Todestag jährt sich: Auf Ingerls Spuren. Der Todestag des Neustädter Künstlers jährt sich zum 20. Mal. Lokale Künstler bieten Stadtrundgang zu seinen Skulpturen an.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 26. April 2019 (05:18)

Jeder Neustädter war mindestens einmal im Stadttheater, aber wer weiß, dass der mit schwarzen rechteckigen Formen bestückte Spiegel im Foyer von Kurt Ingerl stammt? Laut dem Künstler sollte Kunst für jeden zugänglich sein. Ist das Kunstwerk ein Spiegel, so Ingerl, wird der Zuschauer, ohne es zu merken, Teil des Bildes. Die Projektgruppe „Ingerl begegnen“ organisiert Stadtspaziergänge, bei denen lokale Künstler seine Werke im (halb)öffentlichen Raum erklären. Die NÖN war beim dritten „Ingerlspaziergang“ dabei. Geführt wurde dieses Mal von Franz Oberger, der Ingerl mit Anekdoten zum Leben erweckte, und Kulturvermittler Michael Wilczek, der die Tour mit Fakten zu den Skulpturen einrahmte.

Die Tour startet im Innenhof der HAK, in der eine von Ingerls „Programmierten Skulpturen“ aus Metallröhren steht. Der Künstler entwarf viele seiner Werke nach Computerstrukturen, arbeitete konstruktivistisch, ließ sich aber auch von der Kunst nichts vorschreiben.

Ingerl können wir in der Stadt überall begegnen

Von der HAK führt der Spaziergang weiter ins Landesklinikum. Beinahe versteckt hinter der Information liegt der zweite Halt: eine von Ingerls „Geschnürten Frauen“, der Bronzeguss einer Frau mit extremer Wespentaille. Weiter geht die Tour im Stadtpark bei der „Sonne“. Ein Detail am Rande: Ingerls Atelier befand sich längere Zeit am Areal der Kasematten. Auch im BG Babenbergerring ist er vertreten. Durchgesetzt hätte er sich dabei gegen Künstler Gotthard Fellerer.

Die zweiteilige Plastik ist eine Referenz auf das „magische Quadrat“ in Dürrers Werk „Melancholie“. Der offizielle Teil endet am Allerheiligenplatz. Vor dem Café Witetschka steht die Eisenskulptur „Stapelung“ von 1972. Eine Auftragsarbeit des Landes, die eine Gegenleistung sein sollte, um einen Kunstkatalog von Ingerl zu finanzieren. Leider reichte das Geld gerade für die Skulptur, der Künstler hätte sich ziemlich über den Tisch gezogen gefühlt. Bei einem Kaffee zum Ausklang lässt sich noch die Gipsplastik „Figuration“ bewundern.