Tote Jugendliche im Park: Mordanklage liegt vor. Nach dem Fund einer getöteten 16-Jährigen im Jänner in einem Wiener Neustädter Park hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 19-Jährigen eingebracht.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 04. Juli 2019 (12:21)
Einsatzdoku - Patrik Lechner

Dem Mann wird Mord, Störung der Totenruhe, Körperverletzung und versuchte Nötigung vorgeworfen. Er sprach bisher laut seinem Verteidiger von einem Unfall. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest, wie auch "Heute" (Donnerstag-Ausgabe) berichtete.

Der Syrer soll laut Anklage seiner Ex-Freundin in der Nacht auf den 13. Jänner in Wiener Neustadt nachgestellt haben. Als die Jugendliche gegen 6.00 Uhr nach einer Lokaltour mit dem Taxi nach Hause fahren wollte, soll ihr der junge Mann vorausgeeilt und sie im Anton-Wodica-Park abgepasst haben. Dort soll er sie aus Eifersucht mit einem Gürtel erwürgt haben. Der 19-Jährige muss sich auch wegen Störung der Totenruhe verantworten, weil er sich an der Leiche vergangen haben soll.

Unter Laubhaufen im Park gefunden

Danach soll der 19-Jährige zu einem Freund gefahren, sich in den Facebook-Account des Opfers eingeloggt und ein Lebenszeichen der Jugendlichen vorgetäuscht haben, berichtete "Heute". Die Tote wurde am 13. Jänner am Vormittag unter einem Laubhaufen in dem Park gefunden. Nach einer Fahndung wurde der Verdächtige einige Stunden später festgenommen. Er wurde in die Justizanstalt Wiener Neustadt eingeliefert und Anfang Februar nach Eisenstadt verlegt.

Dem jungen Mann wird Mord und Störung der Totenruhe angelastet. Weitere Anklagepunkte sind Körperverletzung und versuchte absichtlich schwere Körperverletzung sowie dreifache versuchte schwere Nötigung zum Nachteil von Verwandten des Opfers, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl, am Donnerstag auf Anfrage mit. Dem Zeitungsbericht zufolge soll der 19-Jährige 2018 den Cousin der Jugendlichen mit einem Messer an der Hand verletzt haben.

Der Beschuldigte hat bei der Tatrekonstruktion im Februar von einem Unfall gesprochen. Sein Mandant habe mit der Ex-Freundin ein Treffen in dem Park ausgemacht, sagte Rechtsanwalt Andreas Reichenbach am Donnerstag. Der Rest sei Frage der Beweiswürdigung. Die 16-Jährige soll nach Angaben des Beschuldigten auf die Bank gestürzt und gestorben sein. Die Vorwürfe neben jenem des Mordes "habe ich noch nicht mit ihm erörtert", sagte der Verteidiger zur APA.

23 Zeugen werden befragt

Bei dem Prozess sollen 23 Zeugen befragt werden, außerdem sollen auf Antrag der Staatsanwaltschaft drei der fünf beauftragen Sachverständigen zu Wort kommen. Neben dem gerichtsmedizinischen und psychiatrischen Gutachten wurden ein DNA- und ein Blutgutachten eingeholt. Eine Expertise zur Altersbestimmung hat ergeben, dass das vom Verdächtigen angegebene Geburtsdatum - 1. August 1999 - stimmen dürfte. Im Fall einer Verurteilung wegen Mordes kommt der Strafrahmen für junge Erwachsene (18 bis 21 Jahre) zur Anwendung. Dem Mann drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Ein Prozesstermin wurde noch nicht festgelegt, sagte Birgit Borns, Sprecherin des Landesgerichts Wiener Neustadt. Dieser wird fixiert, sobald die Anklage rechtskräftig ist.