaten, Anzeigen, uvm. intensivieren, soweit es die Datenschutzbestimmungen zulassen. So kann gemeinsam an der Verhinderung von zukünftigen Straftaten gearbeitet werden.

    Beispielhaft wird hier die bestehende Mitteilungspflicht bei Wegweisungen und Betretungsverboten an die Kinder- und Jugendhilfe genannt, wenn es sich um Delikte handelt, die das Kindeswohl beeinträchtigen. Diese Mitteilungen sollen in Zukunft noch rascher bei den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendhilfe landen. Es gibt hier auch eine Rufbereitschaft, die zu jeder Tages- und Nachtzeit als Kontakt für die Exekutive erreichbar ist.

  • Prüfung längerer Betretungsverbote in den Schutzzonen:

    In den Schutzzonen am Bahnhof, im Stadtpark und im Esperanto Park zeigt sich, dass die Wegweisungen und Betretungsverbote zwar wirken, jedoch nicht nachhaltig, weil die Weggewiesenen nach Ablauf der 30 Tage Betretungsverbot sehr oft sofort wieder an Ort und Stelle sind.

    Aus diesem Grund wird geprüft, wie man diese Betretungsverbote – vor allem bei Missachtung und im Wiederholungsfall – ausweiten und verlängern kann, um ihre Wirkung zu erhöhen.
    Aktuelle Zahlen zu den Schutzzonen:
    Lokale Herkunft der Menschen mit Betretungsverbot: 22% Stadt Wiener Neustadt, 57% Region (Wiener Neustadt-Bezirk, Neunkirchen, Mödling, Baden, Mattersburg), 21% Rest.
     Altersstruktur: 20% unter 19 Jahre, 70% von 19 bis 30 Jahren
    . Nationalität: 38% österreichische Staatsbürger, 62% ausländische Staatsbürger.
     Mehr als 4.000 Identitätsfeststellungen,
     1.453 Betretungsverbote,
     250 – 260 Verwaltungsstrafanzeigen

  • Erlassung einer Mitteilungspflicht an die Kinder- und Jugendhilfe bei den Schutzzonen:

    Die Kinder- und Jugendhilfe des Magistrats ist in ihrer tagtäglichen Arbeit massiv auf Informationen rund um die Jugendlichen in der Stadt angewiesen. Deshalb ist gerade das Wissen um Betretungsverbote Jugendlicher in den


    Schutzzonen ein ganz wesentlicher Punkt, der in Zukunft durch eine Mitteilungspflicht verbessert werden soll.

  • Erhöhung der Zahl der Polizeibeamten und ÖBB-Securitys:

    Zumindest für die Zeit der NÖ Landesausstellung wird eine Ausweitung der Polizei- und Security-Präsenz rund um den Bahnhof angestrebt. Dies wurde einerseits im Rahmen des Gipfels zwischen der Stadt Wiener Neustadt und dem Landespolizeidirektor so vereinbart, und andererseits in einem Brief von Bürgermeister Klaus Schneeberger an ÖBB-Generaldirektor Andreas Matthä als dringender Wunsch artikuliert.

    Gerade durch die Nähe des Bahnhofs zu den Kasematten, dem Herz der NÖ Landesausstellung 2019, ergibt sich hier eine besondere Wichtigkeit.

  • Durchführung von Gewaltpräventionsworkshops in den Schulen:

    Die Stadt wird Gewaltpräventionsworkshops für alle Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen in den Neuen Mittelschulen, sowie im Poly, finanzieren. Dies soll unter Einbindung der Pädagoginnen und Pädagogen erfolgen. Durchgefügt werden die Workshops vom Verein „Jugend & Kultur“. Die Kosten betragen knapp 9.000 Euro.
  • Verursacherprinzip bei Kostenübernahme von Polizeieinsätzen:

    Weiters wird gefordert, dass in Zukunft die Kosten von Großeinsätzen der Polizei bei Veranstaltungen von jenen getragen werden, die Verursacher der Einsätze sind. Konkret geht es hier in erster Linie um Fan- bzw. Hooligan-Begleitungen bei Fußballspielen.

    Hier sollen die Vereine für die übermäßigen Überstunden der Exekutive aufkommen, um so Mittel für zusätzliches Personal oder Überstunden im Sinne der Sicherheit der Allgemeinheit frei zu bekommen.

  • Start Prozess „Urbane Sicherheit“:

    Das „Kuratorium Sicheres Österreich“ bietet Studien und Workshops über aktuelle Trends und Entwicklungen im Bereich der urbanen Sicherheit an. Die Stadt Wiener Neustadt wird einen derartigen Arbeitsprozess mit dem Kuratorium starten, um so auch Erkenntnisse für das zukünftige Handeln zu erlangen.